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Oelder Haus nach Standard 40+ spart 190 Tonnen CO2 pro Jahr

Neues Altenheim schützt das Klima

Oelde

Es ist nach dem höchsten Effizienzhaus-Standard 40+ gebaut: das neue Kardinal-von-Galen-Heim der Caritas Oelde. Davon profitieren nicht nur die Bewohner, sondern auch Klima und Geldbeutel.

Eine kleine Gastherme wird nur an ganz kalten Tagen das Blockheizkraftwerk im neuen Kardinal-von-Galen-Heim unterstützen müssen. Tobias Tarner hat die Energiesparmaßnahmen im Neubau geplant. Foto: Harald Westbeld/Caritas Münster

Was im Klimaschutz technisch machbar ist, zeigt sich im Heizungskeller. Nur wenn es ganz kalt wird, muss die Gastherme zusätzlich anspringen, die kaum größer ist als das in einem Einfamilienhaus übliche Modell. Ansonsten sorgt das mit Biomethan betriebene Blockheizkraftwerk fast CO2-neutral für Wärme und Strom gleichzeitig. Das neue Kardinal-von-Galen-Heim der Caritas Oelde ist nach dem höchsten KfW Effizienzhaus-Standard 40+ gebaut. 104 alte Menschen werden hier ab April wohnen. Finanziell möglich war dies allerdings nur mit Förderung der KfW, betont Christoph Roer von der Stabsstelle Bauwesen im Diözesancaritasverband, der das Projekt in der zweijährigen Bauzeit begleitet hat.

Roer hofft, dass die derzeit ausgesetzte Förderung neu aufgelegt wird, denn weitere Ersatzneubauten stehen an. Und abgesehen von der Notwendigkeit, das Klima zu schützen, zeigten die aktuell stark gestiegenen Preise die Notwendigkeit des energiesparenden Bauens.

Projekt war nur möglich mit Förderung der KfW

Wie stark der Verbrauch sinken kann, zeigt sich im Vergleich. Diplom-Ingenieur Tobias Tarner, der die Technik geplant hat, rechnet mit einem Primärenergieverbrauch von nur noch 26 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr. Bei einem Altbau aus den 70er-Jahren liegt der Wert bei bis zu 400 kWh, also mehr als 15-fach so hoch. Alles in allem rechnet Tarner mit 190 Tonnen CO2 weniger pro Jahr als im benachbarten Altbau.

190 Tonnen CO2 weniger pro Jahr

Von dem Aufwand, den Architektin Anne Linnemannstöns aus Münster zum Erreichen des Standards 40+ planen musste, werden die Bewohner wenig sehen. Die Wände sind mit der maximalen Dicke von 26 Zentimetern gedämmt, spezielle Fensterrahmen mit Dreifachglas eingebaut und eine permanente Lüftung mit Wärmerückgewinnung reduziert den Energieverlust. Eine Photovoltaikanlage auf den großen Dachflächen mit Speicher sorgt zusammen mit dem Blockheizkraftwerk dafür, dass 80 Prozent des Stroms selbst produziert werden können.

80 Prozent des Stroms werden selbst produziert

Altenheimleiterin Birgit Herfort hat neben der Ersparnis den Komfort für die Bewohner im Blick. Die Lüftung vermeidet das gerade für ältere Menschen unangenehme Gefühl, „dass es zieht“. Angenehmer wird es auch für das Personal in der Küche. Denn die Lüftung verfügt über Wärmetauscher und zusätzlich über eine Wärmepumpe. „Damit können wir im Sommer auch kühlen“, sagt Tobias Tarner.

Insgesamt sind die Investitionen nicht unerheblich, aber sie reduzieren die Betriebskosten für die Bewohner deutlich. „In dem engen Finanzkorsett der Altenheim-Finanzierung ist das nur mit Fördermitteln möglich“, so Roer. Neben den KfW-Mitteln habe es weiterer Zuschüsse bedurft. So hat das Bistum Münster den Ersatz der durch den Abriss des Pfarrheims entfallenen Flächen finanziell unterstützt.

Lüftung verfügt über Wärmetauscher

Nicht so einfach ist auch der wirtschaftliche Betrieb. Inzwischen eher ungewöhnlich, ist das Kardinal-von-Galen-Heim keinem Trägerverbund angeschlossen, sondern eigenständig. Die Pfarrei sehe es bewusst als Teil der Gemeindearbeit und wolle die Eigenständigkeit erhalten, erklärt Geschäftsführerin Birgit Schwichtenhövel. Die Landesvorgaben machen das nicht leicht. Eigentlich ist die Platzzahl bei 80 gedeckelt. Nur weil es ein Ersatzbau ist, wurden 104 Plätze genehmigt, die dem Bedarf in Oelde entsprechen würden – mit der Auflage, davon zwölf Kurzzeitpflegeplätze vorzuhalten. Problem bei kleineren Häusern sei auch, dass kaum eine eigene Küche unterhalten werden könne. Aber die, so Schwichtenhövel, sei wichtig für die alten Menschen und im Heim für ihre Qualität geschätzt.

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