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Interview statt Neujahrs-Empfang mit dem Bürgermeister

Hoffen auf Rückkehr zur Normalität

Everswinkel

Das dritte Corona-Jahr läuft, und zum zweiten Mal in Folge musste der traditionelle Neujahrs-Empfang der Gemeinde abgesagt werden. Im WN-Interview zieht Bürgermeister Sebastian Seidel ein Fazit des Jahres 2021 und wirft einen Blick auf die Herausforderungen 2022.

Bürgermeister Sebastian Seidel allein auf der Treppe des Rathauses. Die Begrüßung zahlreicher Vitus-Bürger zum Neujahrs-Empfang an dieser Stelle war auch zum Jahresauftakt 2022 nicht möglich. Foto: Klaus Meyer

WN-Redakteur Klaus Meyer greift im Gespräch mit Bürgermeister Sebastian Seidel noch einmal einige prägende Themen des vergangenen Jahres von den Pandemie-Auswirkungen über das neue Baugebiet bis zum Streit übers Kommunalwahlergebnis auf. Zudem geht es um die Frage, was vom Jahr 2022 hinsichtlich Projekten und Veranstaltungen zu erwarten ist.

Erneut ist aufgrund der Corona-Pandemie kein Neujahrs-Empfang der Gemeinde möglich. Wie sehr vermissen Sie den Kontakt mit den Bürgern zum Jahresauftakt?

Seidel: Der Neujahrsempfang ist eine schöne Tradition. Wir können gemeinsam zurückblicken auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf das neue Jahr wagen. Hinzu kommen die vielen Begegnungen mit den Menschen, die daran teilnehmen. Das hat schon etwas Besonderes an sich.

Auch 2021 war von der Pandemie geprägt. Viele Veranstaltungen, eine traditionelle Feste aber auch kulturelle Veranstaltungen, waren nicht möglich. Ihre Hoffnung, das Corona-Virus in seine Schranken zu verweisen, hat sich noch nicht erfüllt. Wie ernüchtert sind Sie nach zwei Jahren Pandemie?

Seidel: Wer von uns hat die Hoffnung auf ein Leben ohne diese Einschränkungen nicht? Es kostet alles viel Kraft. Das spürt jeder von uns an sich selbst. Dass jetzt die Zahlen durch die Omikron-Variante noch einmal rasant ansteigen, verdeutlicht einmal mehr, dass wir noch nicht durch sind mit „Corona“. Umso beruhigender ist es, dass sich hier die allermeisten Menschen auch weiterhin an die Regeln halten und mit der nötigen Umsicht unterwegs sind.

Was waren für Sie trotz der schwierigen Rahmenbedingungen die Highlights des vergangenen Jahres?

Seidel: Die Altarweihe in der Magnuskirche gehört zweifellos dazu, ebenso der erste Spatenstich im Baugebiet Bergkamp III. Auch die Einweihung des Anbaus ans Alverskirchener Sportlerheim mit einer 100-prozentigen Impfquote, die es möglich machte, ohne Maske und zu dem Zeitpunkt auch ohne Sorge wieder mit Menschen zusammen zu kommen, war eine schöne Veranstaltung. Natürlich gibt es daneben noch viele andere, die ich jetzt nicht alle aufzählen kann.

Und was hat Sie eher enttäuscht?

Seidel: Eine richtige Enttäuschung gibt es nicht.

Wie beurteilen Sie das kommunalpolitische Jahr 2021? Sie konnten sich am Ende zumindest über einen einstimmiges Haushaltsvotum freuen.

Seidel: Wir haben gemeinsam viel erreicht. Und der einstimmige Beschluss für den Haushalt 2022 gibt uns Rückenwind, die Projekte für die Weiterentwicklung unserer beiden Ortsteile auch gemeinsam und tatkräftig anzugehen.

Besonderer kommunalpolitischer Moment für den Bürgermeister am 16. Dezember vergangenen Jahres: Die Ratsmitglieder aller vier Parteien heben die Hand für den Haushaltsplan 2022. Foto: Klaus Meyer

Die Sitzungen fanden in der Festhalle statt. Für manchen Teilnehmer – so auch für die Presse – kein idealer Versammlungsort aufgrund einer problematischen Akustik. War es die wirklich einzig mögliche Sitzungslösung?

Seidel: In den letzten Sitzungen haben wir verstärkt darauf geachtet, dass alle Teilnehmer auch die bereitgestellten Mikros nutzen. Weiterhin haben wir den Pressevertretern angeboten, sich gerne auf Plätze zu setzen, auf denen sie die Sitzung am besten wahrnehmen können – selbst wenn diese inmitten der Ratsmitglieder sind. Leider kamen und kommen wir wegen Corona nicht umhin, in der Festhalle zu tagen. Wir sollten hier aber nicht das Negative suchen, sondern froh und dankbar sein, dass wir über eine solche Halle verfügen und nicht – wie anderenorts – auf Sporthallen ausweichen müssen.

Das Kommunalwahlergebnis vom September 2020 zog sich als Streitfall durchs Jahr, weil seitens zweier Bürger von möglichen Mauscheleien und Wahlfälschung gesprochen und Anzeige gegen Sie und den Wahlleiter erstattet wurde. Ist die Sache nun abgehakt oder sind damit noch die Rechtsanwälte beschäftigt?

