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Weniger Jugendliche wegen Alkoholvergiftungen im Krankenhaus

Ein guter Abwärtstrend

Kreis Warendorf

Die Daten sind recht erfreulich, und sie scheinen einen stabilen Abwärtstrend zu zeichnen: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert worden sind, war im Jahr 2019 rückläufig – bereits zum wiederholten Mal.

Henning Tillmann

Der Griff zum Schnaps kann schnell unangenehme Folgen haben. Bei den Fällen von Krankenhauseinlieferungen von Kindern und Jugendlichen wegen einer Alkoholvergiftung sind die Zahlen im Kreis aber rückläufig. Foto: Axel Heimken/dpa

Das geht aus den Erhebungen der Fachstelle für Suchtvorbeugung beim Arbeitskreis für Jugend- und Drogenberatung im Kreis Warendorf hervor. Die Fachstelle mit Sitz in Ahlen bekommt seit 2009 von den vier Akutkrankenhäusern im Kreis (Ahlen, Beckum, Oelde und Warendorf) die Einlieferungen gemeldet, bei denen eine Alkoholvergiftung zumindest als Nebendiagnose erfasst wurde. Seit 2011 ist das St.-Franziskus-Hospital in Münster und seit 2018 das Evangelische Krankenhaus in Lippstadt ebenfalls mit einbezogen, um die Fälle aus dem nördlichen bzw. südöstlichen Teil des Kreises mit zu erfassen.

2019 minus 13 Prozent Einlieferungen

Trotzdem sind die Zahlen rückläufig: 2017 mussten noch 77 Kinder und Jugendliche mit Wohnsitz im Kreis alkoholbedingt in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. 2018 waren es 61 Personen – ein Rückgang um 20 Prozent. 2019 sank die Zahl der Einlieferungen um weitere 13 Prozent auf „nur noch“ 53.

Haben also die Eltern mittlerweile verstärkt ein Auge darauf? Sind Jugendliche, wie es auch Zahlen beim Rauchen nahelegen, heute deutlich gesundheitsbewusster als vor zehn Jahren? Oder macht sich die Präventionsarbeit bezahlt? Vielleicht ein bisschen was von allem. „Aber wir hoffen natürlich, dass das auch an unserer Präventionsarbeit zusammen mit den Kooperationspartnern im Kreis liegt“, sagt Manfred Gesch von der Fachstelle für Suchtvorbeugung. „Wir besuchen regelmäßig die Schulen und weisen auf die Gefahren von Drogen- und Alkoholkonsum hin.“

Abwärtstrend ist bereits mehrere Jahre stabil

Wie nachhaltig der Trend zu den weniger akuten Fällen ist, vermag auch Gesch als Experte nicht sicher zu sagen. An bloße statistische Ausrutscher nach unten glaubt er angesichts einer stabilen Abnahme der Fälle aber nicht. „Wir können nun schon im dritten Jahr in Folge einen Abwärtstrend feststellen. Im Vergleich zu den Zahlen von vor zehn Jahren haben wir sogar 40 Prozent weniger Einlieferungen“, so Gesch. Für 2020 scheint sich der Trend fortzuschreiben, wozu natürlich die Corona-Pandemie ausnahmsweise einen positiven Beitrag geleistet haben könnte. Wenn weniger Treffen im Freundeskreis stattfinden, gibt es schlichtweg auch weniger Gelegenheiten zu gemeinschaftlichem Trinken und dem oft damit einhergehenden Gruppenzwang.

Private Feiern am häufigsten Auslöser

Solche Treffen sind immer noch die größten Gefährdungssituationen für Kinder und Jugendliche, wie auch die Zahlen für 2019 zeigen: Die häufigsten Einlieferungen fanden an Wochenenden (Freitag bis Sonntag) statt. Mutmaßlich also im Rahmen von Freizeitgestaltung und Privatveranstaltungen. Öffentliche Veranstaltungen und Feiertage stehen an zweiter bzw. dritter Stelle. Im Umfeld von Silvester, Karneval und dem 1. Mai 2019 gab es neun Einlieferungen, schreibt die Fachstelle für Suchtvorbeugung.

Eltern und betroffene erhalten Beratungsangebot

Im Nachgang eines solchen Krankenhausaufenthalts bieten die Sucht- und Drogenberatungseinrichtungen der Drogenberatung Ahlen sowie der Beratungsstellen in Caritas-Trägerschaft (quadro Ahlen, Beckum, Oelde und Warendorf) ein Beratungsangebot für die Betroffenen sowie deren Erziehungsberechtigte an. Unter dem Titel „Klar werden“ erhalten die Beteiligten Informationen zum Thema Alkohol und kontrolliertem Konsum und diskutieren mögliche Erziehungshilfen. Der Flyer mit Erstinformationen und der Gelegenheit zur Kontaktaufnahme wird bereits im Krankenhaus ausgehändigt.

Und auch wenn Manfred Gesch dort weiterhin immer weniger Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung sehen möchte, soll es doch aus den richtigen Gründen sein – und nicht, weil jemand weggeschaut hat. „Unsere Botschaft lautet immer: Wenn so etwas im Freundeskreis passiert, nicht einfach liegenlassen! Lieber eine Einlieferung zu viel als zu wenig.“

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