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115 Schlepper am Sonntag beim vierten Trecker-Treff am Mitmach-Museum

Tuckernde Schönheiten und Raritäten

Everswinkel

Historische Fahrzeuge zogen am Wochenende aufmerksame Blicke auf sich. Am Mitmach-Museum war wieder Trecker-Treff.

Von Marion Bulla

Der Schlepperstammtisch Dolberg war mit sieben Schleppern angereist Foto: Marion Bulla

Ob Hanomag, Deutz, Schlüter oder Lanz – am Sonntag tummelten sich auf der Wiese des Mitmach-Museums ganz unterschiedliche Traktoren oder Schlepper, wie der Fachmann sagt. Insgesamt 115 historische Fahrzeuge wurden an zwei Tagen präsentiert. Viele Fans waren gekommen, um sich all die alten Schätzchen anzuschauen.

Etwa bei Heiner Nigges, der mit dem Dolberger Schlepperstammtisch gekommen war. Eine Stunde und 40 Minuten waren er und seine sieben Mitstreiter unterwegs, um in Everswinkel Station zu machen. Nigges selbst besitzt vier Schlepper. Diesmal war er mit dem Dieselschlepper Fahr D 90 aus dem Jahr 1953 gekommen. Mit zwölf Pferdestärken und dazu noch einem Übernachtungswagen angehängt, tuckerte der Dolberger sehr langsam im Tross nach Everswinkel. „Wir kommen immer sehr gern hierher“, bemerkte Nigges, bevor schon der nächste Besucher ihn über die Technik seines Schmuckstück befragte.

Selbstfahrende Bandsäge

Auch bei Heinz Wonnemann hatte sich eine Menschentraube gebildet. Der Ostenfelder nennt eine ganz besondere Rarität sein Eigen. Er besitzt eine selbstfahrende Bandsäge vom Baujahr 1950. „Die ist ganz selten und gibt es im ganzen Umkreis nicht noch einmal“, erzählte Wonnemann. Das Fahrzeug mit Verdampfermotor und 16 PS ist auf einem alten Opel Blitz Fahrgestell aufgebaut. „Wahrscheinlich ist man damals damit von Hof zu Hof gefahren, um Brennholz zu schneiden“, mutmaßte Heinz Wonnemann.

Paul Rampelmann ist ein wahrer Tüftler. Der gelernte Landmaschinenmechanikermeister hat zehn Jahre lang einen fünf PS starken Motor aus dem Jahr 1895 nachgebaut. Der Nachfolger der Dampfmaschine wurde damals in vielen Bereichen eingesetzt. Sei es in der Landwirtschaft, dem Handwerk oder der Industrie. Als Brennstoff wurde Kohle vergast, das so genannte Leuchtgas. „Das kann man mit heute überhaupt nicht vergleichen“, erklärte der Bee­lener. Der Nachbau sei eine Herausforderung gewesen, müsse er zugeben, allein die Kurbelwelle aus einem Stück und den Tauchkolben wegen der temperaturbedingten Ausdehnungen aus Alu zu fertigen. „Ich habe einfach Spaß daran und bin schon bei meinem zweiten Projekt, dem ersten Versuchsmotor von Henry Ford aus dem Jahr 1893“, strahlte der 81-Jährige.

Gleich am Anfang der Wiese stand das Fahrzeug von Mitorganisator Werner Schlapmann. Sein knallorangefarbenden Carraro- Allrad-Schlepper fiel sofort ins Auge. Er ist 45 Jahre und verfügt über 45 PS. Zwei Jahre hat der Everswinkeler für die Restaurierung benötigt. Das älteste Modell war übrigens ein 11er-Deutz aus dem Jahr 1949.

Geschicklichkeitsparcours und Corso

Besonders interessant waren auch die Ausführungen von Dr. Hermann von Grebe zu den einzelnen Fahrzeugen. Die Traktoren fuhren dazu vor, und der Fachmann erklärte die jeweiligen Besonderheiten. So erfuhren die Besucher allerlei Details über die Typen, Bauarten und so manch eine humorige Anekdote. Beim Geschicklichkeitsparcours mussten die Fahrer beweisen, wie gut sie ihren Schlepper kennen, und am Samstag gab es einen Corso mit 80 Treckern, der durch die Gemeinde knatterte. „Das war sehr schön. Viele haben uns vom Straßenrand aus zugejubelt“, freute der Heimatvereinsvorsitzende Josef Beuck sich.

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