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Land finanziert Hilfe für Flüchtlinge

Traumazentrum kann seine Arbeit fortsetzen

Ahlen

Für drei Jahre übernimmt das Land die Förderung des Psychosozialen Traumazentrums (PTZ) für Flüchtlinge. Weitere 30 000 Euro erhofft sich die Einrichtung vom Kreis Warendorf sowie den Städten Ahlen und Hamm.

wn

Das Traumazentrum kann seine Arbeit fortsetzen: Rober Ibish, Nicole Salm, MdL Markus Diekhoff, Angelika Dittmann, Elif Eker, MdL Daniel Hagemeier, Dietmar Zöller, Jaqueline Gehrcke, MdL Henning Rehbaum und Katharina Wanninger (v. l.). Foto: Ralf Steinhorst

Die Fortsetzung der Arbeit des Psychosozialen Traumazentrums (PTZ) für Flüchtlinge bei Innosozial in Ahlen ist gesichert. Diese erfolgt kreisweit und in Randgebieten angrenzender Kreise. Lief die Förderung der Personal- und Sachkosten seit 2017 bis zum 31. Dezember 2019 über die „Aktion Mensch“, wurde diese seit Jahresbeginn für drei Jahre vom Land NRW übernommen.

Für die Förderung durch das Land hatten sich die Landtagsabgeordneten Markus Diekhoff (FDP), Daniel Hagemeier (CDU), Henning Rehbaum (CDU) und Annette Watermann-Krass (SPD) stark gemacht, damit das Projekt weitergeführt werden kann. Die Unterstützung beträgt jährlich circa 230 000 Euro. „Es gibt viele Menschen, die Schlimmes erlebt haben und denen geholfen werden muss“, bekräftigte Henning Rehbaum. Das sah auch Dietmar Zöller, Geschäftsführer von Innosozial so: Hätte sich der Attentäter von Berlin in einem PTZ Hilfe holen können, wäre der Anschlag in Berlin möglicherweise nicht passiert, weil bei ihm keine Radikalisierung stattgefunden hätte.

Mit der Flüchtlingswelle 2015 haben die Mitarbeiter bei Innosozial in ihrer Flüchtlingsarbeit festgestellt, dass viele Neuankömmlinge psychologisch von Krieg und Gewalt geprägt waren. Im März 2017 ging das PTZ dann an den Start, der große Ansturm zeigte schnell den Bedarf. Mit der Aktion Mensch konnte schnell ein Förderer für die Finanzierung gefunden werden. Da es in anderen Regionen von NRW, schon PTZ gab – heute sind es zehn – konnte man sich im Netzwerk zum Aufbau der Arbeit wertvolle Hilfen einholen, um sich sprachlich und kulturell auf die neuen Klienten einzustellen.

Dass das PTZ notwendig war, zeigt die Tatsache, dass frei am Markt tätige Psychologen und Psychiater schon in normalen Zeiten überlastet sind, zudem aber sprachlich nicht für Flüchtlinge gerüstet sind. Die bekommen im PTZ nicht nur psychologische Unterstützung, sondern auch juristische. In diesem Fall vom syrischen Juristen Rober Ibisch, der vor sieben Jahren selbst aus seinem Heimatland nach Deutschland floh. Auch für Betreuer von Flüchtlingen ist das PTZ Ansprechpartner.

Fachbereichsleiterin Jacqueline Gehrcke ist stolz, dass in der Coronakrise trotz teilweisem Home-Office der Kontakt zu den Klienten durch soziale Medien gehalten werden konnte: „Wir haben in diesem Jahr trotzdem bis zu 800 Beratungen durchgeführt“. Die Zahl der Klienten lag 2018 bei 121, im Jahr 2019 bei 115.

Viele der Flüchtlinge, Frauen und auch Männer, haben sexuelle Gewalt erdulden müssen, so die Erkenntnis der Mitarbeiter. Umso schöner ist es, wenn sie erleben, dass diese Menschen eine Einbindung in die Gesellschaft schaffen. Das auch weiterhin zu schaffen, ist das Ziel. Deshalb will Innosozial vom Kreis Warendorf und den Städten Ahlen und Hamm eine weitere Unterstützung von insgesamt 30 000 Euro erreichen.

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