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Blasorchester Everswinkel und die Bremer Stadtmusikanten

Märchenhaftes Kopfkino

Everswinkel

Dass es eine gute Idee ist, musikalisch ein komplettes Märchen zu erzählen, zeigt sich am Sonntagnachmittag auf dem Schulhof der Verbundschule. Der ist nämlich bei gleich zwei Kinderkonzerten voll von Menschen, die gespannt auf ihren Stühlen sitzen, um der Geschichte der „Bremer Stadtmusikanten“ zu lauschen. Und es wurde nicht zu viel versprochen: Es wird ein musikalisches Erlebnis.

Von Marion Bulla

Das Blasorchester Everswinkel und Erzähler Julian Theiselmann (kleines Bild) erweckten die vier Bremer Stadtmusikanten auf eindrucksvolle Art zum Leben. Foto: Marion Bulla

Die tierischen Protagonisten werden erzählerisch von Julian Theiselmann und ebenso den Klängen des Blasorchesters Everswinkel, dessen 56 Musiker und Musikerinnen unter der Leitung von Thomas Beumers auf eindrucksvolle Weise ihre Vielfältigkeit unter Beweis stellen, zum Leben erweckt.

Als Märchenerzähler spannt Julian Theiselmann meisterhaft den Bogen zwischen den einzelnen Musikpassagen. Foto: Marion Bulla

„Welche Tiere kommen im Märchen vor?“, fragt Julian Theiselmann zunächst. „Ein Nashorn“, ruft ein Junge. „Nicht ganz“, widerspricht der Märchenonkel schmunzelnd, bevor er sich zu dem kleinen Podest begibt, das rechts vom Orchester steht Dann nimmt er auf dem gemütlichen Stuhl mit der Stehlampe Platz. Theiselmann ist ein Meister, wenn es um Gestik, Mimik und der passenden Stimmlage geht. Gekonnt erzählt er die Story vom Esel, der des Säcketragen nur allzu müde ist sowie vom Hund, altersbedingt zu schwach zum Jagen und damit für den Bauern nutzlos. Auch natürlich von der Katze, die ersäuft werden soll, weil sie nicht mehr schnell genug für Mäuse ist. Der letzte im Bunde ist der Hahn, dem der Suppentopf droht. Bei jedem der Tiere, die Theiselmann vorstellt, gibt es eine kleine musikalische Einlage seitens des Orchesters. Da tapst die klagende Katze, der Hund schleicht sich jaulend davon, der Esel seufzt und der Hahn flattert in Todesangst – die Tiere werden zu Bildern. Musik und Stimme machen es möglich.

Dirigent Thomas Beumers hatte das Orchester bestens auf diesen besonderen Auftritt vorbereitet. Foto: Marion Bulla

Das Quartett ist nun vollständig, und macht sich auf den Weg nach Bremen, um ein Orchester zu gründen. Bei den folgenden Abenteuern, die die vier zu bestehen haben, bringen die Instrumente des Orchesters ordentlich Stimmung in die Geschichte. Eine Steilvorlage und sicher der Höhepunkt des Konzerts ist gegeben, als die Tiere nachts ein Räuberhaus im Wald erreichen, das sie unbedingt erobern wollen. Es kommt zur Premiere der frisch formierten „Rentner-Band“. Und bereits das erste Konzert wird zu einem im wahrsten Sinne des Wortes durchschlagenden Erfolg: Sie verjagen die Ganoven mit ihren eigenen Mitteln wie Geschrei und Gekrähe.

Nach der Corona-bedingt langen Auftrittspause bewiesen die Musikerinnen und Musiker des BOE, dass sie in der Zeit nichts verlernt haben. Foto: Marion Bulla

Die Dramatik des erfolglosen Gegenangriffs der Räuber wird phänomenal hörbar. Das Orchester lässt das Szenario quasi als Kopfkino ablaufen. Eine beeindruckende Vorführung. Am Ende bleiben die Tiere im Wald, kommen also nie in Bremen an. Sie haben ihr Ziel dennoch erreicht. „Und wenn sie nicht in Bremen sind, dann musizieren sie noch heute“, sagt Erzähler Theiselmann abschließend und fügt dann an, das Märchen sei auch heute noch aktuell. „Zusammen ist man stark und kann den Herausforderungen gemeinsam trotzen.“

Nach dem Konzert gibt es das bekannte Instrumentenkarussell. Ob Oboe, Klarinette, Saxofon, Posaune, Schlagzeug, Querflöte, Tenorhorn, Tuba, Trompete oder Gitarre – jeder kann die Musikinstrumente einmal ausprobieren. Eine Werbung für den Nachwuchs, die offenbar zieht, denn viele nutzen das Angebot und lassen sich die Handhabung erklären.

Für die Zuschauer war das Konzert unter freiem Himmel ein wahres spätsommerliches Vergnügen. Foto: Marion Bulla
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