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Aktionstag am Mitmach-Museum

„Spinnen und Weben“: Von der Faser bis zum fertigen Tuch

Everswinkel

Im Mitmach-Museum wurde Erntedank gefeiert. Aber nicht nur das. Daran schloss sich der erste und einzige Aktionstag dieses Jahres an. Im Mittelpunkt stand das Thema „Spinnen und Weben“ auf den alten historischen Geräten. Die Frauen der vor zwei Jahren gegründeten Everswinkeler Webergruppe demonstrierten den Besuchern ihre Künste.

Von Marion Bulla

Christa Neumann hat vor über 40 Jahren ein Spinnrad von den Nonnen des Klosters Vinnenberg geschenkt bekommen. Da wollte sie das Handwerk natürlich auch erlernen. Beim Aktionstag des Mitmach-Museums demonstrierte sie es. Foto: Marion Bulla

Bevor sich die Tore des Mitmach-Museum öffnen, wird zunächst eine Erntedank-Messe in der Schützen-Scheune des BSHV zelebriert. Den musikalischen Rahmen bildet dabei das Blasorchester Everswinkel. Die Landfrauen zeichnen für die Schmückung des Altarraumes verantwortlich. Der Landwirtschaftliche Ortsverein hat die Organisation übernommen. In der Messe wird deutlich, dass das „Danken“ oft zu kurz kommt, es aber mehr als nur eine Floskel ist. Auch in der Überflussgesellschaft ist „Dankbarkeit“ zeitgemäß. So wird neben dem Dank für die jährliche Ernte unter anderem allen gedankt, die ihren Mitmenschen helfen – sei es in der Corona-Pandemie oder während und nach der Flutkatastrophe

Nach dem Gottesdienst startet der Aktionstag im Mitmach-Museum. Es ist der einzige in diesem zweiten Corona-Jahr. Draußen stehen ein Getränke- und ein Imbisswagen, drinnen sind historische Gerätschaften und kundige Menschen zu finden. Letztere erklären den Besuchern und Besucherinnen ein altes Handwerk. Nämlich das des Spinnens und Webens. In der ersten Etage ziehen die mächtigen alten Webstühle die Blicke auf sich, an denen fleißig Leinen hergestellt wird.

Für Maria Hamann ist das Weben am Webstuhl eine Leidenschaft. Besuchern erklärte sie die Technik des Webens. Foto: Marion Bulla

Im vorderen Bereich spinnt Christa Neumann. Im wahrsten Sinne. Die Warendorferin demonstriert den interessierten Gästen die Verarbeitung von Flachs zum Garn. Sie zieht Fasern aus dem sogenannten Wocken, dem Flachsstab, und verdreht diese fortlaufend miteinander zu einem Faden. „Ich hatte früher am Kloster Vinnenberg ein Geschäft. 1976 haben die Nonnen mir ein Spinnrad geschenkt. Da wollte ich das Handwerk natürlich auch lernen, aber die Landfrauen im Ort, die das alle noch konnten, haben sich sehr gewehrt. Die fanden das blöd. So habe ich es in einem Kursus gelernt“, erklärt die Hobby-Spinnerin.

Maria Hamanns Leidenschaft ist das Weben am Webstuhl. Als der Heimatvereinsvorsitzende Josef Beuck vor drei Jahren die zwei restaurierten und voll funktionsfähigen Webstühle, die seither im oberen Bereich des Museums stehen, aus Bielefeld geholt hatte, sollte es auch Menschen geben, die das Handwerk beherrschen. Fünf Frauen haben sich damals gefunden und einen entsprechenden Kursus in Mönchengladbach besucht. Die Frauen sitzen nun regelmäßig zusammen und weben Handtücher, Geschirrtücher oder kleine Täschchen. Die gehen später in den Verkauf, und aus dem Erlös werden dann wieder Garne gekauft. „Die sind sehr speziell und teuer“, macht Hamann deutlich.

Besucherin Sigrid Tarner ist fasziniert von den vielen Fäden und vom Geschick, mit dem die Weberin das Schiffchen durch die Kettfäden führt. Die Füchtorferin hat zu Hause eine einfache Handspindel, mit der sie Fäden spinnt. „Das habe ich mir mit Hilfe eines Fachbuchs selbst beigebracht“, erzählt sie. Jetzt möchte sie mehr übers Weben wissen. Maria Hamann erklärt ihr, dass es beim Weben vor allem um Geduld geht. „Das lernt man schnell“, bemerkt die Expertin lächelnd. Für ein Tuch mit einer Breite von 43 Zentimetern benötigt sie 430 Fäden. Wenn sie ganz konzentriert arbeiten kann, dann braucht es zwei Stunden, um 30 Zentimeter Tuch zu weben. „Das hat was Meditatives“, schmunzelt die Everswinkelerin.

Die jungen Besucher waren eingeladen, sich einmal selbst an einem Webrahmen zu versuchen - so wie die siebenjährige Pina. Foto: Marion Bulla

Auch die Kleinen üben sich am Weben. So wie Pina. Die Siebenjährige fädelt an einem speziellen Rahmen, wo Fäden gespannt sind weiße und blaue Wollfäden ein und kämmt sie anschließend mit einem orangenen Kamm zusammen. „Das macht Spaß“, freut sich das Mädchen. Neben ihr sitzt Amelie. Die Neunjährige hat noch leichte Schwierigkeiten. „Das verheddert sich immer.“ Ist also gar nicht so einfach, wie es aussieht. An ihrer Seite sitzt zur Unterstützung Karin Möllmann, die vor einem halben Jahr mit dem Weben angefangen hat.

Hedwig Sievert und Manuela Kalitowitsch gehören ebenso zur Webergruppe. Sie sitzen am Sonntag im Eingangsbereich und verkaufen die gewebten Einzelstücke an die Gäste. Ebenso gibt es an ihrem kleinen Stand selbst gewickelte Herbstkränze. „Die passen zum Erntedank“, bemerkt das Duo treffend.

Hedwig Sievert und Manuela Kalitowitsch zählen ebenso zu der Weberinnen-Gruppe im Museum. Am Sonntag boten sie Produkte an, die auf den alten Webstühlen gefertigt wurden. Foto: Marion Bulla
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