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„Schmarowotsnik“ spielt Klezmer-Musik und jiddische Lieder in der Johannes-Kirche

Poesie zum Klingen gebracht

Everswinkel

Martin Quetsche und Christine von Bülow sind seit vielen Jahren als Klezmer-Duo „Schmarowotsnik“ unterwegs. Am Sonntagabend machten sie in der kleinen Johannes-Kirche Station und boten ein abwechslungsreiches Programm aus jiddischen Liedern und Klezmermusik.

Von Ulrich Coppel

Das Duo „Schmarowotsnik“ gab einen fesselnden Einblick in die Klezmer-Musik und jiddische Lieder in der Johannes-Kirche. Foto: Günther Wehmeyer

Da von Bülow (Oboe, Englischhorn), wie derzeit so viele, an einer Erkältung laborierte, konnte sie im Konzert lediglich instrumental mitwirken. Martin Quetsche (Gesang, Akkordeon) übernahm an diesem Abend den Gesangspart und die zahlreichen informativen Moderationen allein.

Jiddische Poesie ist die eine Seite in Quetsches künstlerischer Welt. Ein ums andere Mal stellte er bekannte jiddische Poeten vor, skizzierte biografische Eckpunkte aus deren Lebensläufen oder erläuterte Verbreitung, Grammatik oder Vokabular dieser dem Deutschen sehr verwandten Sprache. Viele der verwendeten Texte sind Kleinode. Sie handeln von aufmerksamen Alltagsbeobachtungen, Anekdoten oder sind Weisheiten.

Dazu gibt es die musikalische Umsetzung dieser Poesie im Duo Schmarowotsnik. Aus deren Feder stammen musikalische Arrangements und Kompositionen von Texten anderer, genau eigener Poesie. Bei aller jahrelangen Routine und spürbarer Souveränität im Vortrag und obwohl Quetsche am Sonntag notgedrungen alleine singen musste, zog er schnell die Zuhörer in den Bann. Viele von ihnen genossen die Musik mit geschlossenen Augen.

Die Klezmer-Folkloristik ist bisweilen rhythmisch komplex, etwa im Fünf-Viertel-Takt. Eins, zwei drei, ein zwei – eins, zwei, drei, eins zwei hämmerte Quetsche Akkorde wie am Schnürchen in sein Instrument. Jeder im Publikum tanzte innerlich mit. Trotz Erkältung fand von Bülow mit ihrer Oboe oder dem Englischhorn ausreichend Druck, um darüber passend farbige Melodienbögen oder typisch folkloristische Improvisationen – etwa in Triolen – zu gestalten. Quetsche und von Bülow kommunizierten musikalisch perfekt miteinander. Sie tanzten und sangen oder klagten und weinten. Alles im perfekten Einklang. Großartig!

Was trieb ein Klezmerduo während der coronabedingten Konzert-Abstinenz so? Richtig: Es hat eine neue CD produziert. Zahlreiche der am Sonntag konzertant dargebotenen Songs finden sich auf dem 2021 veröffentlichten Tonträger „Naye jidishe lider“. Klezmer-Liebhabern und Interessierten sei sie empfohlen, denn sie ist ein echter Geheimtipp. Auf der Webseite www.schmarowotsnik.de kann man reinhören und es gibt zahlreiche weitere Informationen.

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