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Kampagne „5D“ fordert ein klares Bekenntnis

Schweinehalter werben für „Made in Germany“

Kreis Warendorf

Viele Schweinehalter wollen aufgeben – so sehr stehen sie unter Druck. Dabei gäbe es eine klare Perspektive, wenn endlich fünf Regeln gelten würden. Kurz: Die Bauern hoffen auf „5D“.

Werben für „5D – Made in Germany“: Hubert Höner (r.), Ortsverbandsvorsitzender Ennigerloh, und Berufskollege Andreas Westermann halten die Stärkung der heimischen Absatzmärkte für unverzichtbar. Foto: WLV

Die Lage der Schweinehalter ist ernst: Bei niedrigen Preisen und hohen Futter- und Energiekosten müssen sie draufzahlen, wegbrechende Märkte und fehlende politische Rahmenbedingungen geben keine Perspektiven. „Im Moment ist es nicht leicht, Schweinehalter zu sein“, so Hubert Höner, Ortsverbandsvorsitzender in Ennigerloh. An diesem Tag hat er sich mit seinem Berufskollegen Andreas Westermann zum Fototermin getroffen. Weithin sichtbar hat Höner hier einen Pylon aufgestellt: „5D – Made in Germany“.

Fleisch soll als „5D“ gekennzeichnet sein

Die Botschaft ist kurz und bündig: Gemeinsam mit vielen anderen Schweinehaltern werben Höner und Westermann für Schweine, die in Deutschland geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet werden. Mehr Deutschland in einem Produkt geht nicht. Das Fleisch soll als „5D“ gekennzeichnet und zu fairen Bedingungen verkauft werden.

Die Zeit drängt: „Im Moment liegt der Preis für ein Kilogramm Schweinefleisch bei etwa 1,23 Euro. Da zahlen wir drauf! Die Sauenhalter sind noch schlimmer betroffen als die Mäster, weil sie ihre Ferkel kaum noch los werden und den Preisverfall nicht kompensieren können“, so Westermann.

Schweinehalter zahlen drauf

Corona-bedingte Schließungen von Schlachthöfen sorgen mancherorts für Schlachtüberhänge. Kantinen haben ihre ursprünglichen Kapazitäten noch nicht wieder hochgefahren. Gleiches gilt für die Gastronomie. Auch in anderen Ländern ist Schweinefleisch derzeit sehr günstig. Das drückt zusätzlich auf die Preise, die die gestiegenen Futter- und Energiekosten nicht mehr ausgleichen können.

Gestiegene Futter- und Energiekosten sind nicht mehr auszugleichen

„Die Gesellschaft erwartet bessere Tierwohlbedingungen und wir sind bereit, diese zu erfüllen. Viele von uns wollen in neue Ställe investieren. Aber dafür brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen, wie die Schweinehaltung in Zukunft aussehen soll“, so Höner. Die „Borchert-Kommission“ und die „Zukunftskommission Landwirtschaft“ hatten Konzepte erarbeitet, wie der Umbau der Tierhaltung in Deutschland aussehen könnte. „Seit der Regierungsbildung und mit Ausarbeitung des Koalitionsvertrages ist die Umsetzung dieser Ziele eher fraglich“, ist Westermann besorgt. Ihn und seine Berufskollegen treibt die Sorge um, dass die steigenden Produktionsstandards in Deutschland nicht durch die Weltmarktpreise zu finanzieren sind. „Wir brauchen bessere Absatzkanäle in Deutschland. Dafür wirbt die Kampagne 5D – Made in Germany“, so Höner und betont: „Die Verbraucher können mit ihrem Kaufverhalten zeigen, ob sie hinter den höheren Haltungsbedingungen stehen“. Mit der Kampagne „5D“ fordert der Berufsstand von Handel, Verarbeitern, Politik und auch von der Gesellschaft ein klares Bekenntnis zu Fleisch „Made in Germany“.

Nachdem die REWE-Group als erste angekündigt hatte, rund 95 Prozent des Schweinefrischfleisch-Sortiments auf deutsche Herkunft umzustellen, haben nun Aldi Nord und Aldi Süd nachgezogen. Beide Discounter wollen bis Ende 2022 ebenfalls ihr Schweinefrischfleisch-Sortiment auf „5D“ umstellen. Das gilt nicht für Tiefkühlprodukte, Bioprodukte und Filet. Einen noch größeren Schritt will zu Jahresbeginn Lidl machen: Neben Schweinefrischfleisch soll mit der Marke „Metzgerfrisch“ auch Verarbeitungsware als 5D angeboten werden. „Konsequent wäre es, wenn auch die Gastronomie eine Haltungs- und Herkunftsbezeichnung für ihr Fleisch angibt“, so Westermann.

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