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Gestrandete Zirkus-Familie in Everswinkel

Manegenluft ist wieder Trumpf

Everswinkel

Seit Ende November 2019 steckt die Zirkus-Familie Trumpf in Everswinkel fest. Geplant war ursprünglich nur das Winterquartier. Dann kam Corona, und es wurde eine sehr lange Auszeit. Eine Zeit des Nichts-Tuns, ein Kampf ums Überleben. Nun aber geht es voran. Endlich.

Von Marion Bullau

Mit einer sehenswerten Akrobatiknummer in luftiger Höhe eröffnet Darleen Trumpf das Programm des Familien-Zirku Foto: Marion Bulla

Seit Ende November 2019 steckt die Zirkus-Familie Trumpf in Everswinkel fest. Geplant war ursprünglich nur das Winterquartier. Dann kam Corona, und es wurde eine sehr lange Auszeit. Im März 2020 sollte es wieder losgehen mit den Vorstellungen – vor 16 Monaten. Eine Zeit des Nichts-Tuns, ein Kampf ums Überleben. Nun aber geht es voran. Die Inzidenz-Zahlen sind zwischenzeitlich gesunken, Lockerungen wurden möglich. Somit war es nun auch erlaubt, wieder die Manege für Zuschauer zu öffnen. Am vergangenen Donnerstag war Premiere. „Das war natürlich toll. Auch, wenn wir an dem Tag zeitweise kein Licht hatten und unsere Tiere ganz schön nervös waren. Genau wie wir auch“, erzählt Zirkus-Chefin Sabrina Trumpf und fügt an, sie freuten sich aber alle, dass sie nun auftreten könnten.

Jonglage, Akrobatik, Clownerie - und Tierdressur

Und wie sie gestartet sind. Es gibt eine grandiose Mischung aus Jonglage, Akrobatik, Clownerie, und Tierdressur. Das große, bunte Zelt ist am Gewerbegebiet Rott aufgebaut. Die Zirkusfamilie Trumpf ist bereit für eine der ersten Vorstellungen seit eineinhalb Jahren. Der unverkennbare Geruch von Sägemehl und Tieren liegt in der Luft. Kinder und deren Eltern oder Großeltern haben auf den Stühlen Platz genommen und warten am Samstagnachmittag gespannt auf die Artisten, Clowns und Akrobaten. Am Samstag sind rund 60 kleine und große Besucher und Besucherinnen gekommen. Darunter auch Jonas und Janne. Die Vierjährigen sind vor allem gespannt auf die Künste der Ponys, die angekündigt sind. „Ich finde Reiten schön, und Pferde finde ich toll“, schwärmt Janne. Anne Kaup ist mit ihren Enkelinnen Amelie und Lea gekommen. Die Kinder sind zum ersten Mal im Zirkus und ganz aufgeregt. „Ich freue mich auf den Clown“, strahlt Lea. Sie wolle mit den Kindern die Familientour der August Macke-Ausstellung „August und das Zirkuspferd“ besuchen und sehe diese Vorstellung als sehr gute Vorbereitung, erzählt die Großmutter und strahlt.

„Manege frei!“

Denn nun heißt es: „Manege frei!“ Darleen Trumpf eröffnet mit einer beeindruckenden Luftnummer das Programm. Im Glitzer-Outfit zeigt sie dem begeisterten Publikum, wie gelenkig sie sich in Bändern in luftigen Höhen bewegen kann. Es folgt Apache. Ein Pony, das rasant schnell eine acht laufen kann. „Er ist ein wenig nervös, denn es ist erst seine dritte Vorstellung seit langer Zeit“, muss Trainer Silvano zugeben. Gemerkt hat‘s wohl niemand, geschweige dass es jemanden gestört hätte. Besonders viel Gelächter gibt es bei den Clown-Nummern. Der leicht trottelige Clown Peppino (Manfred Schickler) sorgt für jede Menge Spaß, wenn er etwa lange vergeblich versucht, allein die Tischdecke auf ihren vorgesehen Platz zu bringen. Oder sein Frühstück ohne Zwischenfall zu genießen. Ein Höhepunkt im Programm ist auch Silvano Trumpf, der scheinbar viele Talente hat. Eines ist ganz offensichtlich sein Gleichgewichtsgefühl. Er schafft es tatsächlich, fünf übereinander gestapelte Stühle, einen Tisch und sogar eine Schubkarre auf seiner Kinnspitze zu balancieren. Auch Akrobatik gehört zu seinen Fähigkeiten, wie sich später herausstellt. Ein wenig Marvel-Atmosphäre kommt auf, als zwei Spidermen die Bühne betreten. Der kleine Leandro Trumpf und Manfred Schickler, der zuvor noch als Clown agierte, schwingen sich mit vollem Elan am Seil quer durch die Arena. „Ich habe am Eingang einen kleinen Spidermann hier im Publikum gesehen und ihm versprochen, dass er mitmachen darf“, bemerkt Silvano Trumpf dann und hebt einen kleinen Jungen über die Bande. Er ist ein wenig schüchtern aber am dennoch glücklich, für kurze Zeit am Ende ein Teil der Zirkus-Familie Trumpf geworden zu sein.

Waschechter Familienbetrieb

Der Zirkus Trumpf ist nämlich mit seinen zwölf Mitgliedern ein waschechter Familienbetrieb, und auch die Jüngsten sind ins Showprogramm integriert. Rund zwei Stunden lang reiht sich eine Attraktion an die nächste. Die Kinder freuen sich in der Pause und nach der Vorstellung über den Streichelzoo und das Ponyreiten.

In erster Linie geht es der Zirkus-Familie in diesen Vorstellungen um Dankbarkeit. „Wir sind absolut überwältigt von der Hilfsbereitschaft. Allein, dass die Besitzerin des Grundstücks uns so lange hier Unterschlupf gewährt, ist eine sehr große Hilfe“, weiß Sabrina Trumpf die Großzügigkeit zu schätzen. Ebenso ist die Familie froh, dass ihr so viele Menschen Futter und auch finanzielle Hilfen zukommen lassen. Darum dürfen die meisten der Besucher am vergangenen Wochenende die Show kostenfrei genießen. Bis März 2022 werden die Artisten noch in Everswinkel bleiben. „Was dann kommt, machen wir einfach davon abhängig, was geht“, sagt Sabrina Trumpf.

Tickets und Vorstellungen

Wer noch eine Vorstellung der Trumpf-Familie besuchen möchte, kann dies vom kommenden Donnerstag (29. Juli) bis Samstag (31. Juli) jeden Tag ab 16 Uhr sowie am Sonntag (1. August) um 14 Uhr. Freitag ist zudem Familientag, da zahlen Erwachsene den Tarif der Kinder. Tickets gibt‘s telefonisch unter  0174/6 91 21 39

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