1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Everswinkel
  6. >
  7. Kurzweiliges für die kalte Jahreszeit

  8. >

Lesenswerte neue Bücher in der Evangelischen Bücherei vorgestellt

Kurzweiliges für die kalte Jahreszeit

Everswinkel

Die Adventszeit und das Weihnachtsfest stehen vor der Tür – eine Zeit, in der viele die Muße haben, sich in eine gemütliche Leseecke zu verziehen und in einem guten Buch zu schmökern. Dafür gibt es jetzt zahlreiche gute Tipps – vom Team der Evangelischen Bücherei, die zum Dämmerschoppen eingeladen hatte.

Literatur-Dämmerschoppen in der Evangelischen Bücherei. Interessante und lesenswerte Neuerscheinungen als Lesestoff für den Winter wurden von Daniela Zech, Angelika Brandt, Dorette Leopold und Hannelore Mielisch (v.l.) vorgestellt. Foto: Günther Wehmeyer

Die Frankfurter Buchmesse ist längst vorbei, und die umfangreichen Literaturbeilagen der großen Zeitungen sind im Altpapier gelandet. Wer bisher keine Gelegenheit hatte, sich über Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt zu informieren, dem bot sich eine weitere Chance in der Evangelischen Bücherei. Angelika Brandt und ihr bewährtes Team hatten zum Dämmerschoppen geladen und rund 30 interessierte Literaturfreunde drängten sich im herbstlich geschmückten Gemeindesaal bei Kerzenlicht und Wein.

„Die Rückkehr der Kraniche“

Den Anfang machte Dorette Leopold mit dem neuen Roman der bekannten Krimi-Autorin Romy Fölck. „Die Rückkehr der Kraniche“ spielt wieder in der Elbmarsch bei Hamburg. Ihre Leser werden sich über stimmungsvolle Naturbeschreibungen freuen. Es sei ein typisches „Bücherei-Buch“, weil die Themenpalette so breit angelegt sei, dass es viele Menschen anspreche. Ein bisschen Naturschutz und bedrohte Umwelt, ein bisschen Mutter-Tochter-Konflikt, ein bisschen Dorfleben und ein Geheimnis aus der Vergangenheit.

„Zur See“

Gleich führte Leopold zu ihrer zweiten Vorstellung über. Dörte Hansens dritter Roman spielt auf einer fiktiven nordfriesischen Insel. Kenner der Szene könnten sie als Amrum identifizieren. In „Zur See“ hat jeder direkt oder indirekt mit der Nordsee zu tun und die Inselfamilie Sander, die auf eine 300-jährige Inselgeschichte zurückblicken kann, ganz besonders. Der Aufbau des Romans folgt nicht dem stringenten Aufbau von Hansens bisherigen zwei Romanen, sondern beleuchtet schlaglichtartig die verschiedenen Insulaner. So erhält man zum Schluss ein sehr vielschichtiges Bild der dortigen Gemeinschaft, die sich täglich den Anforderungen der Insel stellen muss.

„Die karierten Mädchen“

Angelika Brandt stellte einige Bücher nur mit wenigen Sätzen vor, um dann ausführlicher auf die Autorin Alexa Hennig von Lange einzugehen. „Die karierten Mädchen“ bildet den Auftakt zu einer angekündigten Trilogie. Die Hauptrolle spielt Klara, eine 90-jährige Dame, die erblindet ist und nun im Altersheim lebt. Da sie aufgrund ihrer Behinderung nicht mehr schreiben kann, hat sie ihre Lebenserinnerungen auf 130 Tonbandkassetten gesprochen und erzählt darin von ihrer Jugend und ihrer Tätigkeit als Lehrerin in der Weimarer Republik und dem aufkommenden Nationalsozialismus. Die Autorin wurde dazu von ihrer Großmutter inspiriert. Klara ist zunächst blind für die Veränderungen in ihrer Umgebung, aber als die Nationalsozialisten das ihr unterstellte Frauenheim mehr mit Kontrollbesuchen tyrannisieren, muss sie eine Entscheidung treffen. Vordergründig erfüllt sie alle Forderungen, während sie im Hintergrund daran arbeitet, ein jüdisches Mädchen zu schützen. Es ist ein äußerst dramatischer und historischer Roman.

