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Sicherheit in unsicheren Zeiten

Gemeindewerke garantieren Versorgungssicherheit für ihre Kunden

Everswinkel

Das, was Bernhard Feikus mit schneller Hand auf die Flip-Chart malt, sieht aus wie ein Börsenkurs. Steigende, ja in die Höhe schießende Werte und ein Ende, das nicht absehbar ist. Doch Freude ist bei diesen „Gebirgslinien“ nicht angesagt, denn das sind keine Aktienkurse, die Anleger glücklich machen.

Von Klaus Meyer

GWE-Geschäftsführer Bernhard Feikus Foto: Klaus Meyer

Das, was der Geschäftsführer der Gemeindewerke da nachzeichnet, ist die Preisentwicklung auf dem Strommarkt. Eine echte Explosion der Großhandelspreise, bei der schon etliche Anbieter auf der Strecke geblieben sind. Stromio, Neckermann Strom AG, Lition Energie, Dreischtrom, Fulminant Energie – das sind nur ein paar Namen von 39 Energielieferanten, die in 2021 die Belieferung der Kunden eingestellt haben oder dies ankündigten. Feikus beobachtet die Entwicklung genau. „Auf uns ist Verlass – die Tragweite von dem, was ich jüngst gesagt habe, ist mir im Dezember richtig bewusst geworden.“

Wer seinen Billiganbieter verliert, wird vom Grundversorger aufgefangen. Natürlich zu anderen Konditionen. Die Gemeindewerke Everswinkel sind Grundversorger beim Gas, beim Strom dagegen nicht. Da erfüllt Großanbieter Eon die Aufgabe. Wer jetzt zum Stromanbieter GWE wechseln möchte, hat schlechte Karten. Neukunden werden derzeit nämlich gar nicht angenommen, weil sie die Kalkulation des örtlichen Anbieters gewaltig in Schieflage bringen würden. Die Gemeindewerke bieten seit sechs Jahren Strom an und kaufen vorausschauend mit längerfristigen Kontrakten aus erneuerbaren Energien ein. Liefermenge und Preis sind also kalkuliert. Zusätzlicher Strom müsste dagegen teuer eingekauft werden.

Billiganbieter kaufen kurzfristig am Spotmarkt ein, haben mit ihren Kunden aber längerfristige Verträge. Da tut sich zurzeit eine Riesenlücke zwischen Einkaufs- und Abgabepreis auf. Rund das Siebenfache des Normalpreises ist derzeit am Terminmarkt zu zahlen, so Feikus. „Dieses Risiko kann man mit keiner Kalkulation abdecken, wenn man nicht vorher einkauft.“ Der Werbemarkt für den Anbieter-Wechsel ist gänzlich zum Erliegen gekommen.

Strom ist zu einer begehrten und somit auch deutlich teureren Ware geworden. An den Strombörsen ist der Großhandelspreis steil nach oben gegangen. Foto: Klaus Meyer

Das Vergleichsportal „Check24“ beispielsweise vermeldet für den 31. Dezember einen Preis von 216,85 Euro für eine Megawattstunde an der Strombörse. Genau ein Jahr zuvor waren es 42,67 Euro. Ein Preisanstieg von 408 Prozent. Der höchste Kurs sei am 21. Dezember um 17 Uhr verzeichnet worden: 620 Euro für die Megawattstunde. Viele Bürger würden sich derzeit im GWE-Büro melden und nach Möglichkeiten erkundigen. „Was jetzt im Moment los ist, ist eine besondere Herausforderung“, bilanziert Feikus, der vielschichtige Ursachen für die Preisexplosion sieht. Gestiegener Strombedarf in Folge der weltweiten wirtschaftlichen Erholung, gestiegene Nachfrage (und Preise) für Öl, Gas und Kohle zur Stromerzeugung, CO2 -Abgaben, wegfallender Strom aus französischen Atomkraftwerken aufgrund von Wartungsarbeiten – und dies bei stagnierendem Angebot aus erneuerbaren Energien. „Der Markt ist ein wenig aus den Fugen geraten. Alles, was zur Energieerzeugung gebraucht wird, ist auf einem Rekordhoch.“ Angesichts des im Vergleich zum steigenden Strombedarf bislang nicht adäquat steigenden Anteils regenerativer Energien „wird uns Bürgern noch viel abverlangt an Akzeptanz. Da brauchen wir einen Schub in der Bevölkerung.“

Ihren Bestandskunden bieten die GWE ganz neu ein Förderprogramm für „Balkon-Kraftwerke“ – sprich Stecker-Photovoltaikanlagen – an. 100 Euro Zuschuss winken für eine begrenzte Zeit. Kunden mit einem E-Auto und einer Wallbox zum Aufladen können auf einen neuen Tarif „Online S“ bis maximal 20 000 Jahres-Kilowattstunden zugreifen, der im Tarif einen Cent günstiger ist. Etwas über 100 Wallboxen sind in der Gemeinde bislang installiert. Feikus rechnet mit 800 bis zum Jahr 2030. „Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir Jahr für Jahr mehr Strom verkaufen.“ Die Zahl der Kunden wachse jährlich, beim Gas seien es drei von vier Haushalten in der Gemeinde.

Bei der Sparte Wasser haben die GWE kräftig in die Versorgungssicherheit investiert und zwei automatisch zuschaltbare Notstrom-Aggregate für die Wasserversorgung angeschafft. Eins fürs Wasserwerk Raestrup, eins für den Speicher an der Horststraße. Gesamtkosten rund 200 000 Euro. Kuriosität am Rande: Ausgerechnet als das alte Aggregat abgebaut und das neue noch nicht integriert war, fiel – an einem Samstag im Dezember – der Strom aus wegen eines Fehlers im Schaltkasten. Everswinkel etwa 15 Minuten lang ohne fließendes Wasser. Einmal kurz der Ernstfall zum Kennenlernen, wenn man nicht vorsorgen würde.

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