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In der Corona-Krise

Häusliche Gewalt nimmt stark zu

Kreis Warendorf

Die Gewalt an Frauen hat in der Corona-Krise zugenommen – vor allem sexualisierte Gewalt.

Deutlich mehr Frauen suchten Hilfe, weil sie in der Corona-Krise verstärkt Gewalt erfuhren. Foto: Colourbox

In der Corona-Krise hat die Gewalt an Frauen deutlich zugenommen. Darauf macht Gabriele van Stephaudt aufmerksam, stellvertretende Leiterin der Frauenberatungsstelle Beckum. Sie wird getragen vom Verein „Frauen helfen Frauen“ in Beckum und bietet Hilfe für Klientinnen aus dem ganzen Kreis Warendorf an.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 466 Personen beraten und 2118 Beratungs- und Therapiegespräche geführt – weit über die Hälfte der Gespräche erfolgten telefonisch und über Videochat. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei einem Viertel aller Fälle. Etwa 78 Prozent der Hilfesuchenden litten unter Gewalt. „Im ersten Quartal dieses Jahres hatten wir 173 Frauen in der Beratung – in 137 Fällen ging es dabei um Gewalt“, listet Stephaudt auf. Allein die Polizei habe in den ersten drei Monaten 46 Fälle von Gewalt gegen Frauen bei der Beratungsstelle gemeldet. Im vergangenen Jahr seien die Zahlen weit niedriger gewesen. Damals hätten 148 Frauen um Beratung nachgefragt, darunter waren 113 Fälle von Gewalt, 24 wurden von der Polizei gemeldet. Die meisten Frauen fänden aber allein den Weg in die Einrichtung.

„Auffällig ist, dass vor allem sexualisierte Gewalt zugenommen hat“, so Stephaudt. Mehrere Frauen seien erpresst worden – etwa nach dem Motto: „Wenn du nicht zu mir zurückkommst, stellte ich Nacktbilder von dir ins Netz.“ Nicht wenige Betroffene hätten dadurch tiefe Ängste entwickelt. Die Zahl derjenigen, die sich wegen Ängsten an die Beratungsstelle wandten, habe sich aber auch grundsätzlich sich erhöht: von 27 Prozent in 2019 auf 38 Prozent im vergangenen Jahr.

Oft seien Frauen und Kinder durch die Krise außerdem in wirtschaftliche Not geraten, berichtet Stephaudt. „Etliche Frauen haben nicht mehr gut für sich gesorgt, damit wenigstens die Kinder was hatten.“ Hin und wieder hätten Klientinnen kommentiert, dass sie nicht wüssten, wie sie ihre Kinder bis zum Monatsende ernähren sollten. Und in der offenen Sprechstunde meldeten sich einige, die bekannten, einfach nicht mehr weiter zu wissen und überlastet zu sein. Andere Frauen wiederum litten darunter, schief angeguckt zu werden, wenn sie ihr Kind in die Notbetreuung brachten – das Pikante dabei: Väter, die ihre Kinder in die Notbetreuung brachten, machten diese Erfahrung meist nicht.

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