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WN-Serie: Schatz des Monats in St. Agatha

Objekt aus frühester Zeit

Alverskirchen

Ein besonders altes und wertvolles Objekt aus dem Kirchenschatz von St. Agatha stellte der Schatzkammerverein nun in seiner Serie als „Schatz des Monats“ für den April vor: Ein romanisches Weihrauchfass aus der Zeit um 1200 n. Chr. Damit gehörte es vermutlich zur Ausstattung der ersten steinernen Kirche in Alverskirchen.

Pater Thomas Sahayaraj und Dr. Hans Joachim Hubrich präsentierten in der Kirche das romanische Weihrauchfass. Foto: Schatzkammerverein

Dr. Hans Joachim Hubrich, Vorsitzender des Fördervereins der Schatzkammer, erläuterte den Anwesenden in einem Power-Point-Vortrag die Funktionen von Weihrauch, einem Baumharz aus Kleinasien. „Es wurde wegen seines Wohlgeruchs schon in der Antike für kultische und medizinische Zwecke verwendet – auch heute spielt es neben der christlichen Liturgie noch in der Naturheilkunde eine Rolle.“ Man verbrennt dazu das Harz in kleinen Gefäßen, die Öffnungen aufweisen, aus denen der Rauch entweichen kann.

Schon sei Weihrauch auf alten Handelswegen gemeinsam mit anderen kostbaren Dingen nach Europa gelangt. So gebe es etwa seit 600 n. Chr. Weihrauchfässchen von Oslo bis nach Spanien.

Das Alverskirchener Gefäß besteht aus gegossener Bronze – sein Ketten-Gehänge ist aus Messing und eine spätere Ergänzung. In der Oberflächengestaltung zeigt sich die hohe Qualität des unbekannten Künstlers – sehr ähnlich mit einem zeitgleichen, französischen Fässchen: Zwei Halbkugeln umschließen den brennenden Weihrauch. Sie sind mit stilisierten Pflanzen und einem architektonischen Überbau verziert.

„Hier wird das sogenannte ,Himmlische Jerusalem‘ dargestellt“, so Hubrich. „Das ist die Bildwerdung eines Zitates aus der Apokalypse des Johannes und soll die ideale Stadt Gottes darstellen.“ Darin umschließe eine Stadtmauer Kirchengebäude, die auf byzantinische Formen zurückgehen. „Und das bis in die heutige Sakralkunst“, wie der Experte mittels zahlreicher Beispiele belegte. Farbenfrohe Buchmalereien, große Radleuchter und moderne Glasfenster faszinierten die Betrachter.

Während die Wiedertäufer in Münster bereits um 1530 ihr Reich als die Verkörperung des „neuen Jerusalems“ sahen, sei man heute bescheidener – doch das Streben nach Frieden und Glückseligkeit innerhalb eines geschützten Raumes bleibe aktuell. In Alverskirchen hat sich hierfür ein besonders schönes Beispiel erhalten. Aus konservatorischen Gründen wird das Fässchen nicht mehr benutzt – aber jedermann kann es in einer Vitrine der Schatzkammer bewundern.

Über 800 Jahr alt ist dieses romanische Weihrauchfass, das in der Schatzkammer St. Agatha zu bewundern ist. Foto: Schatzkammerverein
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