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Literatur-Dämmerschoppen der Evangelischen Bücherei

Lesestoff für die Winterzeit

Everswinkel

Die Winterzeit kann kommen, denn Lesestoff gibt es mehr als genug. Auf jeden Fall können die Teilnehmer des jüngsten Herbst-Dämmerschoppens im Gemeindesaal der Evangelischen Kirche jetzt auf ein breites Repertoire an gutem Lesestoff zurückgreifen, der ihnen dort präsentiert wurde.

-dl-

Im Literatur-Dämmerschoppen in der Evangelischen Öffentlichen Bücherei Everswinkel präsentierten Daniela Zech, Angelika Brandt, Dorette Leopold und Hannelore Mielisch (v.l.) guten Lesestoff. Foto: Günther Wehmeyer

„Wiedersehen macht Freude“, nicht nur bei ausgeliehenen Sachen, die man zurück bekommt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch dann, wenn man sich nach langer Abwesenheit wieder begegnen kann. Diese Freude war beim Herbst-Dämmerschoppen im Gemeindesaal der Evangelischen Kirche deutlich zu spüren, wo sich 17 Zuhörerinnen und ein Zuhörer versammelt hatten, um sich einen Überblick über neu erworbene Bücher zu verschaffen. Das Bücherei-Team um Angelika Brandt hatte mit Windlichtern, Herbstlaub und Wein eine gemütliche Atmosphäre geschaffen.

„Julius oder das Spiel der Schönheit“

Nach der Begrüßung durch Brandt übernahm Hannelore Mielisch den Auftakt. Kurz nur streifte sie drei Kriminalromane, um dann ausführlicher auf den neuesten Roman des deutschen Arztes und Autoren Tom Saller einzugehen. In „Julius oder die Schönheit des Spiels“ geht es um einen Jungen, der sehr privilegiert auf einer Burg am Rhein aufwächst und ein begeisterter Tennisspieler wird. Nach dem Abitur zieht es ihn in die Hauptstadt Berlin, wo er die Ausschweifungen der wilden 20er Jahre kennenlernt und auch die Anfänge des Nationalsozialismus miterlebt. Die neuen Regeln und fragwürdigen Werte kann er nicht mittragen und sein Verhalten wird zunehmend unangepasst. Der Roman zeigt Parallelen zum deutschen Tennisspieler Gottfried von Cramm auf, dem „Gentleman von Wimbledon“, der in den 1930er Jahren neben Max Schmeling der populärste deutsche Sportler war.

„Wildtriebe“

Weiter stellte Mielisch den Debüt-Roman von Ute Mank vor mit dem Titel „Wildtriebe“. Dieses Buch schildert drei Generationen von Frauen auf einem Bauernhof, die sich generationsbedingt schlecht verstehen. Zwischen Schwiegertochter und Hofbesitzerin herrscht Schweigen, während die Enkeltochter ihrer Großmutter großes Vertrauen schenkt. Es hat zunächst den Anschein, als ginge es bei dem häuslichen Zwist um Alltäglichkeiten, doch eigentlich geht es um weitaus gewichtigere Themen wie Lebensmodelle und Vorstellungen von Frau - und Mutter- Sein. Dieses Buch war nur eines von mehreren Familiengeschichten, die im Verlauf des Abends vorgestellt wurden.

„Unter Wasser Nacht“

Daniela Zech hatte gleich zwei Familientragödien im Gepäck. Sie stellte das erste Buch der Autorin Kristina Hauff vor, „Unter Wasser Nacht“. Mit großem Einfühlungsvermögen und psychologischem Gespür erzählt die Autorin von zwei jungen Paaren, die gemeinsam auf einem Bauernhof im Wendland leben. Die einst enge Freundschaft zerbricht, als das einzige Kind des einen Paares ertrunken aufgefunden wird. Die Eltern sind untröstlich, werden von Schuldgefühlen geplagt und müssen zudem jeden Tag das scheinbare Familienglück des zweiten Paares hautnah miterleben. Zech empfahl den Zuhörerinnen, das Buch selbst zu lesen, da die Handlung eine unerwartete Wendung erfährt.

