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Rückkehr der alten Turmuhr an der St.-Agatha-Kirche

Zeit für ein Stück Nostalgie

Alverskirchen

Spannende Momente auf dem Kirchplatz von St. Agatha. Das Ziffernblatt der restaurierten Kirchturmuhr soll an diesem Morgen zu seinem ursprünglichen Ort am Kirchturm zurückkehren. Das war von langer Hand geplant. Vor Ort ist natürlich auch Lutz Hegemann. Dem Uhrmachermeister ist es überhaupt zu verdanken, dass das alte „Schätzchen“ nicht auf dem Bauschutt gelandet ist.

Von Marion Bulla

Michael Schulte (l.) vom Schatzkammer-Förderverein St. Agatha und Uhrmachermeister Lutz Hegemann freuen sich, dass die historische Turmuhr nun an ihren ursprünglichen Platz zurückkehrt. Foto: Marion Bulla

Ein halbes Jahr lang hatte er an der Mechanik des alten Uhrwerks getüftelt, und sie wieder in Gang gebracht. Jetzt erstrahlt sie wieder in altem Glanz. „Nein sie sieht viel besser aus“, findet Hegemann und zeigt stolz auf die goldenen römischen Zahlen des Zifferblattes.

Im Rahmen der Aktion haben sich viele Zuschauer auf dem Kirchplatz versammelt. Darunter auch die Drittklässler der örtlichen Grundschule. Aber auch ältere Alverskirchener schauen zu, wie der Hubsteiger die Mitarbeiter der Firma Korfhage aus Melle in 15 Metern Höhe ganz nahe an den Kirchturm bringt, um das Ziffernblatt an vier Stellen zu verschrauben und anschließend die Zeiger anzubringen. Eine spektakuläre Aktion.

Mitarbeiter der Firma Korfhage & Söhne brachten das Ziffernblatt hoch zum Kirchturm. Foto: Marion Bulla

Dass die Uhr gerettet werden konnte, ist einzig und allein Hegemanns Verdienst (die WN berichteten). Der Fachmann bekam damals mit, dass im Zuge der Umwandlung des Glockenstuhles – aus der Eichenkonstruktion wurde eine Stahlkonstruktion – die Uhr ausgebaut und durch eine elektrische Uhr mit minimalistischem Ziffernblatt ersetzt werden sollte. Als er erfuhr, dass die alte Uhr verschrottet werden sollte, schritt er beherzt ein und rettete das historische Relikt und stellte das Uhrwerk in seinem Keller auf. Das Ziffernblatt wurde unter der Decke montiert und durch das Uhrwerk über Gestänge mit entsprechenden Umlenkungen verbunden. Damit auch zur vollen und halben Stunde ein Uhrschlag zu hören war, baute er schließlich eine kleine Glocke ein.

Es ist vollbracht: Das Ziffernblatt der historischen Turmuhr hängt in 15 Metern Höhe nun weithin sichtbar an der Pfarrkirche St. Agatha.Es ist vollbracht: Das Ziffernblatt der historischen Turmuhr Foto: Marion Bulla

Vor fünf Jahren nahm der gebürtige Alverskirchener schließlich Kontakt zu Pfarrer Heinrich Hagedorn auf, um die Kirchturmuhr für die Zukunft zu schützen. Auch setzte er sich mit Kirchenvorstandsmitglied Josef Starp und Michael Schulte von den Freunden der Schatzkammer St. Agatha in Verbindung.

„Wir hatten geplant, die Uhr als Ausstellungsstück in den Räumen des Pfarrheims der Öffentlichkeit zu zeigen“ erklärt Hegemann. Doch es kam anders: Das Bischöfliche Generalvikariat und ein Sachverständiger für Kirchenglocken und Turmuhren erklärte, dass die Uhr absolut funktionstüchtig und mit dem historischen Ziffernblatt in der St. Agatha-Pfarrkirche aufzustellen sei und somit der Nachwelt eine funktionierende mechanische Kirchturmuhr erhalten bleiben sollte.

Ansgar Stolzenberg von der Firma Korfhage & Söhne legt letzte Hand an, um das Herzstück der Turmuhr seiner Bestimmung zuzuführen. Foto: Marion Bulla

Bereits 2019 konnte die Uhr im Turm der St. Agatha-Kirche aufgestellt werden. Die Verbindung vom Zeigerwerk zum Uhrwerk erfolgt über ein zwölf Meter langes Gestänge, das sich durch ein Umlenkgetriebe den baulichen Gegebenheiten des Turms anpasst. Zwei Elektromotoren dienen als Antrieb für die Gewichte, so dass das wöchentliche „Kurbeln“ entfällt.

Zur Geschichte der Kirchturmuhr: Sie wurde am 10. Juli 1896 von der namhaften Firma Bernhard Vortmann geliefert und montiert. Der Preis lag damals bei 750 Goldmark. Das Gangsystem funktionierte mit einem frei schwingenden Pendel. Der Antrieb funktionierte durch einen Seilzug mit 90 Kilogramm schweren Gewichten, die wöchentlich vom Küster mittels Kurbel in ihre höchste Position gezogen werden mussten.

Am diesem Sonntag wird Lutz Hegemann nach den Gottesdiensten in St. Agatha Besuchern das Uhrwerk zeigen und erklären (es gilt die 3-G-Regel).

Auch für die Drittklässler der Grundschule war das Anbringen des alten Ziffernblatts am Kirchturm eine spannende Sache. Foto: Marion Bulla
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