1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Everswinkel
  6. >
  7. Fastenpredigt: Schlechte und wertvolle Früchte

  8. >

Mit Theologe Fisch

Fastenpredigt: Schlechte und wertvolle Früchte

Everswinkel

Mit Dr. Andreas Fisch hielt ein beeindruckender Theologe die Fastenpredigt in St. Magnus. Er sprach über Missbrauchsfälle auf der einen Seite und besondere Leuchttürme des Christseins auf der anderen Seite und forderte die Zuhörer auf, selbst gute Früchte hervorzubringen.

Dr. Andreas Fisch (l.) und Pfarrer Pawel Czarnecki tauschten vor dem Bild des Arbeiterpriesters und Jesuitenpaters Christian Herwartz Bücher aus: die Vita des Jesuiten und den Kirchenführer über die frisch renovierte St.-Magnus-Kirche. Foto: Werner Schniedermann

„An ihren Früchten erkennt ihr sie!“ So lautete das Thema der Fastenpredigt am dritten Fastensonntag in der St.-Magnus-Kirche. Zunächst war von schlechten Früchten die Rede. Bedrückende Stille breitete sich aus, als Dr. Andreas Fisch, Theologe und Wirtschaftsethiker von der Kommende Dortmund, dem Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn, sichtlich bewegt über ihm bekannte Missbrauchsfälle sprach.

Ein Trost sei ihm gewesen, dass der Jesuit Klaus Mertes aufgrund glaubwürdiger Berichte die Missbrauchsfälle im Canisius-Kolleg in Berlin ans Licht geholt habe. Zwar habe die Kirche inzwischen in der Prävention enorme Anstrengungen unternommen. Dem stehe jedoch der Umgang mit den Opfern entgegen, der zunächst von Vertuschung, wenig Mitgefühl und bis heute von unzureichenden Entschädigungen und wenig Gerechtigkeit durch die weltliche Gerichtsbarkeit geprägt sei. Dabei sollten doch Wahrhaftigkeit, die Fähigkeit zum Schuldeingeständnis, zu Umkehr und Neuanfang Kernkompetenzen der Kirche sein und nach zwölf Jahren bessere Früchte hervorbringen, machte Fisch deutlich. Im Evangelium Jesu Christi wurde einem solchen Baum noch ein Jahr gegeben, bevor er umgehauen würde.

Kernkompetenz der Katholischen Kirche zerfällt

„Und nebenbei zerfällt noch eine andere Kernkompetenz der Katholischen Kirche: Ihr politischer Einsatz für die Schwachen und Bedrängten in der Gesellschaft ist kaum mehr wahrzunehmen. Verständlich. Wer will sich von einer solchen Kirche ins Gewissen reden lassen?“ Es bestehe die Gefahr, dass die Kirche unfähig werde, ihren Hauptauftrag zu erfüllen, nämlich das Evangelium, die Frohe Botschaft von Jesus Christus zu verkünden. Jesus habe „Zeichen“ getan: Zeichen der Zuwendung für die Unterprivilegierten, der Heilung. „Mit solchen konkreten Zeichen wird Gottes Liebe und seine Gerechtigkeit erst erfahrbar und glaubhaft.“

Als einen besonderen Leuchtturm des Christseins schilderte Fisch den kürzlich verstorbenen Jesuitenpater Christian Herwartz. Zunächst Arbeiterpriester in Toulouse und Paris, gründete er mit anderen Jesuiten in Berlin eine Kommunität, die Obdachlosen und Flüchtlingen offenstand, war Mitinitiator der monatlichen interreligiösen Friedensgebete und der „Exerzitien auf der Straße“. „Obwohl selber argumentativ ein kantiger Typ, versammelte er keine Ja-Sager um sich, wie wir immer wieder von Führungspersonen hören, sondern ließ Widerspruch zu, ließ sich korrigieren.“

Selbst Zeichen setzen

Aber es gebe auch weniger spektakuläre, genauso wertvolle Früchte: „Mehr denn je müssen die Gläubigen das Evangelium verkündigen, selbst solche Zeichen setzen, gute Früchte hervorbringen: Sorgen der Menschen hören, Zeit, Geld und Wohnraum spenden, je nach Möglichkeit.“ Der Theologe ermunterte Konflikte zu riskieren für jene, die an den Rand gedrängt werden, den Menschen den Vorrang zu geben und die dienende Funktion der Wirtschaft einzufordern. Dem Sprecher der Kolping-Initiative „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, Werner Schniedermann, zollte er beispielsweise großen Respekt. Über zehn Jahre habe die Initiative durchgehalten und es gegen erhebliche Widerstände zusammen mit der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) und der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) geschafft, dass die Stärkung der Tarifbindung für Millionen Menschen im Niedriglohnsektor sich im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wiederfinde.

Den Schlussimpuls setzte Pfarrer Pawel Czarnecki. „Die Welt wird nicht friedlicher, wenn wir die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden verlassen, wenn niemand mehr das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter weitererzählt. So können die Christen Früchte hervorbringen, die die Menschen erkennen lassen, dass der Geist Christi Liebe und Versöhnung in die Welt verströmt.“

Startseite
ANZEIGE