„Pinguine bringen Glück“

Weiter stellte Zech das Buch „Pinguine bringen Glück“ vor von Lorraine Fouchet, das in Paris spielt. Ein Junge lebt allein mit seinem Vater, der eines Nachts in den Armen einer unbekannten Blondine stirbt, die daraufhin verschwindet. Die Autorin hat, bevor sie sich der Schriftstellerei widmete, als Notärztin gearbeitet und bezieht sich in ihren Büchern auf reale Fälle. Nachdem der Junge, der sich bisher als Einzelkind wähnte, einen Kondolenzbrief aus Argentinien erhält, macht er sich auf nach Patagonien, um dieses Rätsel zu klären.

„Wandern, Glück und lange Ohren“

Mit dem Buch „Wandern, Glück und lange Ohren“ brachte Zech eine heitere Note in die Veranstaltung. Die Autorin Lotta Lubkoll berichtet über ihre eigene 80-tägige Wanderung mit dem Esel Jonny von München bis ans Mittelmeer.

„Frau Merian und die Wunder der Welt“

Wenig dramatisch, aber deshalb nicht weniger spannend nannte Dorette Leopold das Buch von Ruth Kornberger, „Frau Merian und die Wunder der Welt“, in dem es um das Leben der berühmten Malerin und Insektenforscherin Maria Sybilla Merian geht. Völlig ungewöhnlich für eine Frau im 17.Jahrhundert reist sie damals schon in die holländische Kolonie Surinam, um dort exotische Pflanzen und Insekten zu erforschen und zu porträtieren. Ihre farbenprächtigen Gemälde hängen heute in allen großen Museen der Welt.

"Die verschwindende Hälfte"

Ebenso stellte Leopold mehrere Bücher vor, die bereits im Frühjahr für die Bücherei angeschafft wurden, aber coronabedingt nie besprochen werden konnten. Darunter viele bemerkenswerte Titel wie „Die verschwindende Hälfte“ der farbigen US- Amerikanerin Brit Bennett. Ein Buch, das heute zur Pflichtlektüre der „Black Lifes Matter“ Bewegung geworden ist. Es spielt im Jahr 1938 in Louisiana, im tiefen Süden Amerikas, als die Apartheid noch gewöhnlicher Alltag war. In eine hellhäutige, aber dennoch farbige Familie wird ein Zwillingspaar geboren, das eine weiße Hautfarbe aufweist. Mit 16 Jahren brennen die beiden Zwillingsschwestern, Stella und Desiree, nach New Orleans durch, weil sie in ihrem kleinen Heimatdorf keine Zukunft sehen. In der großen Stadt trennen sich ihre Wege. Stella schlägt sich auf die privilegierte „weiße“ Seite, die Sicherheit und Geld verspricht, während ihre Schwester ihre farbigen Wurzeln nicht verleugnet. Erst der Tochtergeneration gelingt es halbwegs, im persönlichen Bereich die Apartheid und die damit verbundene Diskriminierung zu überwinden. Ein sehr lesenswertes Buch, das den schwierigen Weg der Gleichstellung beschreibt.

„Alles neu macht der Mai“

Den Schlussspurt des Abends bildete Angelika Brandts Buchvorstellung. Sie riss kurz eine Familiengeschichte des Jugendbuchautors Klaus Kordan an, „Alles neu macht der Mai“ und ging auch kurz auf den neuesten Kriminalroman von Simon Beckett ein unter dem Titel „Die Verlorenen“, der die Handlung nach London verlegt hatte. Es geht um einen Polizisten, dessen Sohn verschwunden ist und der ein Treffen mit einem Kollegen vereinbart in der Hoffnung, von dem etwas über den Verbleib seines Kindes zu erfahren. Bevor es allerdings dazu kommt, ist der Kollege tot.

„Das letzte Bild“

Mehr Erklärungen widmete sie dem Roman „Das letzte Bild“ von der deutschen Autorin Anja Jonuleit. Der Schriftstellerin ist es meisterhaft gelungen, eine fiktive Geschichte mit einem bis heute ungelösten Mordfall in Norwegen zu verbinden. Es geht um das Schicksal der Toten von Isdal, deren Leiche 1970 von Wanderern aufgefunden wurde und deren Identität man nicht klären konnte. Ein spannendes Buch, befand Brandt, weil die Autorin es auch mit einem Stück deutscher Geschichte verknüpfte.

Alle vorgestellten Bücher können ab sofort in der Bücherei ausgeliehen werden.

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