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Orgelkonzert in der St. Agatha-Kirche

Konzert mit Wiener Dom-Organist Konstantin Reymaier

Alverskirchen

St. Stephan trifft St. Agatha, so die Überschrift des Plakates zum Orgelkonzert am Samstagabend in der St. Agatha-Kirche. Das außerordentliche Zusammentreffen stellte sich in einer Begegnung des international renommierten Dom-Organisten Konstantin Reymaier aus Wien in einem gutbesuchten Konzert in der Dorfkirche Alverskirchens dar, das gewiss lange in bester Erinnerung bleiben wird.

Ein ganz anderes Instrument als im Wiener Stephansdom: Dom-Organist Konstantin Reymaier gastierte zum Schatzkammer-Jubiläum Foto: Michael Schulte

„Oh Mein Gott!“ So lautete das Motto für die Aktionen des Schatzkammer-Vereins im zehnten Jahr des Bestehens zur Eröffnung derselben in der Nordturmkapelle der St. Agatha-Kirche 2012. „Oh Mein Gott“, mag man ausrufen, wenn der Weltklasse-Musiker Konstantin Reymaier mit internationaler Konzerterfahrung auf der kleinen Pohlmann-Orgel im beschaulichen Alverskirchen ein Konzert gibt. „Oh Mein Gott!“ So kann man am Schluss des Konzertes nur sagen: „Welch ein Genuss!“

Während Reymaier in St. Stephan vier Orgeln bespielen kann – unter anderem die von ihm mit konzipierte, 2020 geweihte Riesen-Orgel von Rieger – muss er sich in der kleinen Dorfkirche mit der bescheidenen Pohlmann-Orgel von 1836 begnügen. In Wien stehen dem profilierten Musiker auf seinem Rieseninstrument fünf Manuale und ein Pedal mit 130 Registern und 8588 Pfeifen zur Verfügung. Die Pohlmann-Orgel bietet lediglich ein Manual und ein verkürztes Pedal mit zehn Registern und 672 Pfeifen. Lachend kommentierte Reymaier dazu: „Also, ich habe nicht gesagt: Oh mein Gott! Ich finde, es ist eine charmante Kirche, ein nettes, kleines Instrument. Ich mag sowas. Größe und Qualität sind zwei völlig verschiedene Kategorien. Nur weil es groß ist, muss es nicht gut sein. Und wenn es gut ist, muss es nicht groß sein.“

Durch farbige Illumination des Chorraumes und der Kirchenwände hatte Andreas Kemper, verantwortlich für die technische Gestaltung und Ausleuchtung, den Kirchenraum in eine festliche Atmosphäre gehüllt. Mit den verspielten Läufen und leisen Akkorden des anfänglichen „Larghetto“-Satzes aus dem Concerto F-Dur von Georg Friedrich Händel, HWV 295 zog Reymaier das Publikum im Nu in seinen Bann. Auch in den darauffolgenden beiden Sätzen wählte er eher die sanften Register. Doch im letzten Satz, Allegro, ließ er es krachen. Ganz genau durchdacht! So vermag nur ein ganz großer Künstler die Möglichkeiten und Grenzen der kleinen Dorforgel zu durchdringen, stets den barocken Charakter des Werks zu achten, und niemals zu überreizen.

Konzertbesucher

Währenddessen betrachtete das Publikum einfühlsame Videoclips von Franz-Josef Kröger auf einer Leinwand. In kurzen, prägnanten Informationen skizzierten sie mal die Geschichte des Geburtstagskindes „Schatzkammer“, stellten die heilige Agatha als Schutzpatronin der Kirche in den Fokus, oder zeigten Reymaier in Großaufnahme musizierend.

Joseph Haydns Sonate g-moll, Hob XVI:44 war das zweite musikalische Stück des Abends. Tänzerisch, beschwingt und mit den leisen Registern präsentierte der Wiener Dom-Organist das frühklassische Werk.

Kontrastreich und kräftig im Sound hingegen in Händels Concerto Nr. 14,A-Dur, HWV 296. Hier strahlten die hellen Register mit ihren eindringlichen Klängen und erfüllten den kleinen Kirchenraum. Wieder konnte man in der Projektion beobachten, wie Reymaier fast liebevoll über die Tasten glitt und eine Korrespondenz zwischen den hellen Tönen im Diskant und den dunklen Basstönen auf dem Instrument herstellte.

Joseph Haydns Sonate F-Dur Hob XVI:23 bildete den krönenden Abschluss: Beschwingt und tänzerisch, sich langsam jedoch stetig bis zum Finale – Presto steigernd! Hierbei kam auch das strahlende Trompetenregister der Orgel zum Einsatz: Atemberaubend – wie auch die Präsentation, in der die Metropole Wien mit dem majestätischen Stephansdom und das Kleinod Alverskirchen mit der bescheidenen St. Agatha-Kirche miteinander verschmolzen. Die Himmelsleiter am Turm der St. Lamberti-Kirche in Münster wies schließlich die Richtung zum Ziel - himmelwärts. Oh Mein Gott - Was für ein Erlebnis!

Zur Person: Konstantin Reymaier

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