Holzmarkt ist leergefegt

„Baukonjunktur steht vor dem Kollaps“

Kreis Warendorf

Die Preise für Bauholz explodieren. Weil dann auch noch viel in den Export geht, mussten im Kreis schon Baustopps verhängt werden. So kann es nicht weitergehen, sagt das Handwerk. Und stellt Forderungen auf.

Beate Kopmann

Steigende Baupreise durch die schlechte Versorgung mit Baumaterialien wie beispielsweise Holz bereiten dem Handwerk und den Bauherren Sorge. Foto: pixabay

Der Export von Holz boomt und erzielt Rekordpreise. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe hatte die Preissteigerung von Bauholz zuletzt auf 15 bis 20 Prozent beziffert. Aber die Lage soll weit drastischer sein. „Wir reden hier von einer Verdopplung oder Verdreifachung der Preise“, betont Hanns-Jörg Ahmerkamp, Leiter des Holzhandel WHG Ahmerkamp in Warendorf. Und oft sei das Baumaterial trotz höherer Preise gar nicht zu bekommen. „Die Materialpreise am Bau explodieren, und ein Ende ist nicht abzusehen“, ergänzt Hanns-Jörg Ahmerkamp.

Verdopplung oder Verdreifachung der Preise

Auch die Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf weist darauf hin, dass durch diese Problematik das Bauen immer länger dauert und teurer wird. Laut Kreishandwerkerschaft haben die steigenden Preise für Holz und andere Baumaterialien bereits für Baustopps und Bauunterbrechungen im ganzen Kreis gesorgt.

„Unsere Innungsbetriebe müssen heute Angebote kalkulieren, bei denen sie in die Glaskugel schauen sollen, wie sich der Tagespreis für das zu bestellende Holz in den kommenden Wochen entwickeln wird – das ist nicht machbar“, kritisiert Kreishandwerksmeister Heinz-Bernd Lohmann aus Everswinkel. Als Obermeister der Fachinnung Holz und Kunststoff weiß er, was Tischlern und Zimmerern Sorgen bereitet. „Die Betriebe, die die Preissteigerungen nicht zu verantworten haben, bleiben auf den Mehrkosten sitzen.“ Denn bei Verträgen, die vor Monaten für Projekte geschlossen worden seien, könne man jetzt nicht plötzlich 30 bis 40 Prozent mehr vom Bauherren verlangen. Ahmerkamp ergänzt, dass deswegen schon Betriebe mit gut gefüllten Auftragsbüchern Kurzarbeit anmelden mussten. Umgekehrt könne auch der Bauherr finanziellen Schaden erleiden.

Kreishandwerksmeister Heinz-Bernd Lohmann

Waldbauern erhalten zu wenig Geld für ihr Holz

Weil die Waldbauern zu wenig Geld für ihr Holz erhalten, käme davon nicht genug auf den Markt, erklärt Ahmerkamp eine der Ursachen für die Misere. Gleichzeitig trieben vor allem die großen Sägewerke die Preise in die Höhe. Sie setzten auf Export, weil in den USA und China wegen des enormen Baubooms höhere Erlöse zu erwirtschaften seien. Der Unternehmer fordert deswegen, dass der Export gedeckelt werden müsste. Sonst stehe die heimische Baukonjunktur vor dem Kollaps.

Bauboom in den USA und China

Das sieht auch die Kreishandwerkerschaft so. Denn wer im Ausland höhere Preise zahle, bekomme die Baustoffe, auch wenn dafür Holz aus deutschen Wäldern nicht CO-konform um die halbe Welt verschifft werde. Das Nachsehen hätten die deutschen Handwerksbetriebe, die auf die Baumaterialien angewiesen und zum Warten verurteilt seien.

„Es muss dringend politische Regelungen geben, um die Handwerksbetriebe und am Ende auch deren Kunden vor einer Preisexplosion zu schützen“, appelliert Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. „Es kann nicht sein, dass wir in Deutschland von importierten Baustoffen abhängig sind, dadurch zum Baustopp gezwungen werden und unsere Betriebe die Leidtragenden sind.“

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