1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Everswinkel
  6. >
  7. Plötzlich ein tausendfaches Summen

  8. >

Besuch vom Bienenschwarm

Plötzlich ein tausendfaches Summen

Alverskirchen

Nichtsahnend saß Sven Linnemann an der Kaffeetafel im Garten seiner Eltern und genoss den herrlichen Sonnenschein. Plötzlich ein Aufschrei. Passanten hatten auf dem nahe gelegenen Grundstück Linnemanns einen riesigen Bienenschwarm entdeckt. Als der 42-Jährige dies hörte, ließ er gleich die Kaffeetasse stehen und eilte zu seinem Haus an der Alverskirchener Hauptstraße.

wn

Faszinierender Anblick: Ein Bienenschwarm mit Tausenden Tieren hat sich an einem Zweig im Garten der Alverskirchener Familie Linnemann niedergelassen. Foto: Linnemann

45 Minuten zuvor hatte er das eigene Grundstück mit Frau und Kleinkind verlassen. Wo vorher Ruhe herrschte, war nun ein lautes Gesumme zu vernehmen. Geschätzt etwa 15 000 Bienen hatten sich überraschend an einem Zweig im Vorgarten niedergelassen.

Überwältigt von dem gigantischen Ausmaß der Insekten, traute Sven Linnemann seinen Augen kaum. Überall schwirrten Bienen, und einige Tausend hatten sich bereits als große runde Kugel auf dem Zweig niedergelassen. Was nun? Als ehrenamtlicher Feuerwehrmann, wusste er, dass sich seine Kameraden nicht um die Beseitigung der stacheligen Insekten kümmer würden. Befreundete Imker waren telefonisch nicht zu erreichen. Auch die Polizei hatte keinen Rat. Letztlich ein Tipp aus dem Internet: Der Imkerverein Warendorf könnte Abhilfe schaffen.

Hobby-Imker Siegfried Liebig

Gesagt getan. Nach einem kurzen Telefonat hatte sich Hobby-Imker Siegfried Liebig, stellvertretender Vorsitzender des Imkervereins Warendorf, dazu bereiterklärt, vorbeizukommen und das Bienenvolk einzufangen. Ohne Schutzkleidung näherte er sich dem großen Bienenvolk, das sich mitten im Eingangsbereich des Vorgartens niedergelassen hatte. „Eine Schutzkleidung oder ähnliches brauche ich nicht, die meisten Bienen sind sehr friedliche Gesellen“, sagte er.

Das Einsammeln der Bienen gestaltete sich erfolgreich. Da die Königin unter den ersten Tieren im Behälter dabei war, folgten ihr die anderen Bienen. Foto: Karina Linnemann

Vorsichtig entfernte er den Zweig von dem Gebüsch und schüttelte die Bienen in einen großen Behälter. „Wenn ich die Königin erwischt habe, werden ihr alle anderen Bienen folgen, und ich kann sie in Ruhe abtransportieren“, erklärte Liebig. Dass sich so viele Bienen in so kurzer Zeit irgendwo ansiedelten, sei gar nicht so ungewöhnlich, erklärte er. „Das ist der ganz normale Vermehrungsvorgang. Wird ein Bienenvolk zu groß, zieht die Königin mit der Hälfte des Volkes weiter.“ Die Bienen würden sich wie in diesem Fall an einem Ort vorübergehend niederlassen, und sogenannte Spurbienen würden einen neuen festen Unterschlupf fürs Volk suchen“, erläuterte der erfahrenen Hobby-Imker. „Gut möglich, dass Sie hier schon morgen nichts mehr von den Bienen gesehen hätten“, erklärte Liebig dem Hausherren. Die nützlichen Insekten würden ihren Unterschlupf meist in Baumspitzen oder anderen hohen Orten wie Nistkästen bauen.

Ein eingefangener Bienenschwarm bezieht seine neue Behausung. Foto: privat

Die Bienen, die sich in Linnemanns Garten niedergelassen hatten, seien vermutlich einem anderen Imker entwischt. „In aller Regel, möchten Imker ihre Schwärme behalten und sorgen deshalb immer dafür, dass diese ausreichend Platz haben und erst gar nicht ausschwärmen wollen. Als Alternative kann man auch darauf aufpassen, dass im Bienenstock keine neue Königin herangezogen wird. Auch dann bleiben die Bienen wo sie sind“, machte Liebig deutlich. Er selbst habe in diesem Jahr bereits den vierten Schwarm eingefangen. In der Regel würden die Bienen von Mai bis Juni ausschwärmen, häufig in der Mittagszeit und immer bei gutem Wetter.

Startseite