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Bundesmittel für „Up‘n Hoff“

„Koalitionsbesuch“ im Museum

Everswinkel

Noch einmal ein Hauch von großer Koalition. Mit Reinhold Sendker (CDU) und Bernhard Daldrup (SPD) besuchten zwei Bundestagsabgeordnete der noch amtierenden Regierungskoalition am Dienstagnachmittag das Mitmach-Museum. Der Auslöser war monetärer Art: Das Museum kommt in den Genus von Fördermitteln aus dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE).

Von Klaus Meyerund

Fachsimpelei am alten Webstuhl: Bürgermeister Sebastian Seidel, die Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker und Bernhard Daldrup, Maria Hamann und Heimatvereins-Vorsitzender Josef Beuck (v.l.). Foto: Klaus Meyer

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hatte in Kooperation mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Frühjahr ein Förderprogramm aufgelegt, das regionale landwirtschaftliche Museen in Orten mit bis zu 30 000 Einwohner in den Fokus nahm, die sich schwerpunktmäßig unter anderem mit den Themen Landwirtschaft und Landtechnik beschäftigen. Im Topf waren zwei Millionen Euro, die schließlich wegen der regen Nachfrage im Juni auf vier Millionen Euro verdoppelt wurden. Der Bürgerschützen- und Heimatverein warf seinen Hut erfolgreich in den Ring. Die Belohnung nun: mehr als 33 000 Euro Fördermittel.

Heimatvereins-Vorsitzender Josef Beuck präsentierte den beiden Berliner Parlamentariern zunächst das neues Projekt, die Feldscheune, die nach ihrer Demontage in Alverskirchen am Mitmach-Museum neu aufgebaut wurde. Foto: Klaus Meyer

Sowohl Sendker als auch Daldrup sehen darin mehr als gut angelegtes Geld, wie sie bei ihrem Besuch gegenüber Bürgermeister Sebastian Seidel und dem Heimatvereins-Vorsitzenden Josef Beuck noch einmal betonten. Beuck führte die beiden Noch-Koalitionäre, die das Museum bislang noch nicht auf ihrer Besuchsliste hatten, durch das Gebäude und erläuterte das Konzept der Einrichtung. Start war natürlich draußen an der neuen alten Remise, „das neueste Projekt, das wir verwirklicht haben“. 100 Euro für eine Handwerkerleistung und ansonsten 1400 bis 1500 ehrenamtliche Stunden wurden investiert, wie Beuck stolz berichtete und damit auch gleich eine kleine Fachsimpelei um Dreschmaschinen in Gang setzte. Für 2023 sei wieder ein Dreschfest angedacht, im nächsten Jahr ein Oldtimer-Trecker-Treff.

Ein Schwerpunkt bei der Führung durchs Museum war der Bereich „Spinnen und Weben“. Foto: Klaus Meyer

Ein Schwerpunkt bei der Führung war der Abstecher in den Bereich Spinnen und Weben, in den laut Beuck „ein bisschen Herzblut“ gesteckt worden sei. „Ich habe zuletzt noch versucht zu spinnen. Nicht im Bundestag – das machen wir beide zusammen“, so Daldrup augenzwinkernd in Richtung Sendker, „sondern wirklich“. Beide Bundespolitiker zeigten sich erstaunt, dass es in Everswinkel früher einmal 192 Weber im Dorf gab und der älteste Webstuhl im Museum aus dem Jahr 1709 stammt. „Die Weberei hier – das war mir so nicht bekannt. Das muss man erhalten, das ist Kultur“, nickte Sendker bewundernd. Maria Hamann von der jüngst gegründeten Weberinnen-Gruppe demonstrierte den Besuchern das Handwerk und erzählte von der seinerzeitigen fünftägigen Schulung dafür. „Dabei haben wir festgestellt, das ist ein dreijähriger Ausbildungsberuf.“

Bei einem Museums-Kaffee zogen alle Beteiligten ein Resümee der ländlichen Entwicklung. „Den i-Punkt haben wir hier mit dem Mitmach-Museum. Das ist ein Paradebeispiel“, lobte Sendker die Initiative. Mit dem Verweis auf die St. Magnus-Kirche und die Sanierung kommunaler Objekte kam er zu dem Schluss, „wir haben sicher einiges für Everswinkel tun können“. Ein Stichwort auch für Daldrup, der das „permanente Lamento über den ländlichen Raum“ so nicht stehen lassen will und auf immer wieder neue Förderprogramm verwies, die auch im Kreis Warendorf Wirkung zeigten. „Das Bewahrende zu fördern, finde ich eine gute Geschichte.“ Das Museum, das die Lebens- und Arbeitswelt der früheren ländlichen Bevölkerung dokumentiere, leiste einen „unschätzbaren Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes auf dem Land“.

Das Fördergeld soll laut Beuck auf verschiedene Weise genutzt werden. „Ich will das Museum selbstführend machen“, kündigte er den Aufbau eines audio-visuellen Systems an. Ferner ist der Einsatz eines Beamers geplant, LED-Lampen sollen alte Beleuchtungstechnik ersetzen, und „einige Maschinen haben den Holzwurm – da müssen wir ganz schnell ran“. Außerdem hat das Museumsteam den Spitzboden im Blick, der als Magazin für einige Ausstellungsexponate dienen soll, die dann nicht permanent gezeigt werden.

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