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Museumsumbau in Liesborn 

„Im Moment ist das wie Wildwest“

Liesborn

Dass es teuer werden würde, wussten alle vorher. Weil der Umbau des Museums Abtei Liesborn in einer Zeit stattfindet, die von Materialknappheit gekennzeichnet ist, verteuert sich das Projekt aber erneut. Hendrik Borgstedt, Leiter des Hochbauamtes beim Kreis, erläutert vor Ort, wo es hakt. Leider kann er auch für die Zukunft keine Entwarnung geben.

Von Beate Kopmann

Hendrik Borgstedt, Leiter des Amtes für Hochbau und Immobilienmanagement beim Kreis (r.) erläutert, wie der Raum aussehen wird, in dem das Liesborner Evangeliar demnächst präsentiert werden soll – genau an dem Standort, wo der neue Museumsleiter Dr. Sebastian Steinbach während dieser Fotoaufnahme steht Foto: Beate Kopmann

Wow! Was für ein Raum! Dabei ist jetzt noch alles Baustelle. Aber sobald das Museum Abtei Liesborn umgebaut ist, wird dieser Raum wohl die größte Anziehungskraft entfalten. Hier soll das über tausend Jahre alte Liesborner Evangeliar seinen Platz finden. Für drei Millionen Euro hatte der Kreis Warendorf es 2017 erworben.

Der Museumsumbau war sowieso geplant, aber durch das kostbare Exponat wird er aufwendiger. So wurden für die adäquate Präsentation des Evangeliars Wände im Nordflügel eingerissen und eine Decke entfernt. „Der Raum besticht durch seine Höhe“, sagt der neue Museumsleiter Dr. Sebastian Steinbach. In dem dunkel gehaltenen und sakral wirkenden Innenraum soll später nur das Evangeliar strahlen; dabei zieren Zitate aus dem Buch die dunklen, von hinten beleuchteten Wände.

Stahlpreise schießen durch die Decke

„Das sind Stahlwände, die acht Meter hoch, zwei Meter breit und acht Millimeter dick sind“, erläutert Hendrik Borgstedt, Leiter des Hochbauamtes. Doch leider schießen im Moment die Stahlpreise durch die Decke. Auch deswegen verteuert sich der Umbau.  „Wir haben drei Mal ausgeschrieben“, erläutert Borgstedt. Zunächst habe der Kreis für die Stahlwände mit 200 000 Euro kalkuliert. Die wenigen Angebote, die überhaupt eingingen, hätten aber Kosten von bis zu einer Million zugrundegelegt. Für 350 000 Euro sei der Auftrag schließlich vergeben worden. Auch in anderen Bereichen kam es zu Verteuerungen – unter anderem, weil im Bestand gebaut wird. Deswegen wollte die Kreisverwaltung die Freigabe von weiteren 500 000 Euro zunächst im Rahmen einer Dringlichkeitssitzung durchwinken. Nach Protesten wird sich jetzt aber der Kreisausschuss mit der Sache in einer Sondersitzung beschäftigen.

Man habe bei den Stahlwänden auch alternatives Material geprüft, sagte Kulturdezernentin Brigitte Klausmeier. Im Vergleich zum Stahl sei das aber nicht überzeugend gewesen.

Keine klare Antwort konnte Borgstedt auf die Frage geben, ob es – auch angesichts noch fehlender weiterer Ausschreibungen – erneut zur Kostenexplosion kommen könnte. „Viele Handwerksfirmen geben derzeit gar keine Materialkosten an, weil sie selbst nicht wissen, wie die Preisentwicklung sein wird“, räumte Borgstedt ein und ergänzte: „Im Moment ist das hier ein bisschen wie Wildwest.“

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