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Krimi-Dinner im Gasthaus Strietholt

Gefährlich gute Unterhaltung

Everswinkel

Kulinarischer Genuss und Nervenkitzel: Den Gästen im Gasthaus Strietholt wurde jetzt einiges geboten. Statt sich im Fernsehen Krimi-Konserven anzuschauen, gab es live erstklassige Kriminalgeschichten mit Esprit von drei Krimiautoren nebst einem mörderisch guten Essen. Rundum gelungen. Organisiert vom Arbeitskreis Literatur vom Kulturkreis.

Von Marion Bulla

Susanne Müller (v.l) freute sich über die kriminalistischen Einlagen von Regina Schleheck, Klaus Stickelbroeck und Jutta Wilbertz. Foto: ulla

Das Erfolgsrezept von Krimi-Dinnern: man mixe zwei wunderbare Genüsse locker zusammen. So geschehen am Freitag im Gasthaus Strietholt. Der Arbeitskreis Literatur vom Kulturkreis hatte zum „Mord mit Menü“ eingeladen: „Keine Angst, das Essen ist nicht vergiftet“, scherzte Sprecherin Susanne Müller in Richtung der 44 Gäste.

Zum zweiten Mal da

Der Kulturkreis hatte das Krimi-Trio des Abends bereits vor zwei Jahren zu Gast. „Das ist sehr gut angekommen. Die drei mussten einfach wiederkommen“, schwärmt Susanne Müller, bevor sich Jutta Wilbertz ihre kleine Ukulele schnappt und von Situationen im Alltag singt, die zum Morden anreizen: „Ich habe Corona genutzt, um mörderische Songtexte zu schreiben“, sagt sie und legt los. Im Lied muss der Erbonkel dran glauben, ebenso wie die Nebenbuhlerin. Der Kurschatten liegt jetzt im Schatten einer Eiche begraben und auch der nervige Nachbar verlässt die Welt. „Man sollte auf jeden Fall ein Anti-Aggressions-Training machen“, rät sie.

Regina Schleheck startete vor der Vorspeise und las aus ihrem Krim "Mord3" Foto: Marion Bulla

Anschließend stellt Regina Schleheck ihren amüsanten Kurzkrimi über den frustrierten und übergewichtigen Städter Holgi vor. Seine Else, die er damals bei einer Bauchtanzgruppe kennenlernte, hat ihn verlassen. Sie war die Dickste der Truppe und er war sofort von ihr hingerissen. Nun sucht Holgi eine neue Liebe. Er trifft auf die Witwe Eva. „Was für ein Weib, was für ein Ausschnitt“, denkt er entzückt. Er zögert nicht lange die obdachlose Eva bei sich einziehen zu lassen, gewährt ihr lebenslanges Wohnrecht. „Das war wohl sein Todesurteil“, schließt die Autorin daraus. Bei einem Seifenkistenrennen – na klar – die Bremse funktionierte nicht, da fiel es ihm wie Schuppen aus den Haaren. Mamas Rache. „Du hast Recht Mama, Pommes sind doof“, denkt er im letzten Moment bevor es „Pom“ macht.

Zufall hilft mit

Susanne Müller fragt Regina Schleheck, wie sie auf ihre Krimi-Ideen komme. „Das ist Zufall. Ich schreibe alles auf, was sich nicht wehrt“, erklärt die Autorin bevor der erste Gang aus der Strietholtschen Küche serviert wird: vegetarische Salatvariationen oder Lachstartar.

Jutta Wilbertz fesselte ihre Zuhörerschaft mitgelesenen Passagen aus ihrem Werk namens "Upps-Tot". Foto: Marion Bulla

Dann liest Klaus Stickelbroeck vor. Er ist einer der fünf Krimi-Cops, gestandene Polizisten aus Düsseldorf, die ihre Erfahrungen in spannende Romane verweben. „Wir erzählen uns oft gegenseitig Anekdoten“, erklärt der Autor. Seine heutige Geschichte heißt „Chaos im Keller“. Stickelbroeck erzählt, natürlich fiktiv, von seiner dritten Frau Sabine, die ihm, dem Sammler mit Sternzeichen Krebs, den Kellerraum streitig machen möchte.

Bügelzimmer statt Sammlerraum

Ein Bügelzimmer soll daraus werden. Und sie ist natürlich ganz und gar nicht begeistert von dem vielen „Zeug“, das da rumliegt. Ein Aschenbecher etwa. „Du rauchst ja nicht einmal“, schnaubt Sabine verächtlich. Das sei ein historischer Zeitzeuge. Nämlich der Aschenbecher von Helmut Schmidt, schreit der Gatte auf. Am Ende wird Sabines Leben durch eben diesem Chaos im Keller ein Ende finden. Sie stolpert ganz unglücklich. „Ich kann ja nichts dafür. Komischerweise hatten meine beiden Ehefrauen ganz ganz ähnliche Unfälle“, sinniert Klaus.

Klaus Stickelbroeck ist einer der fünf Krimi-Cops. Er hatte sein neustes Buch "Fesseltrick" im Gepäck. Foto: Marion Bulla

Darauf wird die Hauptspeise gereicht. Es gibt wahlweise Linsenragout oder ein Filet vom Hockenbecker Ringelschwein. Dann sitzt Jutta Wilbertz am Lesetisch. „ Ach, es ist doch so schnell passiert: Ein Spaziergang entlang der Klippen, ein Segeltörn im Haifischgebiet, eine Rangelei unter Freunden – manchmal reicht eben ein kleiner Schubs: Upps!“

Das Publikum bei „Strietholt“ war begeistert von der Kombination Essen und Lauschen. Foto: Marion Bulla

Wilbertz nimmt ihre Zuhörer zu einer der Storys mit in die Normandie. Die Protagonistin wollte alleine sein. Freund Micha war bei einem Unfall verstorben und Freundin Elke hatte ihr durch die Zeit geholfen. Sie ist mitgekommen, hat aber viel zu mäkeln. Kurz gesagt: Sie nervt. Kein Wunder also, dass Elke am Ende verschwindet. Ab über die Klippe. „Endlich ist diese nervige Stimme weg“, denkt die Heldin noch. Doch nein. Sie hört Elkes Stimme, die „Hilf mir!“, ruft und an der Klippe hängt. Doch ein unbedachter Schritt. Oje.

Das Fazit des Abends: Ein köstliches Menü und gefährlich gute Unterhaltung. 

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