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Prozess

Wiederholter Vergewaltigungsversuch: 38-Jähriger angeklagt

Everswinkel

Unter anderem wegen des wiederholten Versuchs der Vergewaltigung gegenüber seiner Ex-Frau musste sich ein Mann aus Everswinkel vor dem Warendorfer Amtsgericht verantworten. Das Bild, das Angeklagter und Zeugen zeichneten, blieb diffus – trotz stundenlanger Verhandlung.

-cirm-

Über mehrere Stunden zog sich am Donnerstag vor dem Warendorfer Amtsgericht die Verhandlung gegen einen in Everswinkel lebenden Iraner hin. Foto: Klaus Meyer

Weil er 2017 zweimal versucht haben soll, seine Ex-Frau zu vergewaltigen, ihr mit dem Tod gedroht und sie im Juni 2021 auf offener Straße geschlagen haben soll, musste sich ein 38-jähriger Iraner aus Everswinkel vor einem Amtsgericht Warendorf verantworten.

Die Eheleute hatten sich zwar scheiden lassen, aber weiterhin eine Wohnung geteilt, in der die Frau ein eigenes Zimmer mit ihren beiden Kleinkindern bewohnte. Einen Vergewaltigungsversuch unter der Dusche habe sie durch lautes Schreien und erheblichen Widerstand verhindert, den zweiten Vergewaltigungsversuch im heimischen Wohnzimmer soll ein Sohn mitangesehen haben, was den Vater nicht von seinem Handeln abgehalten habe. Ferner soll der Angeklagte zwar die Scheidung nach deutschem Recht akzeptiert, jedoch auf muslimisches Recht verwiesen haben. Demnach müsse sie weiterhin mit ihm schlafen.

Nach insgesamt rund fünf Stunden Verhandlung wurde er freigesprochen. Es lägen keine objektiven Beweismittel vor, begründete die Vorsitzende Richterin den Freispruch. Bei allem Verständnis für die unangenehme, intime Situation vor Gericht seien die Schilderungen der Ex-Frau zu dünn und wenig ausführlich gewesen. Zudem seien manche Angaben widersprüchlich, so die Richterin über den Verlauf und die Erkenntnisse der knapp zweistündigen Aussage der Frau, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgte. Auf der Grundlage sei eine Verurteilung nicht möglich.

Auch ihre Darstellung einer Schlägerei an einer Bushaltestelle passten nicht zu denen weiterer Zeugen. Im Juni 2021 waren hier der Angeklagte und der damalige Partner der Frau aneinander geraten. Im Verlauf habe der Angeklagte die herbeigeeilte Frau geschlagen und verletzt, so der Vorwurf. Diese Darstellung konnte keiner der geladenen Zeugen bestätigen. Auch ein Messer kam in der hitzigen Situation zum Einsatz, mit dem der nun Angeklagte leicht am Hals verletzt worden war. Auf dem Dach der Tankstelle hatten Polizeibeamte wenig später ein Cuttermesser sichergestellt. Dafür erging bereits ein Strafbefehl gegen den damaligen Partner. „Das stimmt alles nicht, aber ich habe keine Lust zu streiten“, begründete der heute 23-Jährige seine Motive, keinen Widerspruch gegen den Strafbefehl erhoben zu haben. Bei der Arbeit habe er zwar ein Cuttermesser genutzt, die Klinge jedoch stets vor Arbeitsende entfernt und dem Chef ausgehändigt.

Bei dieser diffusen Lage sprach sich der Staatsanwalt für die Einstellung des Verfahrens aus. „Ihr Aussageverhalten vermochte überhaupt nicht zu überzeugen“ resümierte die Richterin mit Blick auf die Aussagen der Zeugin. Eine Verurteilung sei nicht möglich.

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