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Landtagskandidaten diskutieren Ausbau von B 51 und B 64

„Die Planung sofort stoppen!“

Kreis Warendorf

Wie geht es weiter mit dem Ausbau von B 51 und B 64? Das diskutierten die Landtagskandidaten für den Nordkreis. Dabei zeichnete sich eine neue Entwicklung ab. Der CDU-Abgeordnete Daniel Hagemeier rückte vom bedingungslosen Ja für diese Straße ab und hält die geplante Maßnahme als Ganzes für nicht umsetzbar.

Von Beate Kopmann

Karsten Birkemeyer (Naturfreunde Beelen) warb nach der Diskussion für eine neue Mobilität, die zwingend erforderlich sei. Auf dem Podium diskutierten (v.l.): Mark Siewert (Die Linke), Ralf Pomberg (SPD), Hedwig Tarner (Grüne) und Daniel Hagemeier (CDU). Ron Schindler (FDP) ließ sich krankheitsbedingt entschuldigen. Foto: Beate Kopmann

Ihm platzte fast der Kragen. „Ich habe keine Ahnung, was Sie noch zählen wollen“, ärgerte sich Karsten Birkemeyer von den Naturfreunden Beelen. Diese hatten mit den Bürgerinitiativen B 51 Telgte, Verkehrskonzept Warendorf und Interessengemeinschaft Warendorf-Süd zur Podiumsdiskussion mit den Landtagskandidaten im Nordkreis eingeladen. Die Moderation hatte Jörg Pastoor, Leiter der WN-Redaktion Warendorf.

Verkehr geht seit Jahren deutlich zurück

Die Zahlen seien doch eindeutig: Der Verkehr gehe seit Jahren deutlich zurück. „Seit dem Jahr 2020 haben wir eine Minderung von 21 Prozent.“ Und sogar der Lkw-Verkehr habe um etwa ein Drittel abgenommen, sich im Bereich Telgte sogar um 40 Prozent reduziert.

Adressiert hatte Birkemeyer seine Kritik an den Landtagsabgeordneten Daniel Hagemeier (CDU). Er war der einzige Politiker auf dem Podium, der sich nicht klar gegen den geplanten drei- bis vierspurigen Ausbau der Bundesstraßen 51 und 64 von Münster bis Rheda-Wiedenbrück äußerte.

Karsten Birkemeyer (Naturfreunde Beelen)

Dass der CDU-Mann sich nicht festlegen wollte und darum warb, „auf neue Zahlen zu warten, um dann eventuell die Planungen anzupassen“, kritisierte auch Werner Starke, der unter den Gästen im gut gefüllten Saal von Haus Allendorf in Warendorf war. „Sie müssen doch eine Meinung haben“, warf Starke dem Abgeordneten vor. So unter Druck gesetzt, räumte Hagemeier ein, dass er „die Gesamtmaßnahme für nicht umsetzbar“ hält.

Dr. Werner Allemeyer von der Bürgerinitiative gegen den Ausbau der B 51 und selbst CDU-Mitglied, widersprach seinem Parteifreund Daniel Hagemeier. Allemeyer forderte vehement, einen Straßenausbau zu verhindern. Foto:

Der CDU-Mann hatte im Vorfeld davon gesprochen, dass es denkbar sei, Teilabschnitte wie Ortsumgehungen zu realisieren. Dafür sei das Land zuständig. Im Gegensatz zur Gesamtmaßnahme, für die der Bund verantwortlich zeichne. Diese Einschätzung regte Ralf Pomberg (SPD) auf. „Wir können hier doch keine Ortsumgehung herausnehmen. Wir müssen jetzt die Planung stoppen.“ Zumal das Planfeststellungsverfahren für den Bau der B 64n in Herzebrock-Clarholz bereits im Sommer beginnen soll – auch für Warendorf und Beelen sei dies angekündigt.

Planfeststellungsverfahren soll im Sommer beginnen

Pomberg warf seinem CDU-Kontrahenten vor, dass Ministerpräsident Wüst sich vom damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker habe unter Druck setzen lassen – in der Folge sei es zu einer Priorisierung dieser Straßenplanung gekommen. Für Pomberg ein völlig falsches Signal, zumal alle Kommunen entlang der Trasse das Projekt ablehnen.

Dr. Werner Allemeyer (Telgte)

Auch Hedwig Tarner (Grüne) betonte, die CDU sei seit 40 Jahren der Motor, der diese von vielen nicht gewollte Straße am Leben erhalten wolle. Sie freue sich aber, dass die Zahl der Ausbaugegner seit Jahren wachse. Eher ungewöhnliche Rückendeckung kommt dabei sogar aus CDU-Kreisen. So bezweifelt Dr. Werner Allemeyer aus Telgte (früher selbst Verkehrsplaner und CDU-Mitglied) die Zahlen, die stets Zuwachsraten auf der Straße unterstellten. „Die Wirklichkeit ist eine andere“, sagte Allemeyer und ergänzte: „Diese Verbindung wird nicht gebaut, wenn sie nicht gewollt ist“, so der Telgter, der dafür starken Applaus bekam.

Ausbau würde 800 Hektar landwirtschaftliche Fläche verbrauchen

Bernhard Kremann aus Neuwarendorf machte deutlich, dass für den Ausbau von 29 Kilometern Straße rund 800 Hektar landwirtschaftliche Fläche verbraucht würden. „Das ist doch weltfremd“ – und sei im Übrigen nicht mit den Klimaschutzzielen vereinbar. Denn der Straßenausbau werde weiteren CO2-Ausstoß zur Folge haben.

Um schnell von Münster nach Bielefeld zu kommen, so das Plädoyer aus dem Saal von Haus Allendorf, nehme man am besten die Autobahnen A1 und A 33. Mit dem Elektroauto oder grünem Wasserstoffantrieb sei dies auch ökologisch vernünftig.

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