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Preise galoppieren davon

Reitverein passt Planung für Longier-Center der neuen Realität an

Everswinkel

Das wird eine ordentliche Kraftanstrengung für den Reit- und Fahrverein. Auf dem Vereinsgelände nördlich der Reithallen soll ein Longier-Center entstehen. Zudem sind zwei andere Sanierungsmaßnahmen vorgesehen. 90.000 Euro Landesmittel sind angekündigt und fest eingeplant. Damit wird man nicht auskommen, das war dem Vereinsvorsitzenden Peter Grunert aber bereits im Februar klar. Doch inzwischen sind die Hindernisse höher geworden.

Von Klaus Meyer

Auf dieser Wiese vor der Reithalle soll die neue Longier-Halle des Reit- und Fahrvereins entstehen. Allerdings in anderer Form als zunächst angedacht. Die Kostensteigerung im Baubereich erfordern ein Umdenken beim Verein. Foto: Klaus Meyer

Seinerzeit rechnete man seitens des Vereinsvorstandes schon allein fürs Longier-Center mit rund 100.000 Euro. Und dazu kommen noch eine neue Umzäunung des gesamten Wiesenbereichs, um die Sicherheit zu erhöhen, sowie die Sanierung der Toiletten-Anlage. Planungsausschuss und Gemeinderat machten kürzlich den Weg frei mit einem Änderungsverfahren des Bebauungsplans „Reitgelände Wester“. Ohne diese Änderung wäre das angestrebte Longier-Projekt gar nicht möglich. „Der Longier-Zirkel liegt außerhalb der Baugrenzen“, und die umfassen derzeit nur die bestehenden Reithallen, wie Bau- und Planungsamtsleiter Norbert Reher verdeutlichte. Im einfachen Verfahren sollen diese Baugrenzen nun verändert werden.

Der Reiterverein hatte zu den Sitzungsterminen seine Planüberlegungen konkretisiert. Demnach sollte das Longier-Center auf der Wiese nahe der Reithalle zur Alverskirchener Straße hin platziert werden und einen Durchmesser von 21 Metern haben. Während im Innenbereich ein Pferd longiert werden kann, könnten außen bis zu acht Pferde gleichzeitig mittels einer automatischen Führanlage bewegt werden. Optisch soll sich das neue Gebäude an das BOE-Orchesterhaus anpassen.

Vereinsvorsitzender Peter Grunert

Doch in Zeiten wie diesen werden viele Dinge von der neuen Realität über den Haufen geworfen und erfordern alternative Ideen. Der Reitverein ist von der galoppierenden Preisentwicklung auf dem Bausektor kalt erwischt worden. „Uns laufen gerade die Kosten weg“, erklärt Grunert im WN-Gespräch. Am Donnerstagabend diskutierte der Vorstand über die angedachten Investitionen und die Frage, „was wir in Eigenleistungen machen können“. Der Vereinsvorsitzende hatte sich im Frühjahr ein aktuelles Angebot für ein komplettes Longier-Center samt unter der Decke montierter Führanlage eingeholt – da lag man schon bei rund 150.000 Euro. Jetzt war der Zeitpunkt für die Notbremse und ein Umsteuern da.

Angepeilt wird nun eine günstigere Alternative. Statt runder Halle eine quadratische mit 20 mal 20 Metern Fläche. „Da hat man nicht so viel Verschnitt was Trapezbleche und Ständer angeht“, zeigt Grunert auf. Und zudem böte so eine Longier-Halle den Vorteil, dass sie auch von den Voltigierern genutzt werden könnte. Geplant ist nun, die Hallen-Hülle bauen zu lassen und den Rest in Eigenleistung zu versuchen.

Eine weitere Möglichkeit, die Ausgaben zu reduzieren, ist die Idee, die Führanlage nicht in diese Halle zu integrieren, sondern separat draußen – möglicherweise auf der anderen Seite der Lindenallee – als Freiluft-Variante aufzustellen. „Das ist erheblich kostengünstiger.“ Mit 4000 bis 6000 Euro sei da etwa zu rechnen. Bei einer Konstruktion in der Halle sei man bei den dreifachen Kosten. „Von einer Lösung in einem sind wir weg.“ Bei der quadratischen Longier-Halle ohne Führanlage, mit deren Errichtung man etwa im Oktober starten möchte, liege man aktuell bei rund 70.000 Euro. „Das ist auch eine Hausnummer, aber eine andere“, blickt Grunert auf jene 150.000 Euro fürs runde Komplett-Paket.

Zwei weitere Baustellen sind unaufschiebbar. „Die Zäune müssen alle neu“, betont Grunert. Da wird der Verein wohl auf Recyclingpfähle aus Kunststoff setzen, die viel länger haltbar sind. „Den Paddock-Bereich wollen wir befestigen und mehrere Paddocks hineinbauen“, um die Pferde nicht mehrmals am Tag umstellen zu müssen. Damit will der Verein im September beginnen, „und da wird auch eine ganze Menge an Eigenleistung anfallen“. Zuvor, schon ab August, soll die Sanierung der über 40 Jahre alten Toiletten-Anlage angegangen werden.

Fast zweieinhalb Jahre sei über die Maßnahmen diskutiert worden, jetzt soll es auch endlich etwas werden. So ein Projekt fördere mit den Eigenleistungen und gemeinsamen Anstrengungen auch die Gemeinschaft, ist Grunert überzeugt, dem auch bewusst ist, dass man so eine Vereinsanlage – deren Erhalt schon reichlich Geld kostet – auch attraktiv halten muss. Ohne die Landesförderung „Moderne Sportstätte 2022“ wäre es wohl ein Luftschloss geblieben.

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