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49-jähriger Beckumer wegen versuchten Mordes angeklagt

Tod von fünf Menschen in Kauf genommen

Beckum

Den Tod von fünf Menschen soll er in Kauf genommen haben – darunter war seine zweijährige Tochter. Jetzt erhebt die Staatsanwaltschaft Münster Anklage gegen einen 49-Jährigen aus Beckum.

-bk/pd-

Er kaufte zwölf Liter Benzin, versuchte damit, das Haus seiner Eltern in Brand zu stecken und nahm den Tod von fünf Menschen in Kauf – darunter die eigene Tochter: Wegen versuchten Mordes erhebt die Staatsanwaltschaft Münster nun Anklage gegen einen 49-jährigen Tatverdächtigen bei der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Münster. Konkret geht es um besonders schwere Brandstiftung mit versuchter Todesfolge und gefährliche Körperverletzung sowie Trunkenheit im Verkehr.

Zwölf Liter Benzin gekauft und Haus angesteckt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeschuldigten vor, am Abend des 18. April in alkoholbedingt fahruntüchtigem Zustand mit seinem Auto zu einer Tankstelle in Beckum gefahren zu sein. Dort soll er mehr als zwölf Liter Benzin erworben, dieses in einen Kanister abgefüllt haben und gegen 20.30 Uhr mit diesem Benzin zum Wohnhaus seiner Eltern in Beckum gefahren sein. Vermutlich aufgrund innerfamiliärer Konflikte soll der Angeschuldigte den Entschluss gefasst haben, das Haus seiner Eltern in Brand zu setzen und die darin befindlichen Personen zu töten.

Vermutlich innerfamiliäre Konflikte

Zum Tatzeitpunkt hielten sich – wie der Mann gewusst haben soll – fünf Menschen in dem Haus auf: Neben den Eltern des 49-Jährigen waren seine eigene damals zweijährige Tochter, der 40 Jahre alte Bruder des Angeschuldigten sowie der zwei Jahre alte Sohn des Bruders anwesend. Der Angeschuldigte hatte seine Tochter erst nachmittags – nach einem Streit mit seiner damaligen Lebensgefährtin (und Kindesmutter) – zu seinen Eltern gebracht.

Streit mit seiner damaligen Lebensgefährtin

Als der Angeschuldigte beim Wohnhaus seiner Eltern eingetroffen war, soll dessen Bruder die Haustür geöffnet haben. Sodann soll der Tatverdächtige knapp die Hälfte des Kraftstoffs sowohl gegen die Tür als auch gegen seinen Bruder geschleudert und das Benzin angezündet haben. Obgleich der Bruder noch versuchte, die Haustür zu schließen, wurde er von dem sich von dem Feuer erfasst, wodurch Kleidung und Körper in Brand gerieten. Indem er sich im Freien auf dem Boden umher wälzte und seine Kleidung auszog, gelang es ihm, das Feuer an seinem Körper zu löschen. Der Angeschuldigte soll dann mit seinem Pkw weggefahren sein; er ist am späten Abend in seiner Wohnung in Beckum festgenommen worden.

Der Bruder des 49-Jährigen erlitt erhebliche Verbrennungen an rund 25 Prozent der Körperoberfläche mit unterschiedlichem Schweregrad. Diese Verletzungen mussten über Wochen in einer Spezialklinik behandelt werden.

Den eigenen Bruder angezündet

Das Feuer konnte durch die Feuerwehr gelöscht werden; die gesamte Wohnung war durch die Folgen des Brandes unbewohnbar und musste aufwendig renoviert werden.

Das konkrete Tatmotiv ist bislang im Unklaren geblieben. Der Angeschuldigte, der sich in Untersuchungshaft befindet, hat sich zum Tatvorwurf nicht geäußert; hat aber nach seiner Festnahme die Tat als „Privatsache“ bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Hintergründe in einem familiären Konflikt des Angeschuldigten mit seinem Vater, seinem Bruder sowie mit der Mutter der gemeinsamen Tochter liegen.

Über die Zulassung der Anklageschrift entscheidet das Landgericht.

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