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Drehleiter für die Freiwillige Feuerwehr

Viertes Exemplar wird Neufahrzeug

Everswinkel

Die Drehleiter der Feuerwehr Everswinkel hat 30 Jahre auf der Zeituhr und ist laut Brandschutzbedarfsplan zu ersetzen. An dem Fahrzeug hat der Zahn der Zeit genagt, und die Mängel können sich langfristig auch auf die Einsatzbereitschaft auswirken. Neben den allgemeinen taktischen Vorteilen, die ein solches Einsatzfahrzeug bietet, ist die Gemeinde zur Sicherstellung eines zweiten Rettungsweges bei bestimmten Gebäuden zur Vorhaltung einer Drehleiter verpflichtet. Die Anschaffung wird nicht billig.

Von Klaus Meyer

Ein seltenes Bild aus dem Jahr 2008: Die erste Drehleiter der Gemeinde (Baujahr 1964), der Nachfolger Foto: WN-Archiv

Es war ein Foto mit reichlich Feuerwehr-Geschichte. Drei ausgefahrene Leitern an der St. Magnus-Kirche und am Rathaus, drei Generationen Drehleiter-Wagen auf einem Bild. 2008 war das. Damals wurde die 35 Jahre alte Drehleiter DLK-23-12 ausgemustert und an einen Zwischenhändler verkauft. Flankiert wurde sie für das Foto vom Oldie DL 18 aus dem Jahr 1964 (erste Drehleiter der Gemeinde 1973 und heute im Privatbesitz) und vom neu erworbenen Gebraucht-Fahrzeug DLK 23/12 mit dem Baujahr 1992. Mittlerweile ist diese Drehleiter auch schon 30 Jahre im Dienst der Everswinkeler Feuerwehr, und ein weiterer Abschied drängt sich auf.

„Das aktuelle Fahrzeug weist altersbedingte Mängel auf, die sich langfristig auch auf die Einsatzbereitschaft auswirken werden“, erinnerte Martin Welzel, Abteilungsleiter für den Bereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Gemeindeverwaltung, im Hauptausschuss an die Dringlichkeit eines Austausches. „Dass die Drehleiter in diesem Jahr zur Ausschreibung kommen soll, ist ja klar.“ Weniger klar war der Kostenansatz dafür. Wie so viele Produkte sind nämlich auch Feuerwehr-Fahrzeuge teurer geworden. Im Haushalt waren für die Anschaffung 800.000 Euro eingestellt worden, denn erstmals in der Geschichte soll ein Neufahrzeug angeschafft werden. Die Erfahrung habe gezeigt, dass man bei gebrauchten Fahrzeugen zu viel reinstecken müsse, „da zahlt man drauf“, erklärt Werner Kortenjann, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Everswinkel. So seien nach etwa zehn Jahren komplett neue Schläuche fällig. Hinzu komme derzeit die Tatsache, dass kaum gebrauchte Drehleitern auf dem Markt zu finden seien, da die Kommunen ihre vorhandenen Drehleitern länger behalten.

Der bislang kalkulierte Betrag reicht aber nicht. Eine Beobachtung des Marktes habe ergeben: „Bei der Beschaffung ist mit 900.000 Euro zu rechnen.“ Die Summe setzt sich aus den reinen Fahrzeugkosten sowie Ausgaben für Gutachter, Baugespräche, Abnahme und Zulassung zusammen. Da die Gemeindeverwaltung aus dem Drehleiter-Topf bereits 154.000 Euro entnommen hatte für die Deckung von Mehrkosten bei der Beschaffung eines Hilfeleistungsfahrzeugs und den Umbau eines Rüstwagens, wurde der Ausschuss jetzt über summa summarum 254.000 Euro an überplanmäßigen Mitteln informiert. Ein Betrag, der unterhalb der 50-Prozent-Grenze des ursprünglichen Kostenansatzes liegt und damit laut Zuständigkeitsregelung der Gemeinde nicht als „erheblich“ zu werten und somit nicht vom Gemeinderat abzusegnen ist.

Warum „gönnt“ sich die Gemeinde so eine Investition? „Wir brauchen eine Drehleiter nicht nur aus taktischen Gründen, sondern auch aus rechtlichen Gründen“, betonte Welzel. Eine Drehleiter ermöglicht Löscharbeiten und Personenrettung in großer Höhe – nämlich bis zu 23 Meter hoch. Diese Höhe orientiert sich am Baurecht (Musterbauordnung MBO), das die Rettung über eine Drehleiter bis zu einer „Fußbodenhöhe“ von 22 Metern als zweiten Rettungsweg festsetzt. Noch höhere Gebäude gelten als Hochhäuser und gehören zu den Sonderbauten, die baulich über zwei Rettungswege verfügen müssen. Bis die neue Drehleiter dann wirklich im Vitus-Dorf zum Einsatz kommen kann, wird noch einige Zeit vergehen. Wunsch der Feuerwehr ist das kommende Jahr, es könne sich aber auch wenn es schlecht läuft, zwei bis drei Jahre hinziehen, so Kortenjann. Das Problem sei, dass es derzeit kaum verfügbare Fahrgestelle für die dann zu fertigenden Aufbauten gebe. Für die bisherige 30 Jahre alte Drehleiter wird dann ein Wertgutachten durch die DEKRA erstellt, um sie zu verkaufen.

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