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Motiv bleibt unklar: 63-Jährige beschädigt Passat der Nachbarin durch Feuer

Nach Zeugenaussage gesteht die Angeklagte doch

Everswinkel

Als Zeugen musste ein Brüderpaar vor Gericht aussagen, nachdem sie im Oktober 2020 beobachtet hatten, wie eine Nachbarin Grillanzünder auf zwei Autoreifen platzierte.

-cirm-

Das Amtsgericht Warendorf musste sich mit einem merkwürdigen Fall von Brandstiftung beschäftigen. Foto: Klaus Meyer

Ein heute 16 Jahre alter Schüler streifte am Abend des 31. Oktober 2020 gemeinsam mit seinem Bruder durch die dunkle Nachbarschaft in einer Everswinkeler Siedlung. Man habe die neue Taschenlampe ausprobieren wollen, erklärte er nun vor dem Warendorfer Amtsgericht.

Hier wurde er als Zeuge angehört. Schließlich hatte er wenig später durch das heimische Küchenfenster beobachtet, wie seine heute 63-jährige Nachbarin hinter einem geparkten VW Passat herschlich, in die Hocke ging, auf zwei Reifen Grillanzünder platzierte, sie entzündete und dann in ihr Haus zurückkehrte.

Das entstandene Feuer beschädigte den Kotflügel, die beiden Reifen, und auch der Tank des Fahrzeugs geriet in Mitleidenschaft, so dass sich der Gesamtschaden auf 7500 Euro summierte, wie die Fahrzeughalterin am Rande des Verfahrens berichtete. Da die Brüder umgehend ihren Vater verständigt hatten, konnte der das Feuer schnell löschen und einen Vollbrand verhindern. Zunächst ließ die Angeklagte die Vorwürfe bestreiten. Der Straßenbereich ihrer Mandantin sei einem Wendehammer sehr ähnlich, aufgrund unklarer Grundstücksgrenzen sei es manchmal zu Konflikten wegen schlecht abgestellter Autos gekommen, erklärte die Verteidigerin. Ansonsten habe es keinerlei Probleme mit den Nachbarn gegeben.

Im Anschluss an die Zeugenaussage des Jugendlichen berieten sich Verteidigerin und Mandantin. Und plötzlich räumten sie die Vorwürfe vollumfänglich ein. Weitere Zeugenaussagen waren nicht mehr erforderlich. „Die Tat ist absolut einmalig geblieben“, verwies die Anwältin in ihrem Plädoyer auf das zuvor tadellose Leben der 63-Jährigen. Auch der Schaden sei überschaubar. Das Motiv blieb derweil unklar. Das Gericht verurteilte die Frau zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten. Die Vorsitzende Richterin sprach von „einem großen Glück, dass die Nachbarn so schnell gelöscht haben“. Eine Wiederholung im Everswinkeler Ortskern dürfte wohl unwahrscheinlich sein: Die 63-Jährige und ihr Mann werden in wenigen Monaten in ein anderes Bundesland umziehen.

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