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Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) besuchte Oelder Kleingartenanlage Kurenholt

Insektenvielfalt statt Glyphosat

Oelde

Kleingärten leisten einen positiven Beitrag zum städtischen Klima, Biodiversität und Insektenschutz wird auch auf der kleinsten Parzelle gelebt. So auch in der Kleingartenanlage Kurenholt im Oelder Süden. Sie bekam jetzt Besuch aus Berlin.

Von Peter Sauer

Sie stellten sich den Fragen rund um Insekten- und Naturschutz: (v.l.) die SPD-Landtagsabgeordnete Annette Watermann-Krass, Dennis Kocker (Vorsitzender SPD-Kreistagsfraktion), Rolf Rosendahl (Vorsitzender des Bezirksverbandes Kreis Warendorf der Kleingärtner), Gregor Schweins (Vorsitzender Kleingartenanlage Kurenholt), Bundesumweltministerin Svenja Schulze, SPD-Bundestagsabgeordneten Bernhard Daldrup und Foto: Peter Sauer

Nicht nur Sonnenblumen und Apfelbäume prägen die Kleingartenanlage des KGV Kurenholt in Oelde. Der Weg zum Vereinshaus ist auf beiden Seiten von Blühstreifen voller farbenfroher Pflanzen. umgeben.

Urbaner Klimaschutz

Um Insektenschutz und stadtnaher Natur ging es auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), die am Montagnachmittag die Kleingartenanlage besuchte: „Hier findet Klimaschutz statt. Wir fördern die Kleingärten gerne. Sie sind auch Teil des Bundesnaturgesetzes.“ Schulze betonte, dass nicht nur etwas für den Klimaschutz getan werden müsse, sondern auch für die biologische Vielfalt. Ein wesentlicher Aspekt sei der Insektenschutz. „Wer kümmert sich darum im Lokalen? Das sind vor allem auch die Kleingärtner“, sagte sie. Deren Arbeit sei nicht zu unterschätzen.

Besonders gefiel Svenja Schulze bei ihrem Rundgang durch die Anlage der Schulgarten der Albert-Schweitzer-Schule. Wildblumenbeet, Nisthilfen für Insekten und Bienenstöcke seien ein gutes Beispiel für gelebten Insektenschutz. Im Schulgarten gibt es nicht nur Bio-Unterricht. „Im Herbst haben die Kinder hier auch schon Äpfel und Kartoffeln geerntet“, sagte Gregor Schweins, Vorsitzender der Kleingartenanlage Kurenholt.

Eine von 31 Parzellen der Kleingartenanlage Kurenholt in Oelde Foto: Peter Sauer

Ernst wurde die Ministerin beim Thema Glyphosat. „Glyphosat umgibt die Kleingärten von den landwirtschaftlichen Flächen aus, wirkt auf sie nachteilig ein und macht es auch für die Insekten schwierig.“ Aus diesem Grund sei sie froh darüber, dass Glyphosat endlich verboten werde. „Zunächst für den privaten Bereich, Schritt für Schritt auch für die Landwirtschaft.“ Dass dieser Entschluss die Arbeit der konventionell arbeitenden Landwirte erschwert, wurde schnell deutlich. „Ich setze Glyphosat ein – in Maßen“, sagte Michael Spliethoff, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Oelde. „Wir haben schwierig zu bekämpfendes Unkraut, das so am effektivsten ausgeschaltet werden kann.“

Michael Spliethoff, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Oelde, diskutierte mit. Foto: Peter Sauer

Schulze erläuterte, dass es durch das europäische Verbot. keine Wettbewerbsverzerrung geben werde. „Wir wollen doch, dass es auch in Zukunft Landwirtschaft gibt“, betonte Schulze. „Bei den Produkten der Landwirte von hier, weiß man, was drin ist.“ Die anwesenden Landwirte antworteten mit einem jovialen „Bravo!“.

Keine amerikanischen Verhältnisse

Die Bundesumweltministerin wurde ernster. „Der Rückgang an Insekten ist dramatisch.“ Es dürfe nicht so weit kommen, wie in den USA, wo Hummeln und Bienen für insektenschwache Regionen gemietet werden. Deshalb müsse sofort eingeschritten werden.

Sowohl Sprecher der Landwirte im Kreis als auch der Jäger betonten, wie viel Flächen und Geld sie aktuell für die Artenvielfalt investieren, allein die Jäger rund 60 000 Euro in drei Jahren. Drei bis vier Prozent Blühflächen seien an den Äckern entstanden. Svenja Schulze begrüßte dies, gleichzeitig warb sie für das vom Landwirtschaftsministerium ausgearbeiteten neue Ackerbaustrategie. Die Landwirte signalisierten der Ministerin klar: „Es muss dabei regionale Lösungen geben.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze besuchte die Kleingartenanlage Kurenholt in Oelde Foto: Peter Sauer

Gleichzeitig verurteilte Schulze die Schottergärten. „Die sind gar nicht pflegeleichter und ich nenne sie nur Gärten des Grauens.“ Voll des Lobes war die Ministerin für die Projekte die Inge Seelige von der Bürgerinitiative „Warendorfair Bienenretter“ vorstellte.

Auch über die Energiewende wurde in der Kleingartenanlage Kurenholt diskutiert. „Wir brauchen eine gescheite Anschlussregelung“, forderte Josef Roxel, Landwirt und Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Landwirte deutlich weniger Geld erhalten würden, wenn es um Einspeisevergütungen bei den Windenergieanlagen geht.

Daldrup: „Strom muss günstiger werden“

Der Bundestagsabgeordnete Bernhard Daldrup (SPD) stimmte zu. „Wir müssen die Anschlussregelung noch einmal verlängern – und zwar so lange, bis wir endlich Klarheit haben, was mit dem Repowering und mit dem Bau neuer Anlagen ist.“ Deutschland benötige einen jährlichen Zuwachs der Stromproduktion: „Der Strom müsse auch günstiger werden.“

Sonnenblume mit Bienen in der Kleingartenanlage Kurenholt Foto: Peter Sauer

Lebendiges Hobby

Insgesamt engagieren sich 1500 Menschen in 22 Vereinen in 28 Kleingartenanlagen im Kreis“, bilanzierte deren Vorsitzender Rolf Rosendahl, Seit 2017 gibt es auch in der Kreisstadt einen Verein, aber keine Anlage: „Es ärgert uns sehr, dass die Mühlen der Bürokratie in Warendorf immer noch sehr langsam mahlen.“

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