Fronleichnamsfeier

Mit Winnetou, Jesus und vielen Fischen

Everswinkel

Endlich war es wieder soweit: Zwar war die Fronleichnamsprozession diesmal auch nicht möglich, aber es durfte draußen auf dem Kirchplatz in Alverskirchen und im Pfarrgarten in Everswinkel gesungen werden. Und so intonierte das Blasorchester Everswinkel sehr feierlich zum Gloria „Ein Haus voll Glorie schauet“ – das Lied, das der Gemeinde bei der Wiederöffnung der St. Magnus-Kirche mitzusingen verwehrt war.

Kinder trugen bei der Fronleichnamsfeier im Everswinkeler Pfarrgarten ihre Gedanken vor dem Abschlusssegen vor. Im Vordergrund ist der aufwendig gestaltete Blumenteppich zu sehen. Foto: Werner Schniedermann

Viele von den fast 300 Gottesdienstteilnehmern und Fahnenabordnungen der Vereine sangen nicht ohne Gänsehaut mit, wohl wissend, dass die Kirche gerade zurzeit sehr weit von diesem Ideal entfernt ist, aber durch die Fehlerhaftigkeit ihrer Mitglieder auch immer war, heißt es in einer Pressemeldung der Kirchengemeinde. Fronleichnam, das katholischste aller christlichen Feste, dem der Staat sogar einen arbeitsfreien Tag spendiert hat, weise auf einen tieferen Sinn hin, so Pfarrer Czarnecki. Nicht die Institution, sondern Jesus Christus sei das Zentrum des christlichen Glaubens. Seine Worten, seine Taten hätten seit 2000 Jahren Milliarden von Menschen überzeugt, zu versuchen, ihr Leben an ihm auszurichten. Er hätte gewusst, wie die Menschen ticken, und er hätte schon damals in seinen Abschiedsreden eindringlich gemahnt, zusammenzubleiben – komme, was da wolle.

In den Schriften zu Fronleichnam wird zu nächst beschrieben, wie Moses mit archaischen Opferblutritualen den Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelte. „Es ist eine Bildsprache, die für viele in Zeiten politisch korrekter Sprache eine verstörende Sauerei darstellt,“ wie Pfarrer Czarnecki es in seiner Predigt – vermutlich die Gedanken vieler Gottesdienstteilnehmer treffend – formulierte. Aber in allen menschlichen Gesellschaften, auch bei den Germanen, seien solche Rituale unverbrüchlicher Verlässlichkeit üblich gewesen bis zu den Blutsbrüdern Winnetou und Old Shatterhand in den Romanen von Karl May. Und wie Winnetou seinen Blutsbruder bis in den Tod geschützt habe, so sei auch Jesus seinem Auftrag treu geblieben bis in den Tod.

Jesus Christus habe andere, mystische Zeichen hinterlassen. Die tiefe Verbundenheit führen Christen bis heute in den Zeichen des letzten Abendmals: in Wein und Brot. „Fronleichnam demonstrieren Christen, dass wir seine ,Blutsbrüder und Blutsschwestern‘ sein wollten in Wort und Tat.“ Deshalb werde zu Fronleichnam das eucharistische Brot demonstrativ in der Monstranz verehrt. So stellte es auch ein von einigen Frauen seit den frühen Morgenstunden aufwendig gestalteter prächtiger Blumenteppich mit dem Logo der diesjährigen Kommunionfeiern vor dem Altar dar.

Pastoralreferent Alexander Scherner hatte viele Kommunionkinder angesprochen, die am Blumenteppich und vor der Monstranz Gedanken über Jesus vortrugen. Die Kinder erhielten Kreide, um dort auf dem Pflaster und auf dem Weg nach Hause das in der Zeit der römischen Herrschaft noch geheime Logo der ersten verfolgten Christen für Jesus aufzumalen: den Fisch. Dieses alte Zeichen für Christus war dann auf vielen Wegen in der Gemeinde zu finden.

Startseite