Seidel: Wie die Rechtsanwälte von Wahlleiter Norbert Reher und mir im April 2021 bereits mitgeteilt hatten, wird weder gegen ihn oder andere Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung noch gegen mich ein Strafverfahren geführt. In der Ratssitzung am 10. November haben wir berichtet, dass in der Angelegenheit eine Klage beim Verwaltungsgericht Münster anhängig ist. Daran hat sich nichts geändert.

Zwei Monate lang wurde die lokale Szenerie durch den Dorfschreiber bereichert. Wie hat Ihnen das Projekt gefallen?

Seidel: Das Dorfschreiber-Projekt war eine tolle Idee unseres Kulturkreises. Ich habe in seinem Blog schon einiges aus seiner Dorfschreiber-Zeit in unserer Gemeinde gelesen. Es hat mich durchaus angesprochen. Dankbar bin ich auch, dass ich die Gelegenheit hatte, mit ihm persönlich ins Gespräch zu kommen. Das Dorfschreiber-Buch hat mir Susanne Müller schon überreicht. Allerdings bin ich leider noch nicht dazu gekommen, es zu lesen.

Mit dem Bergkamp III fiel der Startschuss für das Wohngebiet der nahen Zukunft. Die Nachfrage übersteigt schon jetzt das Angebot. Sehen Sie Perspektiven für ein weiteres Baugebiet im Anschluss?

Seidel: Wenn wir uns den Bedarf an Wohnraum in unserer Region einmal ansehen, dann ist die Schaffung von Wohnraum eine große Aufgabe für uns. Dabei müssen wir weiterhin auf den Dreiklang „Neubaugebiete – Nachverdichtung – Bestandsimmobilien“ setzen. Wir werden aber – wie auch schon beim Bergkamp III oder beim Königskamp II – nicht nur auf reine Einfamilienhaussiedlungen setzen, sondern auch andere, kleinteiligere Wohnformen berücksichtigen. Auch der öffentlich geförderte Wohnraum wird dabei eine Rolle spielen müssen.

Seitens der Politik ist der dringende Bedarf an weiteren Gewerbeflächen bekundet worden. Was und wann tut sich da etwas?

Seidel: Wir sind Teil einer Wachstumsregion, in der auch Möglichkeiten für Gewerbetreibende geschaffen werden müssen. Hier ziehen Rat und Verwaltung an einem Strang. Wir werden in geraumer Zeit hoffentlich entsprechende Gremienentscheidungen in diesem Bereich treffen können.

Master-Studierende der TU Dortmund im Bereich Raumplanung haben im November mal „locker“ aufgezeigt, was man zur Attraktivierung des Everswinkeler Ortskerns machen könnte. Das weckte Appetit. Wie geht’s da jetzt weiter, was ist aus Ihrer Sicht vorstellbar?

Seidel: Die Ideen der Studierenden haben mich sehr angesprochen. Diese waren erfrischend und geben Rückenwind für den vor uns liegenden Prozess. Von der Gemeindeverwaltung sind wir derzeit in Gesprächen mit der Bezirksregierung Münster, um auszuloten, inwieweit wir Städtebaufördermittel unter anderem für die Umgestaltung des Areals um den Kirch- und um den Magnusplatz abgreifen könnten. Für dieses Jahr haben wir im Haushalt Mittel eingestellt, um eine Planung aufzustellen. Diese soll dann – natürlich nach entsprechender Diskussion in Rat und Ausschüssen – sukzessive umgesetzt werden. Es ist noch ein langer Weg, aber wir sind schon losmarschiert.

Ihre Mitarbeiter Bernd Schumacher und Philipp Elsbernd haben für Alverskirchens Mitte Ideen entwickelt. Auch hier die Frage, was sich dort realisieren lassen könnte.

Seidel: Wir steigen jetzt in den Prozess ein. Zuerst einmal führen wir Gespräche mit der Katholischen Pfarrgemeinde. Dann wollen wir demnächst auch noch die Bürger und insbesondere die Anwohner mit einbinden.

Die Erweiterung des Seniorenzentrums läuft, die Erweiterung der OGS steht an – auf welche Projekte und Maßnahmen werden sich in diesem Jahr sonst noch die Blicke richten?

Seidel: Wir sind derzeit in Bebauungsplanverfahren „Alverskirchen Mitte-Süd“ und „Alter Ortskern“. Diese Verfahren sind komplex, denn wir arbeiten im Bestand, und da gibt es viel mehr Aspekte abzuwägen, als wenn wir ein Neubaugebiet planen. Unsere Sportvereine planen Maßnahmen mit Mitteln aus „Moderne Sportstätte 2022“. Für unsere Feuerwehr steht die Beschaffung neuer Fahrzeuge an und daneben gibt es viele weitere Dinge.

Glauben Sie an Veranstaltungen wie Vitus-Fest oder Schützenfeste?

Seidel: Bis zum Juni-Juli ist es noch lange hin. Wir sollten optimistisch sein. Ich wünsche mir es auf jeden Fall!

Nehmen wir an, Sie müssten das Jahr 2022 in einer Werbeanzeige bewerben. Welches Motto, welcher Slogan würde Ihnen da einfallen?

Seidel: Wir kommen in das dritte Jahr der Pandemie. 2020 ist es uns nicht gelungen, zur Normalität zurückzukehren, 2021 leider auch nicht. Vielleicht könnte daher ein Slogan für 2022 lauten: „2022 – Rückkehr zur Normalität: Alle guten Dinge sind drei!“

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