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Ausstellung „Dialog – Buch & Skulptur“

Literarische Ladenhüter und hölzerne Kunstwerke

Everswinkel

Jahrelang fristete so manches literarische Werk sein Dasein im offenen Bücherschrank. Doch nun haben die Ladenhüter ihren großen Auftritt. In einer Doppelausstellung im Rathaus treten sie in den Dialog mit den Holzskulpturen von Hugo Langner.

Von Marion Bulla

Susanne Müller, Sprecherin Arbeitskreis Literatur, und Herbert Schulze (r.), Arbeitskreis Bildende Kunst, vom Kulturkreis Everswinkel freuen sich über die Kooperation mit Künstler Hugo Langner. Kleines Bild: Werk mit dem Titel „Nachwachsendes Kanonenfutter“. Foto: Marion Bulla

„Holz ist haptisch und steckt voller Überraschungen“, sagt Hugo Langner. Es ist das Lieblingsmaterial des Lienener Künstlers, der seit Sonntag unter dem Titel „Dialog“ rund 20 seiner sehenswerten Kunstwerke im Everswinkeler Rathaus ausstellt. Es ist eine Doppelausstellung, die gemeinsam mit dem örtlichen Kulturkreis entstanden ist. Der war vor acht Jahren daran beteiligt, einen offenen Bücherschrank aufzustellen. Nach geraumer Zeit hatte man festgestellt, dass einige Bücher nie ausgeliehen wurden und sich zu echten Ladenhütern entwickelten. Diese Exemplare sind jetzt Teil der Ausstellung.

Geschickt eingebunden in die Exponate Langners. Ganz gemäß dem Motto „Dialog“. Susanne Müller vom Arbeitskreis Literatur und Herbert Schulze vom Arbeitskreis Bildende Kunst hatten sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht, wie dieser Zusammenhang hergestellt werden könnte. Am Sonntag stellt sich heraus, dass ihnen dies perfekt gelungen ist. Zu verschiedenen Themen wie Klima, Gesundheit und Politik sind Bücher ausgewählt worden, die nun in Regalen, Schränken und Tischen präsentiert werden. Manche scheinen regelrecht drapiert andere wie zufällig eingebaut. Immer aber stehen sie im Dialog mit Hugo Langners Kunst.

Zur Eröffnung der Kunstausstellung „Dialog - Buch & Skulptur"" mit Werken von Hugo Langner kamen viele Besucher ins Rathaus. Foto: Marion Bulla

Eines seiner Arbeiten sticht besonders hervor. Im Eingangsbereich steht ein großes weißes O mit einem Loch an der Seite und einem baumelnden kleineren weiteren Kreis. „Ist es ein lustvolles O oder eine Null?“, fragt Thomas Gabriel, der in die Ausstellung einführt, in die Runde der vielen Kunstfreunde, die zur Eröffnung gekommen sind. Auch geht er auf die Bücher ein. „Dort hinten direkt in meiner Sichtachse zum Oval, sind in einem Regal eine amerikanische Enzyklopädie und eine Vielzahl an Klassikern aufgereiht. Sie sind sehr wertvoll und repräsentativ, doch wie man sieht, sind alle ungelesen“, bemerkt der Kunstkenner.

Dann ergreift Langner selbst das Wort. Zunächst klärt der Autodidakt auf: „Am Eingang steht „Zero, die Schönste im Umkreis“ und ohne Loch wäre die Null nicht da.“ Seine Skulpturen würden alle eine Geschichte erzählen. Auch die Titel seien ihm wichtig, so der 71-Jährige weiter.

Eine Skulptur von Hugo Langner mit dem Titel „Nachwachsendes Kanonenfutter“. Foto: Marion Bulla

Es gibt viel zu entdecken. Viele Objekte stecken voller Humor, bei anderen bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Wie etwa bei dem angekokelten Buch aus Holz mit einem Dolch durchstoßen und versehen mit dem Heine-Zitat „..dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“. Heinrich Heine hatte diesen Satz bereits 1823 veröffentlicht. Diese düstere Prognose wurde 110 Jahre später grausige Wirklichkeit. Nämlich bei der Bücherverbrennung 1933, wo die Nazis das Beste, Klügste und Humanste, das deutsche Dichter und Dichterinnen geschaffen hatten, in Flammen aufgingen ließen.

Ein Besuch im Rathaus lohnt sich derzeit also auch in kultureller Hinsicht. Übrigens können Interessierte am Ende der Ausstellung am 3. April Bücher mitnehmen, damit die „Ladenhüter“ vielleicht doch noch gelesen werden.

Auch Teil der Ausstellung: Ein Bücherschrank mit „Ladenhütern“. Foto: Marion Bulla
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