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Präventionsprogramm „Kurve kriegen“

Jugendkriminalität verhindern

Kreis Warendorf

Um auffällige Kinder und Jugendliche davor zu schützen, ganz in die Kriminalität abzurutschen, haben Polizei und Jugendämter im Kreis eine neue Kooperation ins Leben gerufen.

Von Beate Kopmann

Unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung zwischen Polizei und Jugendämtern (v.l.): Michael Gerdheinrich (Bürgermeister Beckum), Karin Rodeheger (Bürgermeisterin Oelde), Dr. Olaf Gericke (Landrat) und Dr. Alexander Berger (Bürgermeister Ahlen). Foto: Beate Kopmann

Mit acht Jahren verübte der heute 21-Jährige seine erste polizeilich registrierte Straftat. Insgesamt 143 Straftaten konnte die Polizei dem Intensivtäter nachweisen – aufgelistet ist das auf einer Rolle, die sechs Meter lang ist. Um eine solche „Intensivtäter-Karriere“ in Zukunft möglichst zu vermeiden, wurde das Projekt „Kurve kriegen“ vom Land NRW ins Leben gerufen. Zehn Jahre wurde es nur in großen Städten angeboten. Doch jetzt können auch kleinere Polizeibehörden sich an diesem Programm beteiligen.

Seit dem 1. Juli ist auch die Kreispolizeibehörde Warendorf Standort der kriminalpräventiven NRW-Initiative „Kurve kriegen“. Die Initiative zielt darauf ab, besonders kriminalitätsgefährdete Kinder und Jugendliche (überwiegend im Alter von acht bis 15 Jahren) so früh wie möglich zu erkennen und sie durch individuelle, passgenaue Maßnahmen vor einem dauerhaften Abgleiten in die Kriminalität zu bewahren.

Dazu arbeitet die Kreispolizeibehörde Warendorf mit den beiden Jugendhilfeträgern, Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf und SKM – Katholischer Verband für soziale Dienste im Kreisdekanat Warendorf e.V. - sowie dem Kreisjugendamt als auch den Jugendämtern der Städte Ahlen, Beckum und Oelde zusammen.

„Wir müssen uns intensiv um auffällige Jugendliche kümmern“, sagte Landrat Dr. Olaf Gericke bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung.

Kriminalhauptkommissarin Sandra Bothe kümmert sich seitens der Polizei um die jugendlichen Straftäter. Zunächst hat sie eine Liste erstellt, in der alle Straftaten, die von Kindern und Jugendlichen begangen wurden, erfasst sind. „Im letzten Jahr waren das 454“, sagte Bothe auf Nachfrage. Natürlich seien darunter auch Delikte von Intensiv-Straftätern, die aus dem Programm herausfallen. Denn genau diese „Karrieren“ wolle man ja verhindern. „In einem zweiten Schritt erstelle ich dann eine Rangliste von den Tätern, die sich für das Programm eignen.“ Das geschehe nach Rücksprache mit den Jugendämtern, die in vielen Fällen die Jugendlichen und auch deren Familien bereits gut kennen.

„Im Wesentlichen basiert das Programm darauf, dass wir Polizeiarbeit mit Jugend- und Sozialarbeit verzahnen“, erläuterte Gericke. Im Einzelfall habe es das auch vorher schon gegeben – aber jetzt werde diese Hilfe quasi institutionalisiert.

Das Hilfskonzept ist dabei passgenau auf jeden einzelnen Jugendlichen zugeschnitten. „Das kann ein Anti-Gewalt-Training sein oder auch ein Sportangebot.“ Auf jeden Fall sei die persönliche Betreuung durch pädagogische Fachkräfte sehr engmaschig. „Wir sehen die Jugendlichen eher zweimal die Woche und begleiten sie auch bei Behördengängen“, erläuterte Tobias Gloddek, der in diesem Projekt als pädagogische Fachkraft arbeitet.

Bislang haben 1700 Jugendliche das Programm durchlaufen. Die Erfolgsquote soll über 40 Prozent liegen. Erfolg heißt, dass die Straftaten auf null zurückgehen, in den anderen Fällen habe man aber auch einen Rückgang der Straftaten um bis zu 75 Prozent erreicht.

Jörg Unkrig vom Innenministerium wies darauf hin, dass ein jugendlicher Intensivtäter Folgekosten von 1,5 Millionen Euro beschert. Abgesehen vom Einfluss auf den persönlichen Lebenslauf erspare das Programm „Kurve kriegen“ daher auch hohe soziale Folgekosten.

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