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Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien tagt zur Corona-Krise

Kontakt zu Familien geht nicht verloren

Kreis Warendorf

Von einer normalen Situation im Bereich Kinderbetreuung ist man auch im Kreis Warendorf noch weit entfernt. Einrichtungen haben nur teilweise geöffnet und auch die Besuche von Familien mit Neugeborenen musste das Kreisjugendamt komplett einstellen. Positive Signale gibt es aber unter anderem beim Betreuungsplatzangebot für das kommende Kita-Jahr.

Henning Tillmann

Der Bedarf an Betreuungsplätzen bleibt im kinderreichen Kreis Warendorf groß. Deshalb wird auch weiterhin kräftig gebaut, wie beispielsweise der 2018 erstellte Johannes-Kindergarten in Everswinkel. Damit und mit den Auswirkungen der Corona-Krise beschäftigte sich jetzt auch der Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie des Kreises, der selbst mit viel Abstand tagte (kleines Bild). Foto: Klaus Meyer / Henning Tillmann

Irgendwie ist die Szenerie ja passend gewesen: Da tagte der Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien des Kreises Warendorf mit viel Abstand zueinander im Forum der Sparkasse. Quasi als sichtbares Zeichen dafür, dass der Kontakt in Corona-Zeiten deutlich schwerer geworden ist. Und thematisch ging es dabei immer wieder darum, wie das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien eben diesen Kontakt zu seiner „Kundschaft“ – den Familien im Kreis – trotz der derzeitigen Herausforderungen nicht verliert.

Kreisjugendamt geht aktiv auf Familien zu

Das vorab: Für ihre Bemühungen, weiter nah dran zu sein, erhielt die Verwaltung viel Lob aus den Reihen der Politik. Gleich mehrfach kam von den Fraktionen ein „herzliches Dankeschön für den Einsatz“. Das Jugendamt, das berichtete dessen Leiterin Anke Frölich, habe nämlich seit Beginn der Pandemie – „quasi vom ersten Tag an“ (Frölich) – aktiv Kontakt zu allen ihr bekannten Familien mit möglichem Hilfebedarf gesucht, anstatt auf Anfragen zu warten.

Hinweise kommen nun aus dem sozialen Umfeld

Auch der Befürchtung, dass das Jugendamt von vielen Notsituationen möglicherweise gar nicht mehr erfahre, weil die entsprechenden Hinweise aus den Schulen und Kindergärten fehlten, konnte Frölich einigermaßen zuversichtlich entgegen treten: „Wir sind eine ländliche Region mit sehr aktivem Gemeinwesen. Statt Meldungen aus den Kitas bekommen wir nun sehr viele Hinweise aus dem sozialen Umfeld, von Familienangehörigen, Nachbarn und Freunden. Ich glaube, wir haben im gesamten Verlauf dieser Krise einen guten Kontakt zu den Familien gehabt“, so Frölich.

Begrüßungsbesuche vorübergehend eingestellt

Gleich zu Beginn der Sitzung, als sie die geplante Weiterentwicklung des Themas Prävention im Kreis vorstellte, machte die Jugendamtsleiterin aber auch deutlich, wo es im Zuge der Corona-Krise tatsächlich massive Einschränkungen in der Arbeit gegeben habe: bei den so genannten Begrüßungsbesuchen für Eltern neugeborener Kinder. Wo das Amt sonst zwischen 600 bis 650 Besuche pro Jahr leistet und dabei wichtige Informationen zu Hilfen und Angeboten gibt, waren es dieses Mal von Januar bis Februar 94 und danach keine mehr.

„Normalerweise erreichen wir über die Begrüßungsbesuche fast alle Eltern mit dem ersten Kind persönlich. Nur in ein bis zwei Prozent der Fälle lässt sich jemand die Informationen zuschicken“, so Frölich. „Im Zuge von Corona sind wir aber gerade am Anfang oft ausgeladen worden. Das ist ja auch nur verständlich, weil man nicht wusste, wie es sich mit den unter Einjährigen, wo der Immunschutz noch nicht ausgeprägt ist, verhält.“ Ab Juni hoffe man nun, wieder mit den Besuchen beginnen zu können. „Aber auch dann müssen wir sensibel sein, wenn das zurzeit jemand nicht will.“

Mehrere Kitas könnten schon jetzt Vollbetreuung anbieten

Das für viele Eltern gerade wohl wichtigste Thema – die schrittweise Öffnung der Kindertagesstätten – behandelte der Ausschuss natürlich ebenfalls. Derzeit sind rund 1190 Kinder in der Notbetreuung, weitere 120 in der Tagespflege. Ab dem 8. Juni soll es für alle zumindest einen eingeschränkten Regelbetrieb (zehn Stunden) geben. Die Situation hier – das war vielleicht die schlechte Nachricht – bleibt aber sehr dynamisch. Das heißt: Neue Regeln vom Land gab und gibt es weiter fast täglich. Wann der normale Betrieb wieder losgehen kann, ist noch immer nicht klar.

Im Kreis könnte die Lage aber dennoch schlechter sein. Denn: „Wir haben mehrere Kitas, die uns signalisiert haben, dass sie auch vom Personal her schon jetzt wieder voll betreuen könnten. Wir hoffen, dass das Landesjugendamt für solche Fälle eine entsprechende Empfehlung ausspricht“, sagte Anke Frölich. Das wäre dann tatsächlich ein positives Signal für viele Familien in einer weiter herausfordernden Situation.

Alle Ü3-Kinder bekommen Platzangebot

Positive Nachrichten hatte Jugendhilfeplaner Frank Peters zu verkünden, der für den Kreis die zur Verfügung stehenden Betreuungsplätze managt. Das Angebot sei für das kommende Kitajahr im Ü3-Bereich sehr gut, befand er. „Stand jetzt können wir hier allen Eltern ein Betreuungsplatz-Angebot machen“, sagte er. Und das, obwohl sich die Anmeldezahlen mitunter sehr dynamisch entwickelten. So habe es dieses Mal die sehr hohe Zahl von 368 Nachmeldungen nach dem offiziellen Anmeldetermin gegeben. „Wir mussten dafür in manchen Einrichtungen mit Überbelegungen reagieren“, so Peters. Insgesamt habe sich die Situation aber auch an ehemaligen Brennpunkten wie in Telgte merklich entspannt. Insgesamt – das war an den zahlreichen Bauprojekten in den einzelnen Orten zu sehen, über die Peters referierte – bleibt der Bedarf im kinderreichen Kreis Warendorf hoch. Deshalb sind weitere Erweiterungen und Neubauten notwendig, insbesondere um der verstärkten Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kleinstkinder (U3) nachzukommen.

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