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Ruhestörungen und Vermüllung

Problemzone Container

Everswinkel

Kling, Boing, Tonk, Rums, Schepper. Nein, das ist keine ultra-moderne Komposition eines experimentellen Komponisten, sondern „Alltagsmusik“ für Guido Burandt und Michaela Keßler. Das Paar lebt an der Overbergstraße und hat jene „Instrumente“ gleich nebenan. Drei Altglascontainer, eine Wertstoffbox für Elektrokleingeräte sowie einen Altkleider-Container. Der Parkplatz an der Overbergstraße ist ein wahrer Sammelpunkt. Allerdings auch für Ruhestörer.

Von Klaus Meyer

Abendlicher Besuch am Container-Standort Overbergstraße. Die Nutzungszeiten sind klar geregelt und auf einem Schild zu lesen. Dennoch, so beklagen sich Anwohner, werde auch munter zu anderen Zeiten laut eingeworfen – teilweise bei laufendem Motor. Foto: Klaus Meyer

Kling, Boing, Tonk, Rums, Schepper. Nein, das ist keine ultra-moderne Komposition eines experimentellen Komponisten, sondern „Alltagsmusik“ für Guido Burandt und Michaela Keßler. Das Paar lebt an der Overbergstraße und hat jene „Instrumente“ gleich nebenan. Drei Altglascontainer, eine Wertstoffbox für Elektrokleingeräte sowie einen Altkleider-Container. Der Parkplatz an der Overbergstraße ist ein wahrer Sammelpunkt. Allerdings auch für Ruhestörer.

„Man hört es gerade am Sonn- und Feiertag, wenn man ausschlafen kann“, berichtet Michaela Keßler von der Lärmbelästigung. Und der eine oder andere „Altware-Lieferant“ lässt dabei noch seinen Wagen laufen. „Feiertags, sonntags, samstags – das interessiert die Leute gar nicht“, ärgert sich Burandt. Der ist schon etliche Male aus dem Haus gegangen, hat die Leute ruhig angesprochen und sachlich über die regulären Einwurfzeiten aufzuklären versucht. „Viele reagieren dann und sagen, ,das habe ich nicht gesehen‘, andere werden auch frech und patzig.“

Dabei gibt‘s klare Spielregeln für die Nutzung der Container, und die sind auf einem Schild auch kaum zu übersehen. Montags bis freitags von 8 bis 13 sowie 15 bis 19 Uhr, samstags von 8 bis 13 Uhr. Und sonst eben nicht. „Bitte nehmen Sie Rücksicht auf Ihre Mitbürger“, ist ebenfalls auf dem Schild zu lesen. Nicht jeder Nutzer der Container hat es jedoch verinnerlicht. „Es geht wirklich darum, dass Leute an Wochenenden schon um 7 Uhr da stehen“, erklärt Burandt, und seine Lebenspartnerin ergänzt, „wir schlafen bei offenem Fenster, da hören wir das natürlich. Das hallt dann immer.“

„Es hat ja auch einen Grund, dass es Regeln gibt“, zeigt Burandt kein Verständnis für die freie Interpretation der Einwurfzeiten durch manche Mitbürger. Dazu werde immer wieder Müll einfach neben den Containern abgelagert. Geschirr, Fahrräder, Matratzen, Waschbecken, Fernseher – es war schon einiges dabei. „Alles, was die Leute nicht zum Wertstoff-Hof fahren wollen, lagern sie hier ab.“ Keßler nickt. „Das ist so ein Müllabladeplatz geworden.“ Ein offenbar bekannter Abladeplatz, denn inzwischen kämen schon gezielt Leute vorbei, die am Container nach Brauchbarem suchten. Bestätigen kann das Müll-Problem Matthias Rohlmann. Der arbeitet für den Bauhof als Ortskern-Reiniger und hält den zentralen Bereich, die Bushaltestellen und eben auch die Container-Standorte sauber. Die illegalen Müll-Ablagerungen hat er selbst schon mehrfach beobachtet und auch mit Fotos dokumentiert.

Ruhestörung und Müll-Abladung – Guido Burandt und Michaela Keßler stellen sich ihr Wohnumfeld etwas anders vor. Für Jens Linnemann, unter anderem Leiter des Ordnungsamtes, ist die Lärm-Problematik neu. Von solchen Belästigungen höre er jetzt erstmalig, erklärt er auf Anfrage der WN. Betroffenen Bürgern rät er, sich zu melden. „Ich werde es aufnehmen und weiterverfolgen.“ Die Gemeinde sei bislang bemüht gewesen, die Container „so nah und zentral wie möglich aufzustellen“. Auch für Ingo Wißmann vom Bauamt, in dessen Zuständigkeit der Bereich Abfallentsorgung fällt, sind bislang keine Beschwerden zum Standort Overbergstraße auf den Tisch gekommen. Gleichwohl gingen immer mal Hinweise über verdreckte Standorte ein. Der Bauhof fahre zwei Mal in der Woche die Container ab und sammle illegal abgelegten Müll ein. Grundsätzlich sei es Konzept und Erfordernis, mit den Container nahe an die Bürger zu rücken. Die Nutzungszeiten seien klar auf Schildern vermerkt. „Man muss ein Schild natürlich lesen und sich auch daran halten.“

Letztendlich bleibt dennoch die Frage, ob derartige Container in solchen Bereichen mit umliegenden Wohnungen sinnvoll aufgestellt sind, oder ob sich nicht an anderen Stellen – beispielsweise auf dem Vitus-Bad-Parkplatz – geeignetere Standorte finden. „Müll-Musik“ ist nämlich nicht jedermanns Sache.

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