Serie „Traumunternehmen“: Stendker revolutioniert die Diskus-Haltung

Farbenfrohe Scheiben aus Warendorf

Warendorf

Wer hätte das gedacht? Die Diskusfisch-Zucht der Brüder Jörg und Volker Stendker hat sich inzwischen zur Nummer fünf weltweit gemausert. Der Warendorfer Betrieb den Auftakt bei der neuen Serie „Der Traum vom Unternehmen“.

Ulrike Brevern

Die farbenprächtigen kreisrunden Diskus-Fische, die in Deutschland im Fachhandel erworben werden, stammen fast ausschließlich aus Warendorf. Der leidenschaftliche Aquarianer Jörg Stendker hat mit seinem Bruder Volker das Unternehmen gegründet. Seine Frau Angelika ist ebenfalls im Familienbetrieb tätig. Foto: Ulrike von Brevern

Der Begriff „Hidden Champion“ trifft bei der Diskusfisch-Zucht der Brüder Jörg und Volker Stendker den Nagel beinah auf den Kopf. Die Produktionshallen des Unternehmens verstecken sich unauffällig in einem Warendorfer Industriegebiet. Dennoch hat der europäische Branchenprimus in Deutschland die ausländische Konkurrenz fast vollständig aus dem Markt gefegt und sich zur Nummer fünf weltweit gemausert, nennt Jörg Stendker eindrucksvolle Fakten über sein Traumunternehmen.

60 Mitarbeiter kümmern sich mit viel Handarbeit um die rund 250 000 kreisrunden Zierfische. Die Arbeitsbedingungen fordern heraus: 30 Grad Umgebungstemperatur, annähernd 100 Prozent Luftfeuchtigkeit – so fühlen sich die farbenprächtigen, ursprünglich in der Amazonasregion heimischen Buntbarsche am wohlsten.

Das Rauschen der Pumpen und Sprudler aus hunderten Becken zwingt, die Stimme zu heben. Besucher sind schon aus hygienischen Gründen eher ungern gesehen.

1985 beschloss Jörg Stendker als leidenschaftlicher Aquarianer, aus der rund 20 Jahre alten Zucht seines Vaters ein Unternehmen zu machen. „Man macht nur das besser als andere, was man gerne macht“, beschreibt der gelernte Elektriker seine Motivation. Doch der Entschluss veränderte einiges. „Man muss sich klar machen: Das hier ist kein Hobby mehr, das ist Industrie“, sagt Ehefrau Angelika mit einem Blick über die Zuchtanlagen. „Man muss auch liefern können“, ergänzt ihr Mann eine der wichtigsten Erkenntnisse schon aus der Gründerzeit.

Nach rund zehn Jahren wäre das Unternehmen fast am Vertrieb gescheitert. „Der Großhändler diktierte den Preis“, erinnert sich Stendker und der befand sich im freien Fall. Aus Verzweiflung packte der Züchter mehrere Aquarien ein, zog persönlich zur weltweit größten internationalen Branchenmesse, der Interzoo in Nürnberg, und versuchte, den Großhandel zu umgehen. „Ich kam auf einen Schlag mit 300 Kunden zurück. Heute sind es 6000 weltweit.“

Die Stendker-Zucht punktet mit einer besonderen Eigenschaft: „Es ist unsere Pionierleistung, dass der Diskusfisch einfach zu halten ist“, hebt der Unternehmer stolz hervor. Die Aufzucht in heimischem Trinkwasser machte die Tiere über Generationen robust. Zudem hat Stendker als eine Art Rundum-Sorglos-Paket ein Spezial-Vollfutter entwickelt, an das die „Babys“ von klein auf gewöhnt sind. „Unser Diskus hat zwar noch denselben Namen wie die Wildfänge, aber sonst ist es vollkommen anderer Fisch“, erläutert der Unternehmer.

Durch die Spezialernährung erhalten die heranwachsenden Tiere recht sicher die typische kreisrunde Form, die sie bei Mangelernährung nicht ausprägen. Welche Farben und Zeichnungen die Käufer bevorzugen, unterliegt dagegen dem Geschmack. Knapp 30 verschiedene Farbschläge bietet Stendker an, jeweils mit einer Entwicklungszeit von üblicherweise sechs bis zehn, im Einzelfall sogar über 20 Jahren. „Doch heute sind wir groß genug, um selbst den Trend zu setzen, statt ihm hinterherzulaufen“, freut sich Stendker.

Eine ausgeklügelte Verpackungs- und Versandstrategie sorgt dafür, dass Stendker egal ob nach Amerika, Japan oder die Vereinigten Arabischen Emiraten „fast ohne jeglichen Verlust“ verschickt. Am Online-Boom beteiligt sich das Unternehmen dennoch nicht, um den eigenen Kunden nicht ins Gehege zu kommen. Er beliefert ausschließlich den Zoo-Fachhandel, „Den schulen wir auch, damit es unseren Fischen auch später gut geht“, betont Stendker.

Startseite