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Familien werden durch Corona-Lockdown stark belastet

Mehr Einsätze rund um das Kindeswohl

Kreis Warendorf

Die Lockdown-Regeln sorgen für zusätzlichen Stress in den Familien. Experten erwarten mit dem Ende der Corona-Pandemie eine weitere Zunahme der Fallzahlen von Kindeswohlgefährdung. Wie sieht die aktuelle Entwicklung im Kreis aus?

Von Peter Sauer

Werden Kinder vom Jugendamt in Obhut genommen, ziehen sie in ein Heim oder zu einer Pflegefamilie. Diese Maßnahme erfolgt aber meist nur für wenige Wochen. Foto: dpa

Um Kinder ausreichend vor Gewalt oder Verwahrlosung zu schützen, bleibt Behörden oft kein anderer Ausweg als die Inobhutnahme. In vielen Fällen liegt es an überforderten Eltern, wenn Jugendämter zu diesem Mittel greifen.

Im Jahr 2019 wurden im Kreis Warendorf 74 Kinder in Obhut genommen. 2020 waren 41 Kinder in Obhut. Diese Zahlen nannte Kerstin Butz, stellvertretende Pressesprecherin des Kreises auf Nachfrage. Wie sehr der Rückgang der Zahlen im vergangenen Jahr auch mit dem Corona-Lockdown zusammenhängt, zeigt der Blick auf die aktuellen Fälle. Im ersten Quartal des Jahres 2021 kamen im Kreis bisher 23 Kinder in Obhut des Jugendamtes.

Jeder Meldung wird nachgegangen

Bei der Aufarbeitung von Fällen, in denen das Wohl eines Kindes gefährdet ist, wird zwischen der Anzahl an Gefährdungseinschätzungen und den tatsächlichen Fällen von Kindeswohlgefährdung unterschieden. Die Fachkräfte gehen jeder Meldung nach. Nicht hinter jedem Hinweis steckt allerdings ein tatsächlicher Fall körperlicher, psychischer und häuslicher Gewalt, sexuellen Missbrauchs, gesundheitlicher Gefährdung, von Aufsichtspflichtverletzung und seelischer Verwahrlosung.

Fakt ist jedoch, die Zahl der untersuchten Fälle zur Einschätzung einer möglichen Kindeswohlgefährdung hat zugenommen. 2019 untersuchte das Jugendamt des Kreises 171 Fälle möglicher Kindeswohlgefährdung, im vergangenen Jahr stieg diese Zahl auf 256 Fälle.

Die Jugendämter gehen jedem Verdacht auf Beeinträchtigung des Kindeswohls intensiv nach. Foto: dpa

Das Team des Allgemeinen Sozialdienstes kümmert sich um Kinder in Not. Ansgar Windoffer ist Sachgebietsleiter. Die Zunahme möglicher Kindeswohlgefährdung hat für ihn klare Gründe. „Die Gesellschaft ist wachsamer, die Menschen sind sensibler geworden, sie schauen genauer hin.“

Auch wenn manche Meldung den Tatbestand einer Kindeswohlgefährdung im Einzelfall nicht bestätigen konnte, sei jeder Hinweis von Lehrern, von Erziehern, aus dem Freundes-, Familien- und Nachbarschaftskreis sehr wichtig.

Belastungsgrenze wurde überschritten

„Es ist gut, weiterhin wachsam zu bleiben und aufmerksam zu sein. Wenn ein Kind irritiert ist, sich plötzlich verändert hat, dann sollte man auf jeden Fall genauer hinschauen. Jeder kann sich jederzeit bei uns melden. Grundsätzlich.“ Die Corona-Pandemie mit ihren Regeln hat die Situation verschärft, da durch geschlossene Kitas oder Distanzunterricht der Kontakt der Mitarbeiter des Jugendamtes zum Kind abgebrochen ist.

„Wir haben uns beim ersten Lockdown pro-aktiv aufgestellt, uns zum Beispiel frühzeitig um die Veränderungen gekümmert, wie das mit der Notbetreuung läuft und ähnliches.“

Für 2021 rechnet Ansgar Windoffer damit, dass die Zahl der Fälle zunimmt. „Der dauerhafte Lockdown ab dem 10. November sorgte bei vielen betroffenen Familien dafür, dass die Belastungsgrenze überschritten wurde und wird. Die Krise hat sich dort mittlerweile zu sehr verfestigt.“

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