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Windrad-Rückbau am Hof Homann

Nach 22 Jahren hat sich‘s ausgedreht

Everswinkel

Der erste „Riese“ ist gefallen in der Vitus-Gemeinde. Er gehörte zu derzeit bundesweit 28.287 weiteren Riesen in der freien Landschaft. Mit 22 Jahren hat die Windkraftanlage von Ewald Homann in der Bauerschaft Wester ein beachtliches Alter erreicht. Jetzt wurde ihr Ende besiegelt. Das Windrad ist aus der Kulisse nördlich des Vitus-Dorfes verschwunden.

Das Windrad ist mittlerweile zerlegt und wartet auf den Abtransport. Ein großer Teil der Bestandteile kann recycelt werden. Foto: Klaus Meyer

„Die Anlage hatte einen technischen Defekt, der so teuer in der Reparatur gewesen wäre, dass sich das nicht gelohnt hätte“, erzählt Ewald Homann im WN-Gespräch. „Da haben wir uns entschlossen, die Anlage abzubauen.“ Zumal ja auch die auf 20 Jahre begrenzte Vergütung für den erzeugten Strom auf der Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) längst ausgelaufen ist. Vor rund zwei Wochen begann der Rückbau, der Großteil der Arbeiten ist durch. Wie ein gefällter und schon zerteilter Baum liegt der Turm auf dem Acker, Rotornabe und Rotorblätter sind demontiert. Ein Haufen Stahl, Elektrokomponenten und Verbundwerkstoff, der in dieser Woche abgeholt werden sollte.

Material, das zum großen Teil wiederverwertet werden kann. Der Stahl des Turms und die Elektrokomponenten werden recycelt, so Homann. Was mit den Flügeln passiert, ist unklar. Sie sind mit ihrem Verbundwerkstoff schwieriger zu nutzen und können nur zum Teil in der Zementindustrie verbrannt werden. Auch das Beton-Fundament verschwindet von der Fläche. Insgesamt ein kompletter Rückbau durch eine Spezialfirma, der einiges Geld kostet.

Was mit den Flügeln passiert, ist noch unklar. Ein Recycling des Verbundwerkstoffs ist nicht möglich. Foto: Klaus Meyer

Homann ist dennoch zufrieden. „Über die Jahre hat es sich wohl gerechnet“, bilanziert er, wenngleich die Erträge nicht so hoch gewesen seien wie ursprünglich berechnet. Das Windrad war eine reine Einspeisungsanlage. Als der Landwirt sie damals errichten ließ, hatte er bereits mit einer ersten, deutlich kleineren Anlage am Hof die ersten Erfahrungen gesammelt.

Die neue Anlage war vor 22 Jahren mit ihrer Leistung von 500 kW ein gängiger Typ für solche Investitionen. Damals gab es bundesweit laut Bundesverband Windenergie 9359 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 6100 Megawatt. Zum 30. Juni dieses Jahres waren es gemäß Deutsche WindGuard GmbH 28 287 Anlagen mit insgesamt 56 848 Megawatt Leistung, davon 3573 in NRW mit 6548 MW. 238 neue Windräder wurden im ersten Halbjahr 2022 errichtet (NRW: 47).

Mit dem neuen Jahrtausend begann gleichzeitig auch schon die Entwicklung der Megawattklasse. Heute sind Anlagen mit einer Leistung von drei bis fünf Megawatt normal, während die größten auf dem Markt angebotenen Exemplare bereits auf Generator-Leistungen von mehr als 7,5 Megawatt kommen – so viel, wie 15 Exemplare der nun demontierten Everswinkeler Anlage. Mit ihrer Jahresleistung kann eine solche Powermaschine über 5700 Haushalte mit Strom versorgen.

Blick in das unterste der drei Turm-Teile. Der Stahl hat seinen Wert und kann wiederverwendet werden. Foto: Klaus Meyer

Die höheren, leistungsstärkeren Windkraft-Anlagen heutiger Zeit lösen oftmals die älteren Vorgänger an deren Standorten ab. Repowering heißt das. Bundesweit wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres 82 Windräder zurückgebaut und 35 davon durch Repowering ersetzt. Für Homann ist das zurzeit kein Thema, wenngleich es nicht ausgeschlossen sei, dass irgendwann vielleicht einmal eine neue Anlage folge. Der Landwirt sieht auch einen Widerspruch in der aktuellen Situation: „Einerseits ist Windkraft gewollt, aber andererseits sind die Durchführungsbestimmungen noch die alten.“

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