Betäubungsmittel an Minderjährige abgegeben

Gericht belohnt Therapiewillen

Kreis Warendorf

Weil er Drogen an Minderjährige abgegeben hat, wurde ein Mann aus Ennigerloh zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, die vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind.

Ulrike von Brevern

Regelmäßig machte Anfang 2018 im Haushalt von Sascha W. ein Joint die Runde. Mit unter den Kiffern war dann auch ein minderjähriger Hausgast, der dort vorübergehend wohnte. Das sah das Amtsgericht Warendorf nach Anhörung der heute Siebzehnjährigen als Zeugin als erwiesen an. Es verurteilte den Ennigerloher wegen der Abgabe von Betäubungsmitteln an eine Minderjährige in 36 Fällen zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, die vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind.

Der vierfache Vater hatte weder Besitz noch Konsum der Drogen bestritten, wohl aber die Weitergabe an die Minderjährige. In seiner Gegenwart habe sie nie an einem Joint gezogen. Die Drogen seien in einer Kiste auf dem Küchenschrank aufbewahrt worden. Das Gericht sah keinen Grund, an der Aussage der Zeugin zu zweifeln, bewertete den Fall allerdings als „minderschwer“, unter anderem weil die junge Frau schon vorher Drogenerfahrungen gemacht hatte. Positiv hoben Staatsanwalt und Richterin hervor, dass sich der Angeklagte aus eigenem Antrieb bereits vor der Verhandlung in Entzug und Therapie begeben hatte. „Das sehen wir hier selten“, so die Richterin.

Umso eindringlicher ermahnten beide einen Beelener, der wegen des gleichen Deliktes vor Gericht stand, nach der Entgiftung auch eine Therapie zu beginnen. Da der 24-Jährige abstritt, zwei Jugendlichen aus einer Beelener Jugendhilfeeinrichtung die in seiner Wohnung Unterschlupf gesucht hatten, Drogen überlassen zu haben, wird der Prozess fortgesetzt. Das Gericht muss nun zunächst die Zeuginnen aufspüren.

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