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Bürgerschaftliches Engagement belohnt

Endlich ein Arzt für Liesborn

Liesborn

Seit Jahren haben Bürger in Liesborn dafür gearbeitet, einen Arzt in ihr Dorf zu holen. Jetzt hat es geklappt – auch dank eines Zufalls. Tipps für ähnliche Fälle hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann parat.

Von Beate Kopmann

Hausarzt Christian Weber im Gespräch mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Im Hintergrund ist der Mediziner Ralf Erdmann zu sehen, der ebenfalls in der neuen Hausarztpraxis in Liesborn tätig sein wird. Foto: Beate Kopmann

Die Bürger in Liesbon sind zäh und lassen sich von Rückschlägen nicht entmutigen. Das wird belohnt, denn jetzt haben sie ihn: den Hausarzt mitten im Dorf.

Dabei ist der Ort mit seinen nur 3800 Einwohnern bereits seit September 2017 ohne Hausarzt gewesen. Und Bemühungen, Ärzte aufs Land zu holen gab es in Liesborn schon etliche – seit dem Jahr 2006.

Am Ende war es der Aktionskreis „Ein Arzt für Liesborn“, der nicht locker ließ und den Hausarzt Christian Weber dafür gewinnen konnte, eine Filialpraxis in Liesborn zu eröffnen.

Bemühungen an bürokratischen Hürden der Kassenärztlichen Vereinigung gescheitert

Mit dem Modell einer Filialpraxis habe man schon in früheren Jahren geliebäugelt, sagte Bernd-Peter Kerkemeyer vom Aktionskreis. „Unsere Bemühungen sind damals aber an den bürokratischen Hürden der Kassenärztlichen Vereinigung gescheitert.“

Karl-Josef Laumann

Doch inzwischen sind die Karten neu gemischt. Christian Weber, gebürtiger Beckumer und Facharzt für Innere Medizin sowie Hausarzt in Hovestadt, hat zu Jahresbeginn eine Filialpraxis in Liesborn eröffnet. Als zweiter Arzt wird sein Kollege Ralf Erdmann in der Praxis tätig sein. Letztlich wurde die Arbeit des Aktionskreises durch einen Glücksfall belohnt. Denn der Kontakt zu Christian Weber kam über eine Mitarbeiterin der Liesborner Abtei-Apotheke zustande. „Wir sind zusammen in der Grundschule gewesen, und sie hat mich angesprochen“, erzählt Weber.

Kommunalpolitik muss geeignete Immobilien vorhalten

Dass sich am Ende alles gut gefügt hat, freut auch NRW-Gesundheitsminister Karl- Josef Laumann, der die neuen Praxisräume am Montag selbst in Augenschein nahm.

Er machte auch darauf aufmerksam, dass es in dem kleinen Ort Liesborn allein drei Altenheime gebe. Aber auch ein gutes stationäres Angebot helfe nichts, wenn nicht auch ein Arzt vor Ort sei. Und noch einen anderen Gesichtspunkt hob der Minister hervor: „Wenn kein Arzt mehr da ist, der ein Rezept ausstellt, geben bald auch die Apotheken auf.“

Kein Stadt-Land-Gefälle im Gesundheitswesen

Auch auf dem Land müsse es aber nicht nur eine gute ärztliche Versorgung, sondern auch Apotheken geben, so Laumann, der sich gegen ein Stadt-Land-Gefälle im Gesundheitswesen stark machen will. So lehne er es ab, unterstrich der Minister, wenn auf den Dörfern das Modell „Schwester Agnes“ propagiert werde. Ein System, das noch aus alten DDR-Zeiten stammt, wo so genannte Gemeindeschwestern in den Dörfern unterwegs waren, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicher zu stellen. Heute sind ähnliche Programme unter den Namen „Vehra“ und „MVZ“ bekannt. Sollten diese Konzepte um sich greifen, so Laumann, dann müssten sie aber nicht nur auf dem Land gelten, sondern ebenso in der Stadt.

Um auch in anderen Dörfern Ärzte aufs Land holen zu können, empfahl der Minister der Kommunalpolitik, rechtzeitig nach geeigneten Immobilien Ausschau zu halten. Und nicht nur Ausschau, sondern auch die Hand drauf zu halten. Denn: „Wer einen Arzt im Dorf haben will, muss ihm eine Praxis anbieten können.“

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