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Kompostwerk bittet um Mithilfe

Störstoffe im Bio-Getriebe

Everswinkel

Die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf appelliert an die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger in Sachen Biotonne. Denn trotz der höchst effizienten Technik im Kompostwerk des Kreises Warendorf bleibt eines unerlässlich: Der Input muss stimmen. Der stimmt aber oft nicht. Die Störstoffe im Bioabfall sind ein großes Problem, das Aufwand und Kosten verursacht. Dabei wäre die Lösung ganz einfach: nämlich Abfälle gut getrennt zu entsorgen.

Diesen Berg an Störstoffen hat die große Siebtrommel aus den Bioabfällen separiert. Sie müssen kostenintensiv entsorgt werden. Ein vermeidbares Problem, wenn sie gar nicht erst in der Biotonne landen würden. Foto: AWG

Daseinsvorsorge? Was ist das, mag sich mancher Leser fragen. „Daseinsfürsorge bezeichnet die staatliche Aufgabe, Güter und Leistungen bereitzustellen, die für ein menschliches Dasein notwendig sind. Dies umfasst unter anderem Energie- und Wasserversorgung, Verkehrsleistungen, Telekommunikation, Rundfunk, Straßenreinigung sowie Abwasser- und Müllentsorgung.“ So ist es im „Europalexikon“ von Große Hüttmann/Wehling (Bonn 2020) zu lesen. Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind für die Sicherstellung dieser Dienste „zu moderaten Preisen und in regional vergleichbarer Qualität verantwortlich“. In der Bundesrepublik sind die Kommunen im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung dafür verantwortlich, dass etwa Trinkwasser zur Verfügung steht, Strom geliefert wird oder auch der Abfall abgeholt wird. Die kommunale Daseinsvorsorge ist verfassungsrechtlich im Sozialstaatsprinzip gemäß Grundgesetz (Artikel 20, Abs. 1) festgesetzt und wird in den Gemeindeordnungen konkretisiert.

Leistungen das ganze Jahr über, die der Bürger als selbstverständlich betrachtet. Um dieses Thema immer wieder bewusst zu machen, ruft der Verband Kommunaler Unternehmen jährlich zum „Tag der Daseinsvorsorge“ auf – so auch jüngst wieder. „Klimaziele allein sind noch kein effektiver Klimaschutz: Entscheidend ist die Umsetzung in den Kommunen, vor Ort. Unser Appell an die nächste Bundesregierung und die Landesregierungen ist, uns den Weg zu klimaneutralen Kommunen durch weitere belastbare und verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen zu ebnen“, betonten Deutscher Städtetag, Deutscher Städte- und Gemeindebund und der Verband kommunaler Unternehmen in einem gemeinsamen Appell.

Einen Appell hat auch die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf (AWG) anlässlich des „Tags der Daseinsvorsorge“ formuliert an die Adresse der Bürgerinnen und Bürger. Auslöser sind die problematischen „Störstoffe“ im Bioabfall. Trotz höchst effizienter Technik im Kompostwerk des Kreises sei entscheidend, was an Material hereinkomme. „Es ist möglich, aber mit den Jahren immer aufwendiger, die hohen Standards für die Kompostherstellung zu erfüllen, weil immer mehr Störstoffe in der Biotonne landen“, fasst Everswinkels Abfallberater Ingo Wißmann die aktuellen Erfahrungen zusammen. Störstoffen seien nicht nur Plastiktüten und Kunststoffe von Verpackungen, sondern auch Windeln, Glas, Kaffeekapseln, Q-Tipps, aber auch Altkleider, Schuhe oder fälschlich eingebrachter Restabfall. „Bei den regelmäßigen Biotonnen-Aktionen bildet sich das immer wieder ab“, weiß Wißmann.

Informierten am Tag der Daseinsvorsorge über das Problem mit den Störstoffen im Bioabfall: Ute Lepper-Wiebusch (Betriebsleiterin Kompotec), Georg Hellenkamp (Betriebsleiter Kompostwerk Warendorf), Rebecca Deppe (Projektleitung Biotonnen-Aktionen AWG/GEG) und Andreas Meschede (Abteilungsleiter Dienstleistungen AWG/GEG; v.l.). Foto: AWG

Die Info-Offensive hat also ihren guten Grund, „um die Menschen zu sensibilisieren, ihren Abfall wieder besser zu trennen“, erklärt Rebecca Deppe, Projektleiterin bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf und der Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen Kreis Gütersloh (GEG). „Sehr viele Bürgerinnen und Bürger trennen Abfall richtig. Aber einige, die nicht auf Trennung achten, verunreinigen ganze Anlieferungen, die dann nicht in den beiden Kompostwerken verarbeitet werden können“, macht sie die Problematik deutlich. Das zeige sich schon in der Annahmehalle des Kompostwerks. In der Siebtrommel, einem der Schritte, um die Störstoffe herauszufiltern, tauchten viele Dinge auf, die mit „Bio“ gar nichts zu tun hätten. Nur Bioabfälle gehören in die Biotonne.

Wenn die Bürger konsequent mitmachten, „ist das Mosaiksteinchen Bioabfallentsorgung in der Daseinsvorsorge besser zu erfüllen, und der Kreislauf Bioabfall-Kompostierung-Kompost-Nahrungsmittelerzeugung lässt sich weiterhin gut schließen.“

Durch die Teilnahme der AWG an der Kampagne #WIRFUERBIO haben die Kommunen Möglichkeiten, die Abfallberatung zur Biotonne ein Stück auszuweiten, so Abfallberater Wißmann. „Die für die Kampagne entwickelten Plakate können Schulen und Kindergärten über uns kostenfrei als Druckvorlage bekommen. Für verschiedene Zielgruppen gibt es mehrere witzige Motive. Und Aufkleber für die Biotonne zu Hause gibt’s auch gratis.“

Diese Aufkleber für die Biotonne gibt es kostenlos im Rathaus beim Abfallberater. Foto: AWG
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