„Heimvorteil“

Eine Abwechslung bot Hannelore Mielisch mit der unterhaltsamen Lektüre von Susanne Fröhlich, eine der bekanntesten Autorinnen Deutschlands. Die Lacher des Publikums waren ihr schon gewiss, als sie über den Inhalt referierte. Eine verwitwete Mutter ist die Protagonistin in „Heimvorteil“. Ihre erwachsenen Kinder versuchen sie davon zu überzeugen, dass das von ihr bewohnte Eigenheim doch viel zu groß für sie sei und sie in einem Altersheim besser aufgehoben wäre. Vor allem die Zwillingssöhne Mats und Pelle sind sehr an einer Übernahme interessiert, denn sie haben gerade ein neues Start-up-Unternehmen gegründet. Ihr neuester Durchbruch soll geschredderter Blumenkohl werden, nachdem es mit veganem Hundefutter nicht klappte. Aber ihre Mutter lässt sich nicht überreden, sondern bricht zu einer längeren Reise auf, um verschiedene Seniorenresidenzen in Augenschein zu nehmen. Ein sehr humorvoller Roman.

„Das siebte Mädchen“

Daniela Zech begann mit dem Kriminalroman „Das siebte Mädchen“ von der US-Amerikanerin Stacy Willingham. Im ländlichen Louisiana, südlicher Bundesstaat der USA, verläuft das Leben langsam und in fest gefügten Bahnen, bis im Sommer 1998 sechs Teenager spurlos verschwinden. Die Protagonistin ist Chloe, eine zwölfjährige Schülerin, die die verschwundenen Mädchen aus der Schule kannte. Als man im Schlafzimmer ihrer Eltern eine Schatulle mit Schmuckstücken der Mädchen findet, nimmt die Polizei an, dass Chloes Vater den Schmuck als Trophäe aufbewahrt und verhaftet ihn. Der bis dahin unbescholtene Mann legt ein Geständnis ab, wird als Serienmörder verurteilt und landet im Gefängnis. 20 Jahre später, Chloe ist längst eine erfolgreiche Psychologin, verschwindet genau am 20. Jahrestag der Morde eine ihrer Patientinnen. Viel mehr wollte Zech nicht verraten.

„Weißdornzeit“

Ganz begeistert zeigte sich Zech auch vom Roman „Weißdornzeit“ der Engländerin Melissa Harrison, die einen sehr beschaulichen Anfang wählt, einen Mai-Morgen auf dem Land. Sonnenschein, Vogelgezwitscher, eine einsame Landstraße und dann ein schrecklicher Unfall. Er verknüpft das Schicksal von vier sehr unterschiedlichen Menschen, die sich nicht kannten. „Weißdornzeit“ ist ein einfühlsamer Landschaftsroman und zugleich ein sehr genau beobachtetes Porträt einer Epoche. Bemerkenswert fand Zech, dass jedes Kapitel mit einem Naturereignis überschrieben ist, mit der Narzissenblüte, einem Vogelgesang oder der Wahrnehmung einer Pflanze am Zaun.

„Tete-à-Tete“

Um die Krimi-Freunde nicht zu enttäuschen, stellte Brandt noch zwei neue Krimis vor. Einmal „Tete-à-Tete“ von dem schottischen Schriftsteller Martin Walker, der seinen Polizeichef Bruno den 14. Fall lösen lässt. Interessanter wohl „Die Stunde der Flut“, ein melancholisches Buch des australischen Autors Garry Disher, in dem es um die Frage nach Gerechtigkeit geht, aber auch um Familie, Liebe und Abschied. Ein vom Dienst suspendierter Polizist geht einem alten Fall nach, nämlich dem seiner Mutter, die vor 20 Jahren spurlos verschwand. Hauptverdächtiger war damals sein Vater, der zwar freigesprochen wurde, aber die Gerüchte um ihn verstummten nie.

„Denk ich an Kiew“

Eine unbeabsichtigte Aktualität, so führte Leopold zum Schluss aus, gewann der Roman „Denk ich an Kiew“ von der amerikanischen Autorin Erin Litteken. Sie selbst hat ukrainische Wurzeln und beschreibt die Erinnerungen ihrer ukrainischen Urgroßmutter, die den von Stalin angeordneten Holodomor in den 1930er Jahren in der Ukraine überlebt hat. Damals starben in dem Land Millionen Menschen an Hunger und Kälte und nach Schätzungen davon 30 Prozent Kinder. Der Roman schildert eindrucksvoll die Willkür und die Menschenverachtung des Stalin-Regimes, und man kann sich der Erkenntnis nicht erwehren, dass sich Geschichte sehr wohl wiederholen kann.

Alle vorgestellten neuen Bücher können ab sofort in der Evangelischen Bücherei am Pattkamp ausgeliehen werden.

Startseite