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Aktueller Blick auf die Flüchtlingssituation

Kleiderkammer wird reaktiviert

Everswinkel

71 Menschen aus der vom Krieg gebeutelten Ukraine haben bislang in Everswinkel einen sicheren „Hafen“ gefunden. Wiederbelebt werden soll jetzt auch eine eigentlich seit 2020 geschlossene Institution: die Kleiderkammer, die 36 Jahre lang von der KFD betreut wurde.

Von Klaus Meyerund

Für den Notfall gerüstet: Wenn die verfügbaren Wohnungen und Plätze in den Übergangswohnheimen nicht mehr ausreichen sollten, gibt es Ideen für andere Sammelunterkünfte. Foto: Klaus Meyer

Die Zahlen sind nur eine Momentaufnahme, werden sich fortlaufend verändern. Wenngleich sich Sozialamtsleiter Jens Linnemann im Familien- und Sozialausschuss schon etwas vorwagte. Die Befürchtungen, dass der Flüchtlingsstrom von 2015 jetzt durch die Lage in der Ukraine noch übertroffen werde, habe sich bislang nicht bewahrheitet. „Bislang“ bedeutet in Zahlen 71 Zuweisungen von geflohenen Menschen aus der Ukraine; dazu noch zehn Flüchtlinge aus Afghanistan sowie zehn aus anderen Ländern. Im Kreis Warendorf habe die Vitus-Gemeinde aktuell eine Erfüllungsquote bei der Verteilung von 85,27 Prozent erreicht.

Noch stehen freie Plätze zur Verfügung

Die Unterbringung verlief offenbar bis dato problemlos. 59 ukrainische Flüchtlinge konnten in privaten Wohnungen untergebracht werden, zwölf fanden zunächst Platz im Übergangswohnheim Bergstraße, seien aber zum Teil inzwischen schon in andere Wohnräume umgezogen, berichtete Linnemann den Ausschussmitgliedern. 20 Wohnungen seien jüngst neu angemietet worden. Das Spektrum der privaten Angebote reiche von kostenloser Unterbringung über die Erstattung von Nebenkosten bis zur vollen Miete. Die Kapazität freier Plätze bezifferte der Amtsleiter auf aktuell 35.

In der Hinterhand hat die Gemeinde noch zwei Sammelunterkünfte – den Mehrzweckraum im Haus der Generationen und die Festhalle – mit insgesamt 70 Plätzen. Während Stockbetten noch im Bestand vorhanden waren, mussten Matratzen, Lattenroste, Bettwäsche, Elektrogeräte und weitere Dinge neu angeschafft werden. Auf 40.000 Euro belaufen sich die Ausgaben bis jetzt. „Wir sind in Vorleistung getreten, haben aber die Meldung vom Land, dass wir die Kosten erstattet bekommen.“

Veränderung in den Sozialleistungen als Herausforderung

Positive Nachrichten hatte Linnemann auch hinsichtlich der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. So seien drei Kinder in Kitas, neun in der Grundschule Everswinkel, ein Kind in der Grundschule Alverskirchen sowie elf Jugendliche in der Verbundschule untergekommen. Eine Änderung kündigt sich bei den Sozialleistungen an. Geflüchtete aus der Ukraine, die den vorübergehenden Schutzstatus genießen, sollen ab 1. Juni 2022 nicht mehr die reduzierten Leistungen des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG) erhalten, sondern Leistungen nach dem SGB II bzw. SGB XII. Das Datum des Übergangs bezeichnete Linnemann als „sehr ehrgeizig“, da noch einige Fragen zu klären seien.

Linnemann warnte angesichts der aktuellen Situation im Hinblick auf Unterstützungen für ukrainische Flüchtlinge durch kostenfreien ÖPNV, kostenloses Giro-Konto und gebührenfreies Internet: „Die Gefahr besteht, dass wir die anderen Flüchtlinge benachteiligen.“ In der Gemeinde sei aber die „Sensibilisierung“ da, damit das nicht eintrete.

Thomas Wetterkamp, HdG

Thomas Wetterkamp, hauptamtlicher Mitarbeiter des HdG und zusammen mit Hilke Sandner auch für den Bereich Flüchtlinge zuständig, berichtete über die Hilfe seitens der Flüchtlings-Initiative Everswinkel (FI). Die sei in ihrer personellen Zusammensetzung im Vergleich zu 2015 nahezu unverändert aktiv. „Neue Freiwillige haben sich gemeldet und sind auch schon aktiv.“ Man habe sich nun auf Treffen im zweiwöchigen Turnus verständigt. Deutschkurse finden weiterhin zweimal in der Woche statt. „Die Teilnehmerzahl hat sich verdreifacht“, machte Wetterkamp deutlich. Auch neue „Freizeit“-Lehrer haben sich gefunden. „Es gibt zudem auch einige Online-Tools, mit denen man zu Hause weiter lernen kann.“ Für Kinder fand – kurzfristig organisiert – in den Osterferien das FIT-Programm statt (die WN berichteten).

Offener Treff für alle Geflüchteten

Ein erster „Offener Treff“ fand am 12. April im Pfarrheim mit rund 50 Teilnehmern, überwiegend Menschen aus der Ukraine, statt. Generell sind diese Veranstaltungen für Flüchtlinge aller Nationen gedacht. Nächster Termin ist am 17. Mai. „Wir wollen grillen und vorher einen Dorfrundgang machen, um die wichtigsten Orte zu erklären“, so Wetterkamp. Eine Idee, „die schon länger im hauptamtlichen Team des HdG schlummert“, soll jetzt verwirklicht werden. „Die Idee ist, die Kleiderkammer wieder zu aktivieren.“ Ob sie nun „Kleiderkiste“ oder wie auch immer heißen wird – mit dem Gebäude Bergstraße 5 ist bereits ein Standort gefunden und mit bislang 25 interessierten Frauen auch schon ein Team. „Ich war doch sehr positiv überrascht, wie viele Leute da mitmachen wollen“, freute sich Wetterkamp. Bürgermeister Sebastian Seidel dankte zum Abschluss den engagierten Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsbetreuung sowie auch den hauptamtlichen Helfern der Gemeinde – „die spucken wirklich in die Hände“.

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