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Orgelkonzert zum Jubiläum 500 Jahre St.-Magnus-Kirche

In Socken zu virtuosem Höhepunkt

Everswinkel

Kräftiger Gesang erfüllte am Ende den Kirchenraum. Das Orgelkonzert von Thomas Schmitz war der perfekte Einstieg in die Festtage zum 500-jährigen Bestehen der St.-Magnus-Kirche.

Von Werner Schniedermann

Zeitweise war er sogar nur auf Socken unterwegs: Thomas Schmitz Foto: Werner Schniedermann

Am Vorabend des besonderen Patronatsfestes aus Anlass der Vollendung der St.-Magnus-Kirche vor 500 Jahren begrüßte Pfarrer Pawel Czarnecki den Organisten am Paulusdom zu Münster, Thomas Schmitz. Der Pfarrer erläuterte die historische Besonderheit dieser historischen Orgel, die seit der Regotisierung der St.-Magnus-Kirche um 1880 ein fast unverändertes Schmuckstück der Kirche sei, „ein gotisch, neogotische Juwel des Münsterlandes“. Dies hatte auch den Bund überzeugt, die Renovierungskosten dieser Orgel zu übernehmen.

Für das Programm hatte Thomas Schmitz Stücke von Mendelssohn-Bartholdy und Johannes Brahms ausgewählt, Komponisten jener romantischen Epoche. In seiner Begrüßung schraubte Pfarrer Czarnecki die Erwartungen hoch. Diese wurden dann mehr als erfüllt. Am Schluss erfüllte sogar ein kräftiger Gesang den schönen Kirchenraum: Mit einer ausführlich sehr modernen Improvisation über das Magnuslied animierte Domorganist Thomas Schmitz die Zuhörer des Konzertes, selbst an dem markanten Schlusspunkt mitzuwirken.

Mit der Improvisation entlockte der Organist erstaunlich viele Klangfacetten der frisch renovierten Fleiter­orgel: Gerade noch hörbares Zupfen der Streicherregister steigerte sich zu Klangkaskaden, die gegen Schluss immer deutlicher den „Cantus firmus“, die Melodie der einfach zu singenden Magnushymne, erkennen ließ. Die Improvisation drängte dann zu einen dramatischen Höhepunkt, der den Einsatz der Gemeinde vorbereitete. Und der gelang: Wie von unsichtbarer Hand dirigiert, setzte – sogar mit kräftigen Männerstimmen – die Gemeinde ein und schmetterte das Magnuslied. Gänsehautgefühl zum Beginn des Patronatsfestes.

Publikum wirkte mit

Zuvor spielte Thomas Schmitz Orgelwerke von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Johannes Brahms, Komponisten des 19. Jahrhunderts, die sich stark von Johann Sebastian Bach inspirieren ließen, wie Brigitta Krass in ihrer Einführung erläuterte.

Der Wechsel in der Sonate I von Felix Mendelssohn-Bartholdy zwischen dem bachschen Choral „Was mein Gott will, das g’scheh allzeit“, variiert in zarten Tönen der warmen Flötenregister und kontrapunktischen kräftigen aber warmen Prinzipalstrecken, ließ besonders die meditativen Klangmöglichkeiten der Orgel erkennen; ebenso wie im bachschen Choralvorspiel „Schmücke dich, du liebe Seele“, bei dem das Register „Sequialtera“ eindringlich schön durch den Kirchenraum schwebte, in einer Innigkeit, die erklärt, warum dieser Choral auch als „eucharisch“ bezeichnet wird.

Auch bei der Registerwahl der Choralvorspiele von Johannes Brahms wählte Thomas Schmitz Register, die die unterschiedlichen Klangfarben der Orgel erhörbar machten, teilweise traurig, zärtlich und bittend, was sicherlich der Intention von Johannes Brahms entsprach, der diese kleinen Werke in Angesicht von Krankheit und Tod schrieb, wie Brigitta Krass erläuterte.

Auf Socken an der Orgel

Neben der Schlussimprovisation gehörte Präludium und Fuge f-Moll von Johann Sebastian Bach zu virtuosen Höhepunkten des Konzertes. In hohem Tempo verbanden sich die Läufe zu einer kräftigen Klangstruktur und erforderten höchstes Können: Für solche Musikstücke ist die rein mechanisch funktionierende „alte Dame“ von 1883 im Pedal ungünstig ausgelegt. Deshalb spielte Thomas Schmitz dieses Werk in Socken – also voller körperlicher, schweißtreibender Einsatz, der mit kräftigem Applaus und gut gefüllten Kollektenkörben für die Kirchenmusik belohnt wurde.

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