Neugotisches Kleinod in frischem Glanz

Kapelle weckt Erinnerungen

Everswinkel

Die Deckenbrocksche Wegekapelle in der Bauerschaft Wester ist aufwendig saniert worden. Die Geschichte dieses Bildstocks ist mit einer außergewöhnlichen Begebenheit verknüpft.

Von Klaus Meyer

Erstrahlt im frischen Glanz: Deckenbrocks Wegekapelle in der Bauerschaft Wester. Foto: Klaus Meyer

Frischzellenkur zum Frühling: Die Deckenbrocksche Wegekapelle in der Bauerschaft Wester ist jüngst saniert worden. Dabei haben auch Innenwand und Gewölbe einen neuen Anstrich erhalten, so dass das 135 Jahre alte Kleinod im neuen Glanz erstrahlt.

Die neugotische Kapelle mit hohem verputzten Sockel und zwei Stufen zum spitzbogigen Eingang wurde 1885 aus Ziegelsteinen errichtet. Hinter dem schmiedeeisernen Gitter und über dem gefliestem Fußboden ruht die Sandsteinskulptur des heiligen Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm und einer Lilie in der Hand.

Die Besonderheit: Josefs-Darstellungen in Bildstöcken sind allgemein selten zu finden. Die Kapelle besitzt ein Gratgewölbe. In dessen Giebelfeld befindet sich eine Sandsteinplatte mit Monogramm.

Der Giebel ist gestuft und mit einer Kreuzbekrönung versehen. So steht es in der Denkmal-Kartei de Gemeinde. Auf der Rückwand befindet sich eine Inschrift. Die Kapelle ist versehen mit einem vieleckigen Zeltdach.

Heimatforscher Erwin Buntenkötter und Künstler Albert Reinker – beide inzwischen verstorben – recherchierten in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Geschichte dieses Bildstocks, die mit einer außergewöhnlichen Begebenheit verknüpft sei.

Am 5. Juli 1871, also vor mehr als 150 Jahren, hatte Joseph Deckenbrock nach Übernahme des Hofes die Bauerntochter Anna Grothues geheiratet. Deckenbrock kam aber nur acht Jahre später bei einem Jagdunfall ums Leben. Beim Durchkriechen einer Hecke hatte sich ein für ihn tödlicher Schuss gelöst.

Sein Leichnam wurde zu Brockhausens Hof gefahren. Schon im Jahr zuvor aber hatte ein Spökenkieker (Geisterseher / Hellseher) berichtet, dass er einen Leichenwagen übers Feld – Brühms Kamp - habe ziehen sehen, der von Deckenbrocks Pferden gezogen worden sei.

Der Pfarrer, dem das tödliche Jagdunglück mitgeteilt wurde, erinnerte sich an diese Prophezeiung. Er schickte einen Boten los, der darauf hinwirken sollte, dass der Leichenzug nicht über den gefrorenen Boden jenes Feldes fahren solle.

Doch er kam zu spät. Der Leichenzug war bereits unterwegs und nahm die Abkürzung über „Brühms Kamp“ nach Brockhausen. Ohne weitere Vorkomnisse. Zur Erinnerung an den Verstorbenen ließ die Familie Deckenbrock dann die Deckenbrocksche Wegekapelle in der Bauerschaft Wester errichten.

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