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Veranstalter Frank Strohbücher über den Lockdown

Wertschätzung wiederentdeckt

Everswinkel

Abgesagte Konzerte, Großveranstaltungen und Hochzeiten machen die Eventbranche wohl zu den größten Verlierern bei der Corona-Pandemie. Öffnungsperspektiven existieren derzeit nicht – verständlich, findet Eventgastronom Frank Strohbücker.

Rebecca Lek

Derzeit ist alles im Lager untergebracht und wartet auf den nächsten Einsatz. Frank Strohbücker möchte endlich wieder Events ausrichten und setzt seine Hoffnung auf den Sommer. Foto: Rebecca Lek

„Wir mussten als Erste schließen und werden als Letzte wieder aufmachen. Auf Basis des Infektionsgeschehens ist das nachvollziehbar“. Gleichzeitig zeigt sich der 48-jährige froh, mit den „Trinkgut“-Märkten und dem Edeka-Markt ein zweites Standbein zu haben, das die Verluste im Eventbereich etwas ausgleicht.

„Trotzdem ist das kein Vergleich zu den Umsätzen im Eventbereich“, betont Strohbücker.

Auch die Mitarbeiter leiden

Nicht nur der Unternehmer hat ein Loch in der Kasse, auch die Mitarbeiter leiden unter den fehlenden Aufträgen. Alle 300 Aushilfen können nicht eingesetzt werden, die 45 Festangestellten befinden sich in Kurzarbeit. Die eigenen Handwerker nutzten die Zeit, das Equipment auf den neusten Stand zu bringen und ältere Ideen umzusetzen. „Uns fehlte vorher einfach die Zeit. Wir möchten Equipments anbieten können, die es nicht überall gibt“, erklärt Strohbücker. Hierzu gehört insbesondere der Bereich des „Live Cooking“, den er weiter forcieren möchte.Beispielsweise hat er jetzt die Möglichkeit, Fleischspezialitäten anzubieten, die vor Ort gegrillt, zubereitet und geschnitten werden. Das Equipment für die Events hat Strohbücker teilweise erneuert und ausgetauscht, rund 1000 Stühle angeschafft, hochwertige Tische, VIP-Theken und Deko gebaut, VIP-Toilettenwagen wurden angeschafft, die Webseite komplett überarbeitet und vieles mehr.

Hauptsaison fehlt im zweiten Jahr

Wann sie zum Einsatz kommen können, ist unklar. Sein umsatzstärkstes Geschäft sieht er in diesem Jahr nicht. „Normalerweise betreuen wir 55 Schützenvereine und richten deren Schützenfeste aus. Fast alle gehen für 2021 davon aus, dass nichts realisiert werden kann“, bedauert Strohbücker. Damit fehlt die Hauptsaison im zweiten Jahr. Dass Kollegen hier keine Perspektiven sehen, kann er verstehen. „Vor wenigen Jahren haben wir einen Neubau angestoßen. Wäre die Pandemie da aufgetreten, hätte wir sicherlich große Probleme bekommen.“In der Öffentlichkeit wird es für ihn zu oft so dargestellt, dass die Unternehmer bereits vor der Pandemiefalsch gewirtschaftet haben. Mit einer solchen Situation konnte man jedoch nicht kalkulieren. „Das kann man natürlich nicht pauschalieren. Mit Sicherheit gibt es auch Unternehmer, die wirklich falsch gehaushaltet haben.“

Eventgastronom Frank Strohbücker

Die staatlichen Hilfen können hier in seinen Augen einiges abfangen. Die Überbrückungs- und November-/Dezemberhilfen findet er jedoch unglücklich. Er hatte auf eine simplere, fairere Struktur gehofft. „Unser Hauptgeschäft liegt in den Sommermonaten. Daher haben uns die Hilfen im Winter nicht so viel Ausgleich gegeben. Eine Hilfe, bei der alle Fixkosten erstattet werden und ein fiktiver Unternehmerlohn zum Leben angesetzt wird, würde das überlebender Branche sichern.“

Denn dass die Unternehmer von einer reinen Kostenerstattung die Privatausgaben nicht decken können, scheine bei den politischen Entscheidungen nicht ins Gewicht zu fallen.

Eventbranche fällt durchs Raster

Insgesamt fällt die Eventbranche bei den Öffnungsstrategien derzeit durchs Raster. Strohbücker hofft, zumindest im Sommer für kleinere Festivitäten gebucht zu werden, wenn die Impfquote entsprechend gestiegen ist. Hierfür könnte er sich auch vorstellen, in seine Angebotspakete eine Gästekontrolle mit Schnelltests aufzunehmen. Denn auch wenn er die „freie Zeit“ im Eventbereich gut für andere Firmentätigkeiten nutzen konnte, merkt der Unternehmer, dass einem der Eventbereich fehlt. „Das ist für mich der einzige positive Effekt der Pandemie: man lernt schnell den Beruf wieder Wertzuschätzen.“

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