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WN-Serie über Ausbildungsmöglichkeiten: Heute Maler-Fachbetrieb Wiesmann

Fortwährend im Farbenrausch

Alverskirchen

Der Alverskirchener Familienbetrieb spielt nach eigenem Bekunden gerne mit Farbtönen. Und das schon eine gefühlte Ewigkeit. Stolze 118 Jahre liegt die Firmengründung zurück. Von Beginn an wurde bei „Maler Wiesmann“ ausgebildet. Die übernommenen Auszubildenden sicherten über die Jahre auch den Bestand an Fachkräften. Die Suche nach Nachwuchs ist wie in vielen anderen Handwerksbetrieben nicht leichter geworden – die Chancen für junge Leute, vom „goldenen Boden“ des Handwerks zu profitieren, dagegen schon.

Von Klaus Meyer

Der Alverskirchener Maler-Betrieb Wiesmann besteht schon 118 Jahre und hat von Anfang an ausgebildet. Explizites Lob gibt es vom Firmenchef für die Kooperationen mit der örtlichen Verbundschule, von der man schon profitiert habe. Foto: Klaus Meyer

Mit Alexander Wiesmann steht die dritte Generation an der Spitze eines Betriebes, der sich mit dem Standort in der Gemeinde Everswinkel sehr zufrieden zeigt und mit seinem derzeit 15-köpfigen Team und seinen Maler- und Lackierleistungen, aber auch Raumgestaltungen, Wärmedämmungen, Fassadenbeschichtungen und mehr einen Namen weit über den Standort hinaus gemacht hat.

Ausgebildet wird hier schon immer. „Bis zum Zweiten Weltkrieg als Kutschenlackiererei, seit 1950 als Malerbetrieb. Im Malerbetrieb gab es bis auf vereinzelte Jahre durchgehend mindestens einen Auszubildenden“, erzählt Alexander Wiesmann. Kompetenz, Beratung, Service und Zuverlässigkeit sind Trümpfe von „Maler Wiesmann“. Die Ausbildung zum Maler und Lackierer nutzen derzeit zwei junge Menschen. Ehemalige Verbundschüler, wie Wiesmann erzählt. Und das Lob für die Verbundschule folgt sogleich: Durch Kooperationen mit der Schule hätten Handwerksbetriebe die Möglichkeit, bei den Schülern präsent zu sein. „Ich bin froh, dass wir so eine starke Schule vor Ort haben. Wir haben schon oft davon profitiert.“ Denn: Azubis zu finden, sei deutlich schwieriger als vor 15 oder 20 Jahren. „Wenn damals 20 Bewerbungen pro Jahr gekommen sind, war das normal. Heute sind es höchstens fünf Bewerbungen pro Jahr, oft auch nur eine oder zwei. Dadurch ist die Auswahl natürlich sehr begrenzt.“ Es gab Jahre, da konnte der Ausbildungsplatz nicht besetzt werden.

Alexander Wiesmann

Wesentlicher Grund sei das über Jahre vernachlässigte Image des Handwerks. Ein anstrengender Job mit körperlicher Arbeit – „das Bild vom Handwerker war in der Gesellschaft nicht besonders angesehen, den Job sollte lieber jemand anders machen“. Die Verschiebung der Schulabschlüsse in Richtung Fachhochschulreife sei deutlich. „Nach einem Haupt- oder Realschulabschluss eine Ausbildung zu beginnen, ist im Gegensatz zu früher eher die Ausnahme“, bilanziert Wiesmann.

Beim Ansehen des Handwerks in der Gesellschaft sei aber ein positiver Wandel bemerkbar, stellt der Malermeister fest. „Weil wir ja rar geworden sind und man gemerkt hat, dass man den Handwerker ja braucht.“ Aber es gibt noch Baustellen. Renteneintrittsalter und Rentenversorgung seien für Handwerker eher schlecht. „Körperliche Arbeit bis 67 oder noch länger ist nicht immer leistbar. Früher aufzuhören, auch aus gesundheitlichen Gründen, ist mit Einbußen verbunden. Ein Leben lang Facharbeiter gewesen zu sein und dann schlecht von der Rente leben zu können, das funktioniert nicht.“ Wiesmann sieht durch Lohnsteigerungen zwar einen guten Weg, „aber wir sind noch nicht am Ziel für unsere Mitarbeiter“.

Der allgemeine Fachkräftemangel hat den Malerbetrieb Wiesmann bislang noch nicht getroffen. „Durch stetiges Ausbilden und Übernahme der selbst ausgebildeten Mitarbeiter ist unsere Personaldecke ausreichend und vom Alter her gut gemischt. Fertig ausgebildete Mitarbeiter sind allerdings am Personalmarkt kaum zu bekommen.“ Ein Problem, das sich verschärfe, wenn viele Fachkräfte in den nächsten Jahren in den Ruhestand wechselten. Die Zahl der Auszubildenden werde das nach Einschätzung Wiesmanns nicht auffangen können, „ so dass sich die angespannte Lage noch deutlich zuspitzen wird“. Dennoch blickt Wiesmann optimistisch in die Zukunft, weil eine Binsenweisheit mehr denn je Gültigkeit hat: „Handwerk hat halt goldenen Boden!“ Und das Malerhandwerk bietet dazu den passenden Farbenrausch.

Der nächste Ausbildungsplatz zum Maler und Lackierer wird 2023 vergeben.

Ausbildungsplatz-Situation

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