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Literatur-Dämmerschoppen in Everswinkeler Bücherei

Lektüre für die Sommerzeit

Everswinkel

Sommerlich leichte Geschichten , aber auch zum Nachdenken anregende Romane, dazu zwei Bücher speziell für junge Leser und sogar ein Buch für Männer: Buchexpertin Walburga Westbrock hatte eine große Bandbreite an Lesetipps im Gepäck, die sie Interessierten in der Evangelischen Bücher bei einem Glas Wein mit gewohnt glänzender Erzählkunst näher brachte.

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Lesefutter für den Sommer: Zwei unterhaltsame und anregende Stunden bescherte die Buchexpertin Walburger Westbrock Bücherfreunden in der Evangelischen Bücherei mit der Vorstellung spannender neuer Lektüre, die auch auszuleihen ist. Foto: Günther Wehmeyer

Die Sommerferien rücken näher, und so mancher, der jetzt schon seine Urlaubsgarderobe zusammenstellt, wird auch an die langen Stunden am Strand oder im Liegestuhl denken. So drängten sich wieder rund ein Dutzend Bücherfreunde im kleinen Raum der Evangelischen Bücherei. Angelika Brandt hatte zum Sommer-Dämmerschoppen geladen, und das versprach beste Unterhaltung bei einem Glas Wein.

Walburga Westbrock, Buchhändlerin aus Telgte, erwies sich erneut als glänzende Erzählerin und hatte viele Taschenbücher im strandtauglichen Format im Gepäck. Die Bandbreite reichte von der heiteren Sommergeschichte über einige Krimis, über Themen der Vergangenheit bis hin zu zwei Büchern für die jüngeren Leser. Nicht zu vergessen, so Westbrock, ein Buch speziell für Männer, die Slapstick pur lieben, sprich, viel Gefallen an Wortwitz finden. Den liefert der deutsche Autor Tommy Jaud mit dem Titel „Der Löwe büllt“, wobei es sich nicht um einen Schreibfehler handelt. Ein heiteres Buch, das Lesefreude garantiert.

„Martha und das Meer“

In mehreren der Sommerromane stand Wasser im Vordergrund. So im Buch von Gillian Best mit dem Titel „Martha und das Meer“. Es entführt die Leser in den Badeort Dover an der englischen Kanalküste im Jahr 1950. Hier hilft ein zehnjähriges Mädchen ihrem kriegsversehrten Vater, Köder auf die Angel zu stecken. Da Martha nicht schwimmen kann, beschränkt sich ihre Tätigkeit darauf. Bis zu dem Tag, an dem sie ins Wasser fällt. Sie wird gerettet, lernt aber als Folge schwimmen. Das wächst sich zu einer wahren Passion aus. In späteren Jahren erobert sie nach langer Zeit der Abhängigkeit von Mann und Kindern ihre Selbstbestimmtheit zurück und ihre Emanzipation gipfelt in der Durchquerung des Ärmelkanals.

„Das Freibad“

Eine ebenso positive Aussage findet sich im Roman von Lilly Page „Das Freibad“. Er handelt von einer Frauenfreundschaft im englischen Brixton, wo das gemeinsame Ziel zwei sehr unterschiedliche Frauen miteinander verbindet. Die Schließung des Freibades soll verhindert werden und dafür setzen sich eine passionierte Schwimmerin und eine Nichtschwimmerin ein.

„Wie der Wind und das Meer“

So romantisch der Titel des Buches der deutschen Autorin Lilli Beck mit „Wie der Wind und das Meer“ auch klingen mag, er führt zunächst in das bombardierte München von 1945. Bei einem verheerenden Fliegerangriff wird der elfjährige Paul mit seiner Familie verschüttet und überlebt als einziger. Er irrt auf der Suche nach einem Versteck durch die verwüstete Stadt und trifft auf ein jüngeres Mädchen, das ebenfalls alle Familienmitglieder verloren hat. Sie heißt Sarah Silberstein, und da sie durch den Namen gefährdet ist, gibt Paul sie als seine Halbschwester aus. Nach dramatischen Jahren, die sie gemeinsam meistern, werden beide als Geschwister adoptiert, geben aber ihre wahre Identität nicht preis. Sarah geht später, um Abstand zu gewinnen, beruflich nach Berlin. In diesem Buch mit Tiefgang wird ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte verarbeitet.

„Die andere Hälfte der Hoffnung“

Auch der Roman von Mechthild Borrmann, Autorin vieler erfolgreicher Bücher, ist keine leichte Kost. In „Die andere Hälfte der Hoffnung“ schildert sie, wie junge Frauen aus der Ukraine mit falschen Versprechungen nach Deutschland verschleppt werden und im Bordell landen. Es geht um zeitgeschichtliche Zusammenhänge und um die uralte Frage nach Gerechtigkeit und Schuld.

„Als die Tage nach Zimt schmeckten“

Eine ganz andere Thematik bietet das Buch von Donia Bijan, einer iranisch-amerikanischen Autorin. „Als die Tage nach Zimt schmeckten“ handelt von einem jungen iranischen Mädchen aus Teheran, das nach dem Sturz des Schah und dem Beginn der Revolution vor 40 Jahren von seiner Familie nach Amerika geschickt wurde. Die Mutter, eine Opernsängerin, wurde damals von Revolutionsgarden abgeholt und kam nie wieder. Nach über 30 Jahren kehrt nun die Frau, nach Heirat und einer großen Enttäuschung in den USA, mit ihrer eigenen Tochter in den Iran zurück. Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Generationen, in denen sich Zeitläufe spiegeln, und erzählt zudem von der Leidenschaft zu kochen.

Kost für Krimiliebhaber

Auch die Krimiliebhaber wurden von Westbrock nicht enttäuscht. So wie der Thriller von Sebastian Fitzek „Flugangst 7 A“ werden auch die anderen Neuanschaffungen die Leser in ihren Bann schlagen. Allen voran die Bücher von Claus Cornelius Fischer und seinem liebenswerten Ermittler, dem Commissaris van Leeuwen, der dieses Mal „Den Mann mit dem eisigen Herzen“ jagt.

Junge Leser im Fokus

Für die Gruppe der jungen Leser schlug Westbrock zwei Titel vor, die sich mit ganz aktuellen Themen beschäftigen. Beth O`Leary nimmt die heutige Wohnungsnot in den Großstädten zum Anlass, eine heitere Sommerlektüre anzubieten. „Love to share“ mit dem amüsanten Untertitel „ Liebe ist die halbe Miete“ ist durchaus ernst zu nehmen. In London teilt sich ein junges Paar aus Kostengründen ein Apartment, er bewohnt es tagsüber, sie nachts. Da man sich nicht kennt, besteht die Kommunikation aus Zetteln, bis sich erste Terminüberschneidungen ergeben.

Ebenso aktuell ist Anna Bell mit dem Titel „Auf dich war ich nicht vorbereitet“. Es handelt von einer jungen Frau und ihrer Abhängigkeit von Laptop, Smartphone und anderen modernen Medien, die zu einer Entlassung geführt hat und auch ihr Privatleben bestimmt. Ihre resolute Schwester verfrachtet sie in die Provinz, weit ab von Wlan und Netz, das zunächst schmerzlich vermisst wird. Auch dies ein amüsant zu lesendes Buch.

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