Corona-Tests in Unternehmen am Beispiel des Deutschen Milchkontors

Von Anfang an auf Nummer sicher

Everswinkel

Der Arbeitsplatz als Ansteckungsherd fürs Corona-Virus? Eine beunruhigende Vorstellung, die in den vergangenen Monaten durch einige schlagzeilenträchtige Ausbrüche in bekannten Unternehmen befeuert wurde. Die Bundesregierung hat dem Rechnung getragen und Arbeitgebern im Rahmen der Corona-Arbeitsschutzverordnung die Pflicht auferlegt, den Beschäftigten mindestens einmal wöchentlich einen Corona-Test anzubieten. Für das Deutsche Milchkontor bedeutet das, Tausende von Selbsttests wöchentlich zu verteilen. Das Unternehmen verzeichnet in der Pandemie-Zeit überdies eine stark gestiegene Nachfrage des Lebensmittel-Einzelhandels.

Klaus Meyer

Bei einem großen Unternehmen wie dem Deutschen Milchkontor sind jetzt wöchentlich Tausende von Schnelltests nötig. Foto: Klaus Meyer

„So können wir Infektionsketten verhindern, Gesundheit schützen und letztlich Betriebsschließungen vermeiden“, begründete Bundesarbeitsminister Hubertus Heil den Schritt zur Testpflicht am Arbeitsplatz. Für ein großes Unternehmen wie das Deutsche Milchkontor ist das eine echte Aufgabe.

Immerhin 7500 Mitarbeiter sind es an den mehr als 20 Unternehmens-Standorten. In Everswinkel sind es immerhin noch 350, von denen rund ein Drittel in der Verwaltung beschäftigt ist und nach Möglichkeit im Home-Office arbeitet. Um die Beschaffung der Schnelltests kümmert sich die Unternehmenszentrale, Führungskräfte und Fachpersonal übernehmen die Verteilung an den Standorten. „Die freiwillige Selbsttestung wird je Standort unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten vor Ort organisiert. Jeder Standort stellt dafür unter Einhaltung der Hygieneregeln Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen die Tests durchgeführt werden können. Die Selbsttestung kann aber auch an einem anderen Ort, etwa zu Hause durchgeführt werden“, erläutert Oliver Bartelt als Global Head of Corporate Communications des DMK gegenüber den WN. Die Testung auf einen festen Tag zu legen, mache aufgrund der Schichtpläne keinen Sinn, so dass die Mitarbeiter selbst darüber entscheiden. „Wir sehen, dass die Tests von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr gut angenommen und gewissenhaft durchgeführt werden.“

Oliver Bartelt, Global Head of Corporate Communications

Für den Fall der Fälle, dass ein Corona-Schnelltest „anschlägt“, ist man vorbereitet. Der Mitarbeiter muss sowohl seinen Vorgesetzten wie auch das Gesundheitsamt informieren und wird – bei Bezahlung – bis zum Ergebnis des PCR-Testes freigestellt. Fällt auch dieser Test positiv aus, geht’s in die behördlich angeordnete Quarantäne – ansonsten zurück an den Arbeitsplatz. Zudem werden mittels Checkliste die Kontaktpersonen des positiv getesteten Mitarbeiters ermittelt, die dann ihrerseits einen Schnelltest durchführen oder durchführen lassen. Von Corona-Ausbrüchen blieb das Unternehmen bislang verschont. „Wir haben es bis hierher geschafft, durch unsere bereits im letzten Jahr sehr früh betriebenen umfangreichen Vorkehrungen, trotz teilweise hoher Inzidenz-Werte bei uns nur vereinzelte Positiv-Fälle zu registrieren. Das ist auch dem verständnisvollen und umsichtigen Handeln unserer Belegschaft zu danken, hier haben alle an einem Strang gezogen“, sagt Bartelt nicht ohne Stolz.

Als seinerzeit die Corona-Ausbrüche bei Tönnies, Wiesenhof und dem Eishersteller Froneri zu der Erkenntnis führten, dass sich das Corona-Virus in kühler Umgebung gut ausbreiten kann, hat man beim DMK sofort reagiert. Interne und externe Fachleute haben zusammen mit Arbeitsschutzbehörde und Berufsgenossenschaft die Klima- und Filtertechnik der DMK-Standorte unter die Lupe genommen. „Hier gab es keine Mängel. An wenigen Stellen haben wir aber vorsorglich nachjustiert und zum Beispiel HEPA-Luftreiniger eingesetzt.“ Zudem seien an allen Standorten „regelmäßige und engmaschige Messungen“ durchgeführt worden, „ob die CO2-Werte in den Räumen den vorgeschriebenen Grenzwert von 1000 ppm unterschreiten“.

Oliver Bartelt

Neben dem Schutz der Mitarbeiter galt der Blick auch der Sicherung der Lieferketten, um weiter produzieren und liefern zu können. „Wir haben zusätzliche Lagerkapazitäten für Fertigware, Verpackung und Leergut geschaffen und durch die Schließung der Grenzen und den verlangsamten Warenverkehr unsere Lieferketten täglich im Blick behalten und wo nötig nachjustiert“, zeigt Bartelt auf. Zwar seien die Beschaffung etwa von Zutaten oder Verpackungsmaterialien zeitweilig eine Herausforderung gewesen, aber dennoch habe das DMK seine Lieferungen bei bestimmten Produkten in kürzester Zeit gar um bis zu 30 Prozent gesteigert. „Unsere Kunden wissen das zu schätzen und haben uns als äußerst zuverlässigen Lieferanten erlebt.“

Wirtschaftlich gesehen habe die Pandemie gerade regional sehr unterschiedliche Auswirkungen auf den Milchmarkt gehabt, und die Molkereigenossenschaften seien vor dem Hintergrund ihrer Produkt-Sortimente unterschiedlich betroffen. Während das Gastronomie-Geschäft „in großen Teilen komplett zum Erliegen kam“, hätten sich die Aufträge des Lebensmittel-Einzelhandels teilweise verdoppelt gegenüber einer „normalen“ Woche. Insbesondere H-Milch und -Sahne, Butter und Käse waren die Renner, aber auch in den anderen Segmenten sei bis zur dreifachen Wochenmenge bestellt worden. „Liefermengen an den Lebensmittel-Einzelhandel lagen teilweise bei einem Plus von 40 Prozent gegenüber dem Durchschnitt“, rechnet Bartelt vor. „Das ist, was die Mengenplanung betrifft, so, als ob Ostern, Weihnachten und Silvester auf einen Tag fallen.“

Bartelt spricht von einem „dynamischen Prozess“, bei dem das Deutsche Milchkontor „auf Sicht fährt, um die Rohmilch in die jeweils bestmöglichen Kanäle zu lenken“. Die Ergebnisse in dem von der Pandemie geprägten Jahr seien stabil, und bei der Auszahlungsleistung für die Genossen habe das DMK im Gegensatz zum negativen Markttrend und zur branchenweiten Entwicklung in 2020 den Auszahlungspreis sogar leicht steigern können.

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