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Verbundlösung für Everswinkel, Telgte und Warendorf

Wasserversorgung dreifach gesichert

Everswinkel/Telgte/Warendorf

In Ausfall- und Krisenzeiten auf der sicheren Seite sein, den steigenden Trinkwasserbedarf in Folge von neuen Siedlungen und eines steigenden Pro-Kopf-Verbrauchs absichern und die Kapazitäten der Wasserwerke in der Region gemeinsam nutzen: Das ist die Motivation für eine gemeinsame Trinkwasser-Lösung der Gemeindewerke Everswinkel, der Stadtwerke Ostmünsterland und der Stadtwerke Warendorf. Eine Verbundleitung „Nordschiene“ wird die drei Netze verknüpfen. Schon im nächsten Jahr kann das Wasser in alle Richtungen fließen.

Von Klaus Meyerund

Vorstellung des Projekts im Everswinkeler Wasserwerk Raestrup mit Bernhard Feikus (Geschäftsführer Gemeindewerke Everswinkel), Rolf Berlemann (Geschäftsführer Stadtwerke Ostmünsterland) und Urs Reitis (Geschäftsführer Stadtwerke Warendorf; v.l.). Foto: Klaus Meyer

Wasser ist im wahrsten Sinne des Wortes das wichtigste „Lebens-Mittel“. Ohne Wasser ist keine menschliche Existenz möglich. Der „blaue Planet“ ist zwar zu rund 70 Prozent von Wasser bedeckt, aber davon entfallen lediglich drei Prozent auf trinkbares Süßwasser. Und wiederum nur ein Drittel davon ist für die menschliche Nutzung erreichbar. Nach dem jüngsten UN-Bericht wird Trinkwasser weltweit immer knapper. 2,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) warnte jüngst davor, „die Katastrophe der Wasserknappheit“ aus den Augen zu verlieren. Das passiert den Gemeindewerken Everswinkel, den Stadtwerken Ostmünsterland und den Stadtwerken Warendorf jedenfalls nicht. Sie ziehen gemeinsam an einem Strang, um die Wasserversorgung sicherzustellen.

Über eine gemeinsame Verbundleitung werden Everswinkel, Telgte und Warendorf künftig verknüpft sein. „Das ist der Clou der ganzen Sache“, sagt GWE-Geschäftsführer Bernhard Feikus. „Wir sind ein Verbund von drei wassergewinnenden Unternehmen, und das Wasserwerk Raestrup ist das Drehkreuz.“ Wenn etwas ausfalle, „haben wir mehr Möglichkeiten, als wenn jeder selbst etwas organisieren müsste“. Die Unterstützung in Ausfall- oder Krisenzeiten ist die eine Sache, die Absicherung des auch in dieser Region steigenden Trinkwasserbedarfs durch neue Siedlungen und steigenden Pro-Kopf-Verbrauch die andere. In Everswinkel stieg der beispielsweise im Zeitraum von 2015 bis 2020 um neun Prozent auf nunmehr 140 Liter täglich.

Bernhard Feikus, GWE

Die Verbundleitung verknüpft das GWE-Wasserwerk – für das es ein Förderrecht von bis zu 950 000 Kubikmeter pro Jahr gibt, welches bislang aber nicht voll ausgeschöpft wird – mit dem Telgter Netz nahe des Betriebs Kraege und mit dem Warendorfer Netz am Wasserspeicher Müssingen. Auf Telgter Seite, so macht Rolf Berlemann, Geschäftsführer der Stadtwerke Ostmünsterland, deutlich, ist die sieben Kilometer lange Leitungstrasse schon im vergangenen Jahr mit einem Investitionsvolumen von einer Million Euro verwirklicht worden, gefördert durchs Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. „Wir haben relativ viele Freileitungen und Anschlüsse in die Erde gelegt.“ Als Dienstleister sorge man nun auch für den Bau der eineinhalb Kilometer lange Trasse nach Müssingen. Die Nutzung der Kapazitäten der Region schließt auch noch den Übergabepunkt Wasserwerk Vohren ein, das durch die Wasserversorgung Beckum GmbH betrieben wird.

„Der Vorteil ist, dass wir die Wasserrechte voll ausschöpfen und in alle Richtungen liefern können“, zeigt sich Warendorfs Stadtwerke-Geschäftsführer Urs Reitis angetan. „Es dient der Verbesserung der Versorgungssicherheit“, ergänzt Feikus. Wenn es mal einen Ausfall gebe, „haben wir zwei Richtungen, aus denen Wasser kommen kann“. Ziel sei es, die Wasserversorgung auch in Krisenzeiten besser im Griff zu haben. „Wir sehen das auch als gesellschaftliche Verantwortung.“

Mit dem gemeinsamen Vorgehen in Sachen Zukunftssicherung Wasserversorgung verabschiedet man sich auch in dieser Hinsicht vom Kirchturmdenken. „Die Kirchtürme sind hier heruntergezogen worden“, schmunzelt Berlemann. „Wir sind jetzt noch besser aufgestellt. Das ist für uns ein Quantensprung. Wir haben alle drei ähnliche Trinkwasserqualitäten – das passt.“ Auch für Reitis ist es unbestritten: „Wir produzieren hier Trinkwasser, das ein sehr hochwertiges Produkt ist.“ Ein Produkt, das eigentlich viel zu schade sei, um im Sommer im Garten vergossen zu werden.

Im Weltwasserbericht 2021 der Vereinten Nationen heißt es zum Schluss: „Wasser hat Wert – dies steht eindeutig fest, auch wenn es nicht überall anerkannt wird. Da das Leben ersatzlos auf Wasser angewiesen ist, kann man den Wert des Wassers sogar als unendlich bezeichnen. (...) Es ist daher unfassbar, dass Wasser hier auf der Erde nur allzu oft als selbstverständlich angesehen und daher privatisiert, verschmutzt und verschwendet wird. Die Risiken der zu geringen Bewertung von Wasser sind viel zu groß, um sie zu ignorieren.“

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