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Fragebogen

Interview mit Dr. Olaf Gericke

Kreis Warendorf

Landrat Dr. Olaf Gericke (54) ist CDU-Mitglied ist Chef der Kreisverwaltung mit 1361 Mitarbeitern und ebenso der Kreispolizeibehörde mit 421 Mitarbeitern.

Beate Kopmann

Dr. Olaf Gericke Foto: Beate Kopmann

Für ein Drittel aller Beschäftigten im Kreis Warendorf wurde Kurzarbeit angemeldet. Was wollen Sie als Landrat tun, um einer schweren Wirtschaftskrise entgegenzuwirken?

Der Kreis Warendorf überwindet die Corona-Folgen solidarisch! Das war Ergebnis der ersten Mittelstandskonferenz, zu der ich die Vertreter der 13 Städte und Gemeinden, von Handel, Industrie, Handwerk, Landwirtschaft, Gewerbe, Geldinstituten, Gewerkschaften und Arbeitsagentur zusammengerufen habe. Die Risiken für Wirtschaft und Arbeit sind noch längst nicht ausgestanden.

Auch wenn die öffentliche Hand den Unternehmen zügig und unbürokratisch Unterstützung bietet, bleibt klar, dass der Staat nicht der bessere Unternehmer ist, aber helfen muss. Wir kämpfen um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz und tun alles, um die Wirtschaft gemeinsam flott zu halten. Kurzarbeit gilt der Mittelstandskonferenz als geeignetes Instrument, um einerseits Entlassungen zu vermeiden und andererseits Fachkräfte nicht auf Dauer zu verlieren.

Der Kreis Warendorf ist Maschinenbau-Standort. Viele heimische Unternehmen sind exportorientiert. Mit welchen Folgen durch eine weltweite Rezession rechnen Sie?

Wir sind zum Glück eine starke Wirtschaftsregion. Das ist eine gute Ausgangsbasis, aber wie die Entwicklung im nächsten Jahr aussehen wird, weiß noch niemand. Wir fahren alle auf Sicht.

Eine moderne Verkehrspolitik für den Kreis Warendorf zu schaffen, bedeutet . . .

...einen neuen Kraftakt für den ländlich-urbane Raum des Münsterlandes. Die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Sendenhorst und Münsters Hauptbahnhof in den Jahren 2023/24 bedeutet den Start für ein S-Bahnnetz im ganzen Münsterland. Die Fahrtzeit zum Hauptbahnhof Münster beträgt dann etwa 20 Minuten, das schafft man mit dem Auto nicht. Sinnvoll ist eine Fortführung bis ins Sauerland. Natürlich brauchen wir auch weiter das Auto als individuelles Verkehrsmittel. Wir verteufeln kein Verkehrsmittel, beweihräuchern aber auch keins.

Viele Menschen klagen über hohe Mieten und Grundstückspreise. In welche Richtung wollen Sie den Wohnungsbau steuern?

Ein wirksames Mittel, das Kommunen hier haben, besteht darin, neue Baugebiete auszuweisen. Hohe Mieten und teure Grundstücke sind die Folge starker Nachfrage, was zeigt, dass die Menschen gerne in unserer Region leben.

160 Millionen Euro Fördermittel erhält der Kreis Warendorf für den Glasfaserausbau. Jetzt kommt es darauf an . . .

...es schnell umzusetzen, was auch geschieht. Bis Ende des Jahres wird bereits in acht Städten und Gemeinden des Kreises der Netzausbau auf Hochtouren laufen. Dieser Ausbau des Glasfasernetzes ist ein Meilenstein für unsere digitale Infrastruktur. Gerade jetzt können wir im Kreis Warendorf froh sein, dass wir schneller als andere in Deutschland waren, nicht nur reden, sondern auch handeln. Wir wollen leistungsstarkes Internet auch in ländlicher Region.

Der Kreis Warendorf ist landesweit einen Sonderweg gegangen und hat neue Förderschul-Standorte eröffnet. Dieser Weg ist . . .

...besser für Kinder, Eltern und Lehrer.

Durch die Corona-Krise brechen Steuereinnahmen weg. Sollte der Kreis deswegen Leistungen abbauen oder lieber Schulden machen?

Es hat sich als richtig erwiesen, dass der Kreis Warendorf in meiner bisherigen Amtszeit als Landrat eine solide Finanzpolitik gemacht und Schulden abgebaut hat, so dass wir hoffentlich nicht vor dieser Frage stehen werden. Aber Steuer- und Abgabenerhöhungen halte ich für das komplett falsche Signal.

Die Bauern haben zuletzt auf Protest gesetzt. Viele fühlen sich von der Gesellschaft zu Unrecht an den Pranger gestellt. Welche Schwerpunkte wollen Sie in der Naturschutz- und- Landwirtschaftspolitik setzen?

Die landwirtschaftlichen Familien werden immer häufiger übel beschimpft und drangsaliert. Dagegen braucht es den Aufstand der Anständigen. Wir werden auch diese Herausforderungen nur gemeinsam lösen können. Natur und Landwirtschaft sind und bleiben wichtiger Teil unserer regionalen Identität. Beim Bündnis für Artenschutz sitzen deshalb Bauern und Naturschützer an einem Tisch.

Erläutern Sie kurz Ihr Wahlkampfmotto (Wofür steht „Gut.Sicher.Gemeinsam“)?

Wir brauchen Zusammenhalt. Wenn es überall im Rest der Welt schon turbulent, gereizt und unübersichtlich zugeht, dann müssen wir wenigstens bei uns zuhause im Kreis Warendorf dafür sorgen, dass die Menschen hier gut arbeiten, gut wohnen und gut leben können. Hier leben die Menschen gern. Wir treten dafür an, dass sie es auch in Zukunft tun können – gut, sicher und gemeinsam.

Das wichtigste politische Ziel in der nächsten Amtszeit ist . . .

Herausforderungen rechtzeitig zu erkennen und Probleme zu lösen. Die CDU ist keine Schönwetterpartei, und diese Haltung brauchen wir gerade in der jetzigen Zeit